schwarzsicht auf Twitter

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  • Machen wir uns doch nichts vor! Wenn die richtig harten Sachen zu Neige gehen, heisst es eben: Kreativ sein! http://t.co/FksxYkHh 2 days ago

Das Los der Väter (IV): Laktationsintoleranz

am 25. Februar 2011 unter Foo, Textblech abgelegt

Die Ernährung eines Neugeborenen mittels Muttermilch gleich aus der Drüse ist unstrittig die natürlichste und gesündeste Form. Unter nicht zu vernachlässigender Kostenersparnis wird die Brut auf diese Weise optimal ernährt, das Urvertrauen gestärkt, die Mutter-Kind-Bindung optimiert und Allergien vorgebeugt. Nicht zu letzt sinkt auch das Risiko der Stillenden, an Brustkrebs zu erkranken.

Dennoch sollte sich der Kindsvater bewusst sein, was da auf Ihn zukommt, um ein böses Erwachen und ernste Beziehungskrisen zu vermeiden.

Die Sexualität des Mannes ist, unter anderem, stark brustzentriert. Er entwickelt in aller Regel ein sehr inniges und besitzergreifendes Verhältnis zu den Brüsten seiner Partnerin. Diese dürfen indes meist ausschließlich von ihm berührt, liebkost, geküsst und bestenfalls auch betrachtet werden.

Damit ist bei einer stillenden Mutter vorerst Schluss. Beide Brüste gehören ausschließlich dem Kind, Liebkosungen führen grundsätzlich zu mitunter befremdlichem Milchfluss und betrachtet werden die ehemaligen "Lusthügel" von so ziemlich jedermann, denn öffentliches Stillen ist bei einem halbwegs aktiven Lebenstil kaum zu vermeiden. So ist dem Manne nicht nur sein Liebstes genommen, nein, er teilt den Anblick auch noch mit der gesamten Umwelt. Nebst dem Verlustgefühl stellt sich gerne also auch noch Eifersucht ein.

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Das Los der Väter (III): Postnatal

am 11. Februar 2011 unter Foo, Textblech abgelegt

Die ersten Tage sind die Schönsten, sagt man. Da sind Frau und Kind im besten Falle nämlich noch im Krankenhaus.

Eine unvergleichliche Mischung aus Neugierde, vorsichtiger Vorfreude und nackter Panik ist es, die gewordenen Vätern den Weg zur Abholung ins Krankenhaus unvergesslich macht. Und im Normalfall das flaue Gefühl des Katers, den man sich in den vergangenen Tagen mit dem nicht abebbenden Strom an Nachbarn, Verwandten und Bekannten rechtschaffend angesoffen hat. Jetzt, mit dem erstmals fest montierten Kindersitz ist selbst Autofahren kein Vergnügen mehr, sondern purer Stress. Selbst wenn der Sitz noch leer ist.

Den meisten Männern wird dann, im Krankenhaus angekommen, erstmals in vollem Umfang bewusst, welche Rolle ihnen das weibliche Umfeld für die nächsten Monate zugedacht hat: Am Rand, als Vorhut, oder als nachgelagerter Lastesel, niemals jedoch DABEI. Unsere Aufgabe ist nun nurmehr zu unterstützen. Das Frauchen ist schließlich noch geschwächt, zudem noch von der theresienhaften Aura der Geburt eingehüllt, und das kleine Wesen doch so schutzbedürftig. Mein Rat an dieser Stelle: Putzen Sie, kochen Sie, kaufen Sie ein, hören Sie zu und halten Sie um Gottes Willen die Schnautze. Der angewandte Brutschutzreflex der eigenen Gefährtin ist ein Erlebnis, das kein Mann ernsthaft erfahren will.

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Das Los der Väter (II): Perinatal

am 29. Januar 2011 unter Foo abgelegt

"Das Wunder des Lebens: Die Geburt." – Dergestalt romantisiert sind die Wenigsten auf das vorbereitet, was sie da erwartet, die sie einst lustvoll dem Reproduktionstriebe nachgaben.

Für einen Mann definiert sich die Zeit vor der Holdesten Niederkunft meist durch ein Gefühl: Endloses, nervenzerfetzendes Warten, einzig aufgelockert durch die Jammertiraden der natürlich deutlicher Betroffenen. In den letzten Monaten vor der Geburt verändert sich der weibliche Körper auf geradezu groteske Weise: Jedwede Proportionen, sofern je vorhanden, lösen sich auf, die Ballonhaftigkeit der eigenen Physis ist allerdings niemandem bewusster, als der Dame selbst, weshalb sie unablässig Bestätigung einfordert, die "er" ihr natürlich liebevoll jederzeit zu Teil werden lässt.

