Die neuen Coolen

am 23. Februar 2010 unter Foo abgelegt

a_bud_hur

Sogenannte "Revoluzzer" zeichneten sich früherer Tage im Wesentlichen durch eine gezielt nonkonformistische Attitüde, im Wesentlichen aber durch den Transport einer Aussage aus. Es wurde frontal Kritik am System, der Gesellschaft, oder der Menschheit im Allgemeinen geübt, aber man hielt – zumindest theorethische – Alternativen bereit, nörgelte nicht nonkonstruktiv vor sich hin und stand letztlich mit seiner eigenen Identität für die eigene Meinung ein.

Das Web hat vieles verändert. Zwar nicht den überbordenden Geltungsdrang des menschlichen Individuums selbst, wohl aber die Optionen, diesem ein Ventil zu schaffen. So genügen heute ein Internetanschluss und viel freie Zeit, aus einem arbeitslosen Sozialneurotiker einen Helden, einen Star, eine Gallionsfigur zu kreieren. Einziges Problem: Es gibt derer viele und die Masse trübt den so ersehnten Blick auf den Einzelnen. Alleinstellungsmerkmale sind also gefragt, Wege, aus der Masse an supercoolen Techies herauszustechen. Millionäre bietet das Netz inzwischen zu Milliarden, ein Helfersyndrom ist längst nicht mehr schick, Helden des Alltags transportieren Tag für Tag unseren Wollstandsmüll ab.

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Virales (?)

am 19. Januar 2010 unter Foo abgelegt

questionsp

Im Gedankenkreislauf eines jeden Individuums zirkulieren physiologischer Weise immer ein paar Warums und Hinterfragungen. Manch einer mag so beschäftigt sein, oder alternativ intellektuell derart unterbelichtet, das ihm dies nie auffallen wird, die meisten Artgenossen sind sich ihrer Warums jedoch bewusst und ignorieren sie meist aus gutem Grunde.

Latent stellt sich die Frage nach dem "Warum" bei praktisch allem, was wir tun, sei es nun aktiv, oder passiv, in Reaktion auf eine Aktion Dritter. Zur Ratifizierung, zur Optimierung und zur allgemeinen Steuerung unseres Lebens sind diese Rückfragen unabdingbar. Wer sie sich nicht stellt, oder verharrt, dümpelt fremdbestimmt durch sein Sein und wird sich diese Frage spätestens final in dramatischer Drastizität stellen.

Was aber, wenn sich die Frage nicht dediziert beantworten lässt, die Ursache der Frage eine Unabänderlichkeit darstellt? Fragen, die sich ausschließlich mit "Weil es eben so muss" beantworten lassen? Für diese zahlreichen Fälle hat uns unsere Natur mit einer heilsspendenden Dumpfheit ausgestattet: Derartige Fragen stellen wir uns im Alltag nicht. Wir quälen uns allmorgentlich durch den Berufsverkehr, weil die Evaluierung der öffentlichen Verkehrsmittel kein Optimierungspotenzial auswies, wir ertragen unseren staubtrockenen, zermürbenden Job, weil Existenzängste und unser Sicherheitsbedürfnis uns dazu zwingen, wir zwingen uns wieder und wieder, diesen bescheuerten Salat zu fressen, weil das eben gesund ist und wir ansonsten des Skorbuts verstürben. Bei all diesen Tätigkeiten würden wir die ständige Frage nach dem Warum in unserem Bewusstsein gar nicht ertragen, für eine derartige Folter ist die menschliche Psyche im Regelfall schlicht nicht ausgelegt. Dauerhaftes, emotionales Erbrechen wäre die Folge, und genau dieses macht endgültig handlungsunfähig. So haben wir gelernt, vielfach die Frage nach dem Warum entweder zu ignorieren, oder in einem bewussten, mentalen Akt im Keime zu ersticken.

Mitunter aber gelingt es extrinisischen Faktoren, unser cognitives Immunsystem derart zu schwächen, das eben diese Mechanismen versagen. Wir sind so intensiv damit beschäftigt, uns andere, größere Umstände schönzureden, oder aber sie daran zu hindern, uns zu vernichten, dass keine Kapazität für das Niederkämpfen der vielen, kleinen, sonst kaum störenden Warums mehr übrig bleibt. Der Alltag wird schier unerträglich, wenn all die sinnlosen, zum Teil schmerzhaften und praktisch immer belastenden Aktionen und Reaktionen gnadenlos hinterfragt werden müssen. Nicht genug damit, das sie an die Oberfläche dringen, sie vermehren sich auch. Fehlt der gesunde Selbstschutz, reproduzieren sich die bösartigen Biester ungebremst. Kaum ein Umstand, kaum ein Zustand, kaum ein Ereignis, welches nicht im schmerzhaften Sinne hinterfragbar wäre. Der Erkrankte wird regelrecht überschwämmt von Fragen, deren Antworten er sich nicht ohne seelisches Husten, Schnupfen und Herzfieber zu geben vermag.

