<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>schwarzsicht &#187; Textblech</title>
	<atom:link href="http://www.schwarzsicht.org/category/textblech/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.schwarzsicht.org</link>
	<description>Pessimismus ist Realsatire</description>
	<lastBuildDate>Fri, 09 Jul 2010 22:30:39 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Was wäre die Welt nur ohne mich?</title>
		<link>http://www.schwarzsicht.org/2009/11/was-ware-die-welt-nur-ohne-mich/</link>
		<comments>http://www.schwarzsicht.org/2009/11/was-ware-die-welt-nur-ohne-mich/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 09:39:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schwarzSicht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Foo]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur muss auch mal sein]]></category>
		<category><![CDATA[Textblech]]></category>
		<category><![CDATA[Egoismus]]></category>
		<category><![CDATA[Lifestyle]]></category>
		<category><![CDATA[Selbsterkenntnis]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schwarzsicht.at/?p=522</guid>
		<description><![CDATA[Ich habe bereits geniale Erfindungen f&#252;r einen lebenswerteren Alltag ersonnen, da konnten andere nicht einmal sprechen. Dennoch bin ich *GOTTSEIDANK* bodenst&#228;ndig geblieben, Untugenden wie Selbst&#252;bersch&#228;tzung, Blasiertheit oder gar Arroganz sind mir gl&#252;cklicherweise fremd. Dies muss an meinem &#252;beraus liebenswerten, geduldigen und toleranten Wesen liegen, ich konnte schon immer gut mit weniger Begabten. W&#228;re auch richtiggehend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich habe bereits geniale Erfindungen f&uuml;r einen lebenswerteren Alltag ersonnen, da konnten andere nicht einmal sprechen. Dennoch bin ich *GOTTSEIDANK* bodenst&auml;ndig geblieben, Untugenden wie Selbst&uuml;bersch&auml;tzung, Blasiertheit oder gar Arroganz sind mir gl&uuml;cklicherweise fremd. Dies muss an meinem &uuml;beraus liebenswerten, geduldigen und toleranten Wesen liegen, ich konnte schon immer gut mit weniger Begabten. W&auml;re auch richtiggehend angeschissen, sei dem anders&hellip; Nichts desto trotz bedarf auch ich zeitweilig der Anerkennung Dritter, darum hier eine kurze &Uuml;bersicht meiner Errungenschaften f&uuml;r die Menschheit. <br />
	</strong></p>
<p><strong>Am Anfang stand der D&uuml;bel</strong></p>
<p><img alt="Duebel" class="aligncenter size-full wp-image-528" height="285" src="http://www.schwarzsicht.org/wp-content/uploads/2009/11/Duebel.jpg" title="Duebel" width="285" /></p>
<p>Nat&uuml;rlich, D&uuml;bel existierten schon lange vor meiner Zeit, aber meine Ableitung, der N&uuml;bel, wurde von mir im Alter von etwa drei Jahren entwickelt. Rein theorethisch, versteht sich.</p>
<p>Aufgewachsen unter Frauen, kannte ich Bohrmaschinen nur vom H&ouml;rensagen. Immer wieder &auml;rgerte es mich, wenn mir das Familienfoto, unsachgem&auml;&szlig; mittels eines Nagels &uuml;ber meinem Bett befestigt, unmotiviert des N&auml;chtens auf meinen wertvollen Sch&auml;del prallte. Also erdachte ich eine st&auml;hlerne H&uuml;lse mit Spreizarmen, welche sich ausbreiten m&ouml;gen, sofern ein Nagel in sie geschl&auml;gen w&uuml;rde. Um ein Herausrutschen des Nagels zu verhindern, bes&auml;&szlig;e dieser eine ringf&ouml;rmige Nut, die in eine entsprechende Aussparung im N&uuml;bel einrasten k&ouml;nne. Einziges Manko: Ein derartiges Konstrukt w&auml;re nur noch unter nennenswerten Kolateralsch&auml;den wieder aus der Wand zu entfernen.</p>
<p>K&uuml;rzlich im Baumarkt ersp&auml;hte ich genau eine solche Konstruktion. Hie&szlig; nat&uuml;rlich nicht N&uuml;bel, aber ich war zu aufgebracht, mir den Namen des Plagiats zu merken. Ich h&auml;tte meine Tageb&uuml;cher niemals ins Altpapier geben d&uuml;rfen.</p>
<p><span id="more-522"></span><strong>Das Rad</strong></p>
<p><img alt="Rad" class="aligncenter size-full wp-image-530" src="http://www.schwarzsicht.org/wp-content/uploads/2009/11/Rad1.jpg" style="width: 301px; height: 254px;" title="Rad" /></p>