Sinnvolle Gespräche mit der Partnerin sind im letzten Schwangerschaftsdrittel ausgeschlossen. Mann fragt sich, hofft, bangt, ob sie je wieder die geistige Konstitution wie vor der Schwangerschaft zurückerlangen wird, doch die Antwort ist so einfach, wie auch bereits zu diesem Zeitpunkt bewusst: Nein!

Der Sportwagen ist bereits verkauft, beziehungsweise entsprechende Träume sind endgültig begraben. Das Heim ist auf die Ankunft des goldenen Kalbes vorbereitet, oft genug musste das bisherige "Herrenzimmer", das dem Manne das Leben mit einer Frau zumindest erleichterte, geopfert werden. Es existieren nurmehr Mutter und Kind. Gedanklich, wie emotional, wie finanziell.

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Das Los der Väter (I): Praenatal

am 21. Januar 2011 unter Foo, Textblech abgelegt

Verkannt, unverstanden, diskriminiert, missbraucht und gedemütigt. Werden Väter natürlich nicht. Und doch zwingen Sie sich oft genug aus gesellschaftlicher Überanpassung zu einem Verhalten und synthetischen Empfinden, das da nicht echt sein kann. Fehlt es ihnen doch an einem ganz wesentlichen Bindeglied zur gerade geworfenen, oder noch zu werfenden Nachkommenschaft: Der entsprechenden Körperchemie.

Ein werdender Vater wird ganz plötzlich, für ihn nicht einmal greifbar, in eine komplett neue Lebenssituation platziert: Seine Partnerin ist von einem Tag auf den anderen ein komplett anderer Mensch. Oftmals emotional hypersensibel, bisweilen neurotisch und so gar nicht mehr die, die sie mal war, weshalb sie ja nun auch schwanger ist. Das engere und weitere soziale Umfeld, bestehend aus anderen Väter und vor allem, anderen Frauen, überschüttet ihn ungefragt und ohne absehbares Ende mit Ratschlägen von "selbstverständlich" bis "abstrus". Seine Kumpels haben plötzlich diesen befremdeten, ungläubigen Blick in den Augen und zu so machem Gelage läd man ihn nicht mehr ein. Aus "Rücksicht". In Wahrheit aber aus Angst vor der Konfrontation mit der eigenen, nicht unwahrscheinlichen Zukunft. 

Der Job bekommt plötzlich eine andere Bedeutung: Bislang der Spielplatz, auf dem man auch einfach mal lümmeln konnte, ist die persönliche Karriere plötzlich existenziell. Aus dem Nichts ist da auf einmal dieser Ernst, in allen Dingen. Dieser jede Leichtigkeit zersetzende, beängstigende und die Seele in ein persönliches Alcatraz sperrende Ernst. Keine flapsige Antwort mehr auf das menschenfeindliche Gehabe des Vorgesetzten, kein spontanes Ampelrennen mehr mit dem Vorstadtproleten im pastelfarbenen Scirocco auf dem Nachhauseweg. Keine durchgefeierten Wochenenden, kein harmloser Flirt mit der Kleinen vom Brötchenstand. Nurmehr Verantwortung, Zwang und dieser selbstaufgebaute Druck.

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Letzte Worte

am 31. Dezember 2010 unter Foo abgelegt

2010 war absolut nicht mein Jahr. Weniger noch, als irgendeines zuvor. 

Niemals zuvor häuften sich die Schicksalsschläge derart komprimiert, niemals zuvor fühlte ich mich so lange, und vor allem so verzweifelt, hilflos. 

Niemals zuvor wurde ich, mit meinen Bedürfnissen und Gedanken derart skrupellos ignoriert. 

Niemals zuvor habe ich für andere derart harte Arbeit geleistet, die ich abgrundtief hasste, niemals zuvor im Leben habe ich mich so erbärmlich gegen mich selbst verbogen. Niemals habe ich mich selbst so gehasst.

Niemals zuvor habe ich mit meinem Schicksal so erbittert gehadert. Niemals zuvor wusste ich so genau, wieso.