Wohl dem, der einen großen, umfassenden Grund zur Niederschlagung seiner Warums zu finden vermag, denn dies sind Situationen, die bestenfalls signifikante Änderungen hervorbringen, aber durchaus geeignet sind, einen Menschen zu brechen.

Doch der Gebrochene wird immun sein. Mit der Selbstaufgabe verstummen auch die Fragen. Nur mehr zu funktionieren; leichter kann ein Leben nicht sein.

Was wäre die Welt nur ohne mich?

am 26. November 2009 unter Foo, Kultur muss auch mal sein, Textblech abgelegt

Ich habe bereits geniale Erfindungen für einen lebenswerteren Alltag ersonnen, da konnten andere nicht einmal sprechen. Dennoch bin ich *GOTTSEIDANK* bodenständig geblieben, Untugenden wie Selbstüberschätzung, Blasiertheit oder gar Arroganz sind mir glücklicherweise fremd. Dies muss an meinem überaus liebenswerten, geduldigen und toleranten Wesen liegen, ich konnte schon immer gut mit weniger Begabten. Wäre auch richtiggehend angeschissen, sei dem anders… Nichts desto trotz bedarf auch ich zeitweilig der Anerkennung Dritter, darum hier eine kurze Übersicht meiner Errungenschaften für die Menschheit.

Am Anfang stand der Dübel

Duebel

Natürlich, Dübel existierten schon lange vor meiner Zeit, aber meine Ableitung, der Nübel, wurde von mir im Alter von etwa drei Jahren entwickelt. Rein theorethisch, versteht sich.

Aufgewachsen unter Frauen, kannte ich Bohrmaschinen nur vom Hörensagen. Immer wieder ärgerte es mich, wenn mir das Familienfoto, unsachgemäß mittels eines Nagels über meinem Bett befestigt, unmotiviert des Nächtens auf meinen wertvollen Schädel prallte. Also erdachte ich eine stählerne Hülse mit Spreizarmen, welche sich ausbreiten mögen, sofern ein Nagel in sie geschlägen würde. Um ein Herausrutschen des Nagels zu verhindern, besäße dieser eine ringförmige Nut, die in eine entsprechende Aussparung im Nübel einrasten könne. Einziges Manko: Ein derartiges Konstrukt wäre nur noch unter nennenswerten Kolateralschäden wieder aus der Wand zu entfernen.

Kürzlich im Baumarkt erspähte ich genau eine solche Konstruktion. Hieß natürlich nicht Nübel, aber ich war zu aufgebracht, mir den Namen des Plagiats zu merken. Ich hätte meine Tagebücher niemals ins Altpapier geben dürfen.

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Abschiede

am 04. Mai 2009 unter Foo abgelegt

Manchmal im Leben geraten wir an Wendepunkte, an denen eine Entscheidung getroffen werden muss. Meist haben wir die Wahl, ob wir weiter wie bisher gegen Wände rennen, unsere Beulen pflegen um nur wieder von vorne zu beginnen, oder ob wir abkehren und in einer ganz anderen Richtung weitergehen.

Ein Richtungwechsel, ein Zurücklassen des Altbekannten, des lieb gewonnenen, dessen was einem in seiner Vertrautheit ans Herz gewachsen ist, erfordert immer ein gerüttelt Maß an Bereitschaft zum Schmerz, einen gewissen Mut und es ist fast immer mit Wehmut verbunden. Aber das Leben ist einfach zu kurz, aus reiner Bequemlichkeit und Verlustangst an Postionsmarkern der eigenen Lebenslinie zu verharren, statt weiter zu ziehen und Neues zu entdecken.

Für mich begann der 01. Mai diesen Jahres mit einer solchen Entscheidung. Schweren Herzens habe ich mich von einem Projekt getrennt, welches lange Jahre für mich viel Arbeit, viel Idealismus, viel Freude und viel Leid bedeutet hat.

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Herzzeit

am 21. April 2009 unter Foo abgelegt

herz-fuer-blogs

Der MC Winkel hat da auf eine schöne Idee hingewiesen, derer ich mich völlig eigennützig einmal anschließe, denn auf die Dauer sind mir meine 15 Stammleser dann doch nicht genug. Nichts gegen diese Stammleser, ich liebe sie alle, auch wenn ich fast keinen kenne, aber wenn ich ein privates Tagebuch schreiben wollte, könnte ich auch Papier benutzen.