<p>Auch das Rad war schon eine Weile bekannt, bevor ich jedoch mit vier Jahren, motiviert durch eine famili&auml;re Reifenpanne erdachte, dass es doch m&ouml;glich sein m&uuml;sse, &uuml;ber ein elektronisches Ger&auml;t jederzeit w&auml;hrend der Fahrt den Reifendruck eines Fahrzeuges zu &uuml;berwachen. Im Falle eines Falles k&ouml;nne dann doch ein vulkanisierender Schaum in den defekten Reifen eingespritzt werden, so dass dieser weiter als Pannenrad verwendbar bliebe. Lange Zeit str&auml;ubte sich die Ersatzreifenindustrie gegen eine Umsetzung meines Konzeptes.</p>
<p>Heutzutage baut Mercedes-Benz ein exakt so ausgelegtes System in seine Oberklassenflotte ein. Ich glaube ein Kindergartenbekannter ist seinerzeits nach Stuttgart ausgewandert&hellip;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Windows/MacOS<br />
	</strong></p>
<p><img alt="macintosh" class="aligncenter size-full wp-image-531" src="http://www.schwarzsicht.org/wp-content/uploads/2009/11/macintosh.jpg" style="width: 330px; height: 269px;" title="macintosh" /></p>
<p>Leider besa&szlig;en meine Eltern nicht das erforderliche Verm&ouml;gen, mir den lange und hei&szlig; ersehnten <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Xerox_Alto" target="_blank">Alto</a> von Xerox PARC zu Weihnachten zu schenken, also ersann ich meine eigene graphische Oberfl&auml;che durch Skizzen im Sandkasten und nannte sie &quot;Fensterbank&quot;. Diese war damals bereits mutiuser- und -sessionf&auml;hig, beherrschte Multitasking und besa&szlig; eine bis heute nicht erreichte Aufl&ouml;sung und Farbtiefe, je nach verwendeter Sandk&ouml;rnung und -f&auml;rbung.&nbsp; Da war ich f&uuml;nf und geriet h&auml;ufig wegen br&ouml;seligen Desktopr&uuml;ckst&auml;nden in der Unterw&auml;sche mit meiner Mutter in Konflikt.</p>
<p>Nach wie vor bin ich davon &uuml;berzeugt, das Steve Jobs seine Inspiration f&uuml;r den Macintosh keineswegs im PARC erfuhr, sondern der elende kleine Austauschsch&uuml;ler des Nachbarjungen aus Cupertino sich, kaum wieder zuhause, gutgehend verplappert hat. Soviel ich weiss, hat er aber auch noch nie einen m&uuml;den Taler von Jobs gesehen. Der Drecksack. Beide, jetzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wave<br />
	</strong></p>
<p><img alt="wave" class="aligncenter size-full wp-image-532" height="128" src="http://www.schwarzsicht.org/wp-content/uploads/2009/11/wave.jpg" title="wave" width="150" /></p>
<p>Ich war etwa neun, als ich mir &uuml;berlegte, dass Medien wie Email, Internetforen, colaborative working und Multimedia doch in einem allumfassenden Konzept auch synerigistisch zusammenfassbar sein m&uuml;ssten. Ich entwarf also ein entsprechendes Objektmodell (damals noch mit Filzstiften auf Disneypapier) und nannte es <em>Blup</em>. Sicher, das Internet f&uuml;r die breite Masse existierte damals noch nicht, somit auch weder Email, noch Foren oder youtube, aber ich war eben schon immer meiner Zeit voraus.</p>
<p>Heute, 25 Jahre sp&auml;ter, testet Google gerade mein Konzept, ohne jemals meinen Namen genannt zu haben. Ich k&ouml;nnte schw&ouml;ren, der amerikanische Touristenjunge, der mir seinerzeit im Phantasialand meine Roger-Rabbitt-Aktentasche geklaut hat, sah <span class="Apple-style-span" style="border-collapse: separate; color: rgb(0, 0, 0); font-family: arial,sans-serif; font-size: small; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: normal; letter-spacing: normal; line-height: normal; orphans: 2; text-indent: 0px; text-transform: none; white-space: normal; widows: 2; word-spacing: 0px;"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Larry_Page" target="_blank">Larry Page</a> zum Verwechseln &auml;hnlich&#8230;<br />
	</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Web 2.0<br />
	</strong></p>
<p><img alt="facebook" class="aligncenter size-full wp-image-533" height="118" src="http://www.schwarzsicht.org/wp-content/uploads/2009/11/facebook.jpg" title="facebook" width="118" /></p>
<p>Als Teenager entdeckte ich die soziale Interaktion mit Artgenossen langsam und allm&auml;hlich f&uuml;r mich. Mir leuchtete aber nicht ein, wieso alle Personen, mit denen ich mich austauschen wollte, ebenfalls zu mir in meine Stammkneipe kommen sollten? Im Informationszeitalter musste es einfach andere, effektivere Wege dazu geben! Ich entwickelte also eine Skizze eines Social Networks und erfand gleichzeitig das mobile Internet als Dreingabe, denn was n&uuml;tzt einem ein soziales Netz, wenn es einen an einen einsamen Ort fesselt?</p>