Niemals zuvor habe ich meine Mutter verloren. Niemals so viel Kraft in Menschlichkeit investiert, wo von Anfang an keine Hoffnung bestand.

Niemals zuvor bin ich derart hart und rücksichtslos an meine Grenzen gegangen, und weit über diese hinaus.

Niemals zuvor fand ich mich zitternd und weinend, vor körperlicher und physischer Erschöpfung, nur um nach zwei Stunden Schlaf rigoros wieder alles zu geben.

Niemals zuvor war ich derart hart zu Menschen, die meine Milde verdient gehabt hätten.

Niemals zuvor habe ich mehr Geld verdient und hatte keine Freude daran.

Niemals zuvor habe ich mehr Erdmasse bewegt, Kilometer zurückgelegt und fossile Brennstoffe verbrannt.

Niemals zuvor habe ich mehr Schweine auf so unterschiedliche Weise zu einem Braten verarbeitet.

Niemals zuvor habe ich mich hilfloser gefühlt.

Niemals zuvor war ich meiner Tochter näher, niemals zuvor habe ich diese alleszermalmende, aber allesdefinierende Liebe zum eigenen Kinde gefühlt.

Niemals zuvor habe ich mehr Menschen vor den Kopf gestoßen. Und niemals mehr verloren.

Niemals zuvor habe ich mich derart selbst aufgegeben. Niemals die natürliche Leere gefühlt, die einer Selbstaufgabe folgt. Nie war ich so ein Arschloch.

Ich habe viele Menschen kennengelernt, aber ausserordentlich wenige an mich herangelassen. 

Niemals zuvor habe ich so viel über mich selbst, über gedachte Grenzen und die physische und psychische Leistungsfähigkeit des Menschseins gelernt.

Ich bin unverwüstlich.

 

2011 wird mein Jahr. Oder ich erwürge es mit blosser Hand.

Retro – Spectat 2010

am 19. Dezember 2010 unter Foo abgelegt

Wieder ist ein Jahr vergangen, wieder ist viel zu viel geschehen, um es in einem Blogpost detailliert schildern zu können.  Hier also die Essenz meines ganz persönlichen Horrors 2010.

Weihnachten 2009 war das letzte in ursprünglicher Besetzung. Das wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand, ich hatte meine Ahnungen, die ich in ihrer Drastizität auch so geäußert habe, geändert hat das allerdings nichts. Konnte es wohl auch bereits nicht mehr, wie mir später bewusst wurde. Das erste Weihnachten mit meiner Tochter, zudem das Erste im eigenen Heim war dennoch wundervoll. Irre gibt es in jeder Familie, da sieht man geflissentlich drüber hinweg. 

Silvester verbrachte ich auch 2009 mehr oder minder alleine mit meiner Stieftochter. Mutter und Neugeborenes waren mit sich selbst vollends ausgelastet. Ich letztlich mit meiner alljährlichen 5 Liter – Aufgabe in Fassform auch. Der Teenager ging frustriert ins Bett. Der Stiefvater auch.

Die ersten drei Monate plätscherten recht ereignislos vor sich hin, man hätte von "Ruhe" sprechen können, wäre da nicht der 60 Stundenjob mit nach wie vor erbärmlicher Langeweile gewesen. Im April tat sich plötzlich eine berufliche Chance auf, zwar grundsätzlich keine Veränderung der Tätigkeit, wohl aber eine der Verantwortung und des Salärs. Ich ackerte, was auch immer das Zeug hielt, ein zuvor nischenhaft bedachtes Produkt war plötzlich in aller Munde, der Job zwar nach wie vor langweilig und viel zu zeitaufwändig, aber plötzlich auch stressig. Ich hatte den ersten Businessplan meines Lebens erstellt, er war gut, natürlich schnappte sich ein anderer die Lorbeeren, da er schon vor mir eine Leitungsposition innehatte und so nur zu leicht manipulieren konnte. Erst im weiteren Verlauf des Jahres stellte sich hierzu eine gewisse Dankbarkeit ein, ich hätte den Stress sicher nicht auch noch verkraftet, zuletzt bleibt aber eine Wunde im Stolz zurück, die nicht mehr heilt.  

Ich trank wenig und rauchte noch weniger, da ich immer wieder erfolgreich aufhörte. Für ein paar Tage. 

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in requiem

am 16. Dezember 2010 unter Foo abgelegt

For a mother...

Empty spaces – what are we living for?