Soviel dazu, ich sei stur und unbelehrbar…

Nebst dem Herr Winkel lese ich noch ein paar andere Blogs:

- den Naturalbornchiller , der, wenn auch mitunter etwas naiv, sich mit der ganzen Welt dergestalt anlegt, dass er seine Blogposts regelmäßig mit einem Passwort wegsperren muss,

- dieJulia, die zwar inzwischen lieber fotographiert, als schreibt, aber immer wieder einmal zwischendurch mit ihren grenzüberschreitend genialen Formulierungskonstrukten zu begeistern weiss,

- den Parkster, eine Weile mal nicht, jetzt wieder schon, seit er sich außer für seinen Bauch und seinen Sport inzwischen auch wieder für anderes interessiert,

- die Finja, die mit wahnwitzigen Alltagsberichten ihre gähnend langweiligen Politikexzesse gekonnt überspielt und somit ihren Shice an den Mann bringt, auch wenns keinen interessiert,

- den geistigen Massenmörder German Psycho, der leider viel zu wenig schreibt, mit dem ich aber immer wieder gerne einer Meinung bin,

- die Frau SeptemberRave, die aus dem letzten Quentchen Glück noch ein Fass Elend zu pressen weiss,

- Madame Ninifaye, die auch viel zu viel fotographiert, statt ihrer Wortkunst öfter freien Lauf zu lassen,

- den Herrn BastiH, der wie kein anderer sein Selbstmitleid in Prosa zu kostümieren weiss,

- die Vizekönigin, die mit scharfem Blick die obskursten Abstraktivitäten schonungslos ans Licht zerrt

- und letztlich den Herrn Ramses, der kurz und prägnant die Welt versteht und sie ausschweifend auf den Punkt bringt.

Nun bin ich hinreichend zu Kreuze gekrochen, habe mich übergeben wie des Apotheker Wipfs bedauernswerte Zosse und würde mich sogar ein wenig schämen, wenn mir nicht alles so furchbar scheissegal wäre. Prost Mahlzeit!

Tussi-Ness

am 11. März 2009 unter Foo abgelegt

wellness

Wellness ist die kostspielige Entspannung wohlstandsbekloppter Berufstussen von der Entspannung. Wenn Trägheit im persönlichen Luxus-Domizil zu langweilig wird, ist die fremdernährte Frau von heute gezwungen, es sich gegen des Gatten Bares in einem Wellness-Hotel fremdbesorgen zu lassen. Während sie der Trägheit frönt. Versteht sich.

Regelmäßige Wellnessreisen sind ein MUSS für die wohlständige Arbeitslose von heute, die im bemitleidenswerten Stress, stets das aktuellste Manolo Blahnic Modell an den unbenutzen Füßen zu tragen, schier zu vergehen droht. Wenn die Aufregung über das minderbemittelte, aber hochbezahlte Kinderbetreuungspersonal wieder einmal überhand nimmt und sich der seelenlose Gatte vorzugsweise bei Sechzehnstundenbürotagen entspannt, ist der Wellness-Kurzurlaub mit den gleichermaßen “betroffenen” Silikontittenfreundinnen ganz klar zum Zwang geworden.

Wohin auch mit der Kohle?

Wellness ist für reiche Mädchen, denen die Ideen ausgehen, die zugefallene Kohle sinnvoller zu verprassen. Männer, die Wellnessurlaube antreten, sind entweder schwul, homosexuell, oder aber vom anderen Ufer.

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Alkohol

am 24. Januar 2009 unter Projekt Trockendock abgelegt

alkohol

Warnhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Einfluss im Titel näher bezeichneter Substanzen verfasst. Der Autor übernimmt zu keiner Zeit Verantwortung über Sinn, Verstand und eventuelle Folgeschäden dieser Exzeberation intellelektueller Diarrhöe mit nicht unwesentlichem, geistigen Flatulenzaufkommen.

C2H5 OH. Ethanol. Alkohol. Die weltweit am häufigsten vorkommende Droge überhaupt. Und womöglich und wahrscheinlich die fatalste.

Ich selbst trinke Alkohol seit ich 14 bin. An meinen ersten Konsum vermag ich mich nicht mehr zu erinnern, ich weiss nur, dass er deutlich vor diesem Alter stattgefunden hat. In meiner Familie herrscht eine sogenannte “Prädisposition”. Will meinen: Uropa und Uroma mütterlicherseits waren dem Branntwein nicht abgeneigt, ebenso nicht Grossmuttern väterlicherseits. Sowohl Muttern als auch Vaddern tranken und trinken regelmäßig. Regelmäßig auch zu viel. Die restlichen leiblichen Familienmitglieder soffen entweder leberzirrhosen- oder selbstkasteiungsbedingt nicht. Gar nichts.

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