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  • Nach der Butan-Inhalation erst mal gut ausatmen, Kinder, bevor ihr Euch eine Kippe ansteckt, woll!? 1 day ago
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Islamophobie

am 15. Januar 2010 unter Foo, Kultur muss auch mal sein abgelegt

frightened

Angst ist eines der ursprünglichsten, intensivsten und sinnvollsten menschlichsten Gefühle überhaupt, ohne die es eine Zivilisation gewiss nicht geben könnte. Angst ist ein Frühwarnsystem für existentielle Bedrohungen, die uns erlaubt vernichtende Angriffe auf unser Leben abzuwehren, bevor sie erfolgen. Doch Angst kann auch lähmen, zerstören und diskriminieren, wenn sie entartet und wuchert.

 

In unseren heutigen, mitteleuropäischen Zivilisationsbunkern, die wir uns mit unserer exorbitanten Anpassungsfähigkeit geschaffen haben, besitzen existenzielle Ängste kaum mehr eine Berechtigung. Wir können uns in der überbordenenden Mehrheit stets sicher sein, warmgehalten, genährt, gewässert und medizinisch umsorgt zu sein, egal, wie ungeschickt wir uns im Alltag auch anstellen mögen, gleichgültig, welch ungerechtes Schicksal uns ereilen möge. Eine Bedrohung durch wilde Tiere, Krieg oder Kriminalität ist bestenfalls als marginal zu bezeichnen, ratifiziert man verlässliches, statistisches Material. 

Und doch ist Angst existenzieller Bestandteil unserer Persönlichkeit. Gibt es keinen Grund mehr, vor äusseren Einflüssen berechtigt Angst zu haben, sucht sich unser Angstbedürfnis alternative Ventile. Die stetig zunehmende Zahl der Angsterkrankungen mit zum Teil dramatischen Auswirkungen vermag diese These zu stützen. 

Hinzu kommt die Kleingeisterei, die gerade dem Mittelwohlständler beständig im Nacken sitzt: Er krallt sich verzweifelt an dem bisschen Materiellen, dass er sich selbst erwirtschaftet glaubt, fest und verliert hierbei leicht die Relation der Bedeutsamkeiten. Der "gute Christ" schämt sich aber gerne dieser egozentrischen Ängste, weshalb er sie so lange in vorgeschützer Besorgnis um das christiche Gutmenschenwertesystem kleidet und mimt, die abendländische Kultur vor ihrem sicheren Untergang bewahren zu wollen. Letztlich fehlt hier doch nur ein Feindbild, welches sich jedoch leicht in den Reihen unserer muslimischer Einwanderer ausmachen lässt: Fremd anmutende Menschen, oft in verschleierndes Tuch gehüllt, mit imperialistischem Funkeln in den schwarzen Augen, die ganz offen nach der Weltherrschaft trachten. Oder zumindest exotische Gebetshäuser mit Türmen bauen wollen und unverschämterweise ihre Grundrechte auf freie Religionsausübung einfordern. 

Schnell ist hier eine akute Bedrohung ausgemacht, schnell verbrüdert man sich mit dem "Establishment", dem man noch zu trans- und postpubertären Zeiten unbedingt den Kampf angesagt hatte. Mit allen Mitteln wird versucht, sich selbst zur Norm zu erklären, um ja seine abstrusen Phobien und Befürchtungen in ein wohlfeiles, völkisches Gewand zu kleiden. Der marktschreierisch christlich-traditionelle Demissionierungsinhibitationsbeauftragte aus eigenen Gnaden bezeichnet sich selbst gern als "konservativ", übersieht dabei aber, dass das Konservative den multikulturellen Charakter einer sich weiterentwickelnden Gesellschaft in einer vernetzten Welt, im Gegensatz zum agitatorischen Kulturmonopolisten, längst konstruktiv in sein Weltbild eingebunden hat, während neofeudalistische Kleingartenpächter und Deutschrosenzüchter höchst unkonservativ um ihr bisschen Habe bangen, nach welcher der diabolisierte Muselmann laut ihrer bäuerlichen Denke einzig trachtet.

Der "weltweite" Terror hat dem braunen Gedankenhabitus unsagbaren Vorschub geleistet. Regierungen nutzen die Angst dankbar und wohlkalkuliert zur Kontrolle des Pöbels. Niemand mag sich mehr an die Schandtaten des Christentums erinnern, wenn er aus seiner diesbezüglichen Glaubensorientierung das "Recht des Besseren" ableitet. Der bedingtbelichtete, geistige Mittelstand ist auf bestem Wege, den Humanismus einem neuen, christlichen Fundamentalismus zu opfern. Und regt sich dabei über die verschwindend geringe Anzahl islamistischer Trottel in Europa auf.