<p>Dummerweise sa&szlig; der Gr&uuml;nder von &quot;Wer-kennt-wen&quot; am Nebentisch, als ich, juvenil bierberausch vielleicht ein wenig zu laut sprach. Entweder hat dieser zuvor auch an seine Kontakte in den USA gesungen, oder aber <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Zuckerberg" target="_blank">Mark Zuckerberg</a> befand sich seinzeits auch in Koblenz, an diesem Abend.</p>
<p><strong>CERN<br />
	</strong></p>
<p><img alt="15cern.xlarge1" class="aligncenter size-full wp-image-534" src="http://www.schwarzsicht.org/wp-content/uploads/2009/11/15cern.xlarge1.jpg" style="width: 319px; height: 186px;" title="15cern.xlarge1" /></p>
<p>Zu guter Letzt habe ich wohl auch das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/CERN" target="_blank">CERN</a> ma&szlig;geblich initiiert, als ich nicht einsehen wollte, wieso man Erbsen in einem Blasrohr nicht derart beschleunigen k&ouml;nne, dass sie beim Gegneranprall auch ordnungsgem&auml;&szlig; zwiebelten und ich einen Erbsenbeschleuniger konstruierte, der nach und nach immer kleinere Partikel verlangte und so manch Erkenntnis abwarf, die die Forscher in Genf bis heute nicht zu begreifen verm&ouml;gen.</p>
<p>Statt mich einfach zu fragen, bauen sie ein ein trilliardenteures Monstrum, das nicht einmal funktioniert, w&auml;hrend ich seinerzeits nicht einmal 25 Euro f&uuml;rs Material ausgegeben habe&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im<strong> Fazit </strong>muss ich die Frage nach meiner Verbitterung ob meiner noch immer persistierenden Armut verneinen. Ich war nie an dem grossen Geld oder internationaler Anerkennung interessiert, f&uuml;r mich z&auml;hlten stets der blo&szlig;e Dienst an der Menschheit. Ich weiss um meine Errungenschaften, ich muss sie nicht an die gro&szlig;e Glocke h&auml;ngen. Manchmal eine kleine Anerkennung durch die, die mir wichtig sind, und schon bin ich zufrieden. <strong>Bin halt einfach bescheiden geblieben.</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.schwarzsicht.org/2009/11/was-ware-die-welt-nur-ohne-mich/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Abscheuliches Manifest (I)</title>
		<link>http://www.schwarzsicht.org/2009/10/abscheuliches-manifest-i/</link>
		<comments>http://www.schwarzsicht.org/2009/10/abscheuliches-manifest-i/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 07 Oct 2009 13:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schwarzSicht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textblech]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schwarzsicht.at/?p=444</guid>
		<description><![CDATA[Schnaubend, feist, zog er sich aus ihr zurück. Fettbewanst und schweissbeperlt, stolz schwellbrüstig seiner Gleichgültigkeit. Die Gier noch immer erigiert,  herüberknieend, noch immer ihre Schenkel spaltend, sich seines Spiegelbildes suhlend, in ihren ausdruckslosen, feuchten Augen.  Welch Anblick! Archaisch niederträchtig, ein Bild von niederträchtger Lust, nimmersatter Gier, egozentrischer Brutalität, gänzlich unbewegt ob jenen Tuns. In seiner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schnaubend, feist, zog er sich aus ihr zurück. Fettbewanst und schweissbeperlt, stolz schwellbrüstig seiner Gleichgültigkeit. Die Gier noch immer erigiert,  herüberknieend, noch immer ihre Schenkel spaltend, sich seines Spiegelbildes suhlend, in ihren ausdruckslosen, feuchten Augen.  Welch Anblick! Archaisch niederträchtig, ein Bild von niederträchtger Lust, nimmersatter Gier, egozentrischer Brutalität, gänzlich unbewegt ob jenen Tuns. In seiner Obszönität beinah heroisch, in seinen schwulstglasigen Augen, die soviele nahen sahen, nicht jedoch mehr schwinden.</p>
<p>Ein Grinsen, als sie röchelte, noch mehr als sie erbrach. Als sie am eignen Inneren erstickte, kostete er den magischen Moment zwischen zum Tode verdammt und leblos starr restlos, geradezu akribisch aus. Das Zucken ihres sterbenden Leibes pflanzte sich als wollüstige Wogen verheissener Befriedigung in seinem fort. Als ihre Augen schließlich brachen, sog er ein letztes Mal witternd den Anblick ihres toten, noch immer bildschönen Körpers in sich auf, bis er von ihr abließ, der Demokratie, einst strahlende Garantin friedlichen Menschseins, nunmehr nur wesender