Abandoned places – I guess we know the score..
On and on!
Does anybody know what we are looking for?

Another hero – another mindless crime.
Behind the curtain, in the pantomime.
Hold the line!
Does anybody want to take it anymore?
The Show must go on!
The Show must go on!Yeah!
Inside my heart is breaking,
My make-up may be flaking,
But my smile, still, stays on!

Whatever happens, I'll leave it all to chance.
Another heartache – another failed romance.
On and on…
Does anybody know what we are living for?
I guess i'm learning
I must be warmer now..
I'll soon be turning, round the corner now.
Outside the dawn is breaking,
But inside in the dark I'm aching to be free!

The Show must go on!
The Show must go on! Yeah,yeah!
Ooh! Inside my heart is breaking!
My make-up may be flaking…
But my smile, still, stays on!
Yeah! oh oh oh

My soul is painted like the wings of butterflies,
Fairy tales of yesterday, will grow but never die,
I can fly, my friends!

The Show must go on! Yeah!
The Show must go on!
I'll face it with a grin!
I'm never giving in!
On with the show!

I'll top the bill!
I'll overkill!
I have to find the will to carry on!
On with the,
On with the show!

The Show must go on.

Nichts trennt uns

am 04. Dezember 2010 unter Foo, Textblech abgelegt

Ich kehre zurück an die Orte,

wo wir uns begegnet sind,

-und Du bist wieder da.

 

Ich gehe die Wege,

die Du gegangen bist,

Du gehst wieder mit mir.

 

Ich freue mich an dem,

was Dich weiterhin erfreut hätte,

ich sehe Dich mitlächeln.

 

Ich gehe den Spuren nach

Die Du hinterlassen hast,

und begegne Dir immer wieder.

 

Nicht kann uns trennen,

wenn uns so viel verbindet.

(unbekannter Author)

 

Es ist gut, wie es ist. Wurde. Der Weg war grausam, das Ziel aber schmerzhaft klar, all die mühsame Strecke. Es muss weitergehen. Das wussten wir. Quasi. Danke für alles, jemals. Ich wäre nicht ohne Dich, Du hattest mein Wort, ich habe es gehalten und werde es in Ehren halten. In mir wirst Du weiter leben bis an das Ende meiner Tage. *Word*

(ich)

Als die Menschlichkeit ertrank

am 27. Oktober 2010 unter Foo, Textblech abgelegt

Ich glaube, es muss gegen Ende der ersten Welle der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise gewesen sein, als die letzten Zuckungen, das verzweifelte Aufbäumen vor dem endgültigen Daniederliegen der Humanität in unserer Gesellschaft verebbte. Sie ertrank, ersoff in panischer Existenznot, in Gier und und im falsch interpretierten und gelebten Überlebenstrieb nicht bedrohter Wohlständler.

Wir, als Privatmenschen, haben gelernt, uns abzugrenzen. Abzuschotten gegenüber dem Leid Dritter, für das wir nicht verantwortlich zu sein glauben uns zwingen. Wir müssen uns um unser persönliches Überleben kümmern, wir haben nicht die Zeit, die Kraft, das Geld, denen zu helfen, die da allgegenwärtig um Hilfe ersuchen. Letztlich ist jeder seines eignen Glückes Schmied, wer leidet, sollte sich primär einmal die Schuldfrage stellen, bevor er nach dem Hab und Gut seiner Mitmenschen zu greifen trachtet.

Wir, als Unternehmensmanager, lassen selbstverständlich zu, dass in China Menschen verhungern und verdursten, während uns unsere chinesischen Geschäftspartner von den aus unwürdigen Arbeiterseelen gepressten Gewinnen aufs Dekadenteste bewirten, durch Bordelle schleifen und auf Rosen betten, an denen noch das Blut der verarmten Pflückerinnen klebt. Es ist uns selbstverständlich, dass wir das Gut, das wir gewinnbringend veräussern, von gesellschaftlich Randständigen unter erbärmlichen Bedingungen und für einen Lohn, der für ein Leben nicht mehr ausreicht, produzieren lassen. Sklaverei? Aber es wird doch niemand gezwungen!

Wir, als Politiker, scheren uns einen Dreck um Volkesmeinung, solange die legalen Bestechungsgelder einer menschenfeindlichen Großindustrie aus nur einer Legislaturperiode uns ein ein geruhsames Restleben in Saus und Braus, sowies die Aussicht auf jederzeit mögliche Zuverdienste ermöglichen. Was kümmert uns ein Nachhaltigkeitsansatz in den Überlegungen zu weitreichenden Entscheidungen, wenn wir uns nach spätestens vier Jahren sowieso wohlgesättigt aus der Affaire ziehen können und sogar noch Geld damit verdienen, anderen die Schuld für unsere eigenen Verfehlungen zuzuschreiben? Wie sollen wir überhaupt noch Einzelschicksale, selbst wenn sie millionenfach existieren, berücksichtigen, wenn wir in Größenordnungen denken, die einen Menschen sowieso überfordern müssen?

Wir, als Ärzte, tragen doch keine Schuld daran, dass wir Medizin und Nächstenliebe inzwischen wirtschaftlich erfolgreich betreiben müssen. Wer will uns verdenken, dass wir unsere Nächstenliebe vornehmlich denen widmen, die am besten dafür zahlen? Jeder muss schließlich sehen, wo er bleibt. Wir sind nun wirklich völlig überlastet und können nichts dafür, dass unsere Arbeitgeber sich nicht mehr in der Lage sehen, eine praktikable Personaldecke zu finanzieren, weshalb wir ja geradewegs gezwungen sind Patienten abzulehnen, auch wenn dies, trotz aller Dokumentationsfinten, ihren sicheren, vermeidbaren Tod bedeutet. Ist es da nicht nachvollziehbar, nein geradewegs sinnvoll, bevorzugt jene abzulehnen, die sowieso wenig bis keinen Nutzen für diese elitäre Gesellschaft erlauchter Ausbeuter besitzen? Was ist denn daran auszusetzen, nicht nachweisbare, vielleicht gar psychische Aspekte gerade dann nicht als medizinisch notwendig zu beurteilen, wenn sie denn Geld kosten könnten?

Wir, als Menschen, wären gefragt. Doch hören wir gerade auf die Obrigkeit, die uns zu ihrem Vorteil instruiert, doch wir lauschen konzentriert, denn wir wollen ja keine Nachteile erfahren. Wir dulden Ausbeutung, auch an uns selbst, wenn sie denn nicht allzu schlimm stattfindet, wir akzeptieren, dass alleinerziehende Mütter aus dem selben Topf und mit den gleichen Mitteln "unterstützt" werden, mit denen der bekennende Arbeitsverweigerer und Gesellschaftsfeind seinen täglichen Vollrausch finanzieren lässt. Wir lassen Kinder von amtswegen kontrolliert in den Armen ihrer asozialen Eltern verhungern und klären die Schuldfrage nie. Wir lassen uns von Staatsorganen zu fiktiven Bedrohungen verschüchtern, geben bereitwillig unsere intimsten Daten an einen Überwachungsstaat und seine markwirtschaftlichen Schergen preis und finanzieren mit unserer Arbeit kostspielige Kriege gegen nicht existierende Gegner.

 

Wir sind schon Trottel.

Herbst

am 21. September 2010 unter Textblech abgelegt

Der September kommt, der September geht. 

Man bemerkt ihn kaum, wie er sich durch die Kontinuität des individuellen Zeitstromes larviert, mit seinen noch sonnigen Tagen, auch wenn er bisweilen sanft die Zähne bleckt. Doch kann man es ihm als bösartiges Grinsen verzeihen, denn er beisst ja nicht. Er streicht vorbei, als wäre nichts, und doch ist nichts wie je zuvor. Blickt man zurück, was noch der August an Hoffnung, Licht und Freude bot, vermag man die Spur der Verwüstung, den faulig-scharfen Hauch des Todes, den der September hinterlässt, erst gänzlich zu erkennen.

Angewidert stößt noch der letzte Baum seine schon zu braunen Grabeswimpeln vergammelten Blätter von sich, der Wind frischt auf und schafft leise Ahnung des da nahenden Untergangs. Noch blühen sie, die menschgezüchteten und wildgewachsenen kleinen Huren der Sonne, doch bald schon wird sich auch das letzte Insekt nicht mehr von ihrem vergorenen Nektar betören lassen. Gevatter Tod hat seine ewig dunklen Wege beschritten, doch schreitet er langsam. Und weidet sich genüsslich in der Angst derer, die ihn kommen sehen.

Der Herbst ist da, und auch wenn er noch freundlich lächeln mag, er ist ein Mörder. Ganz besonders in diesem Jahr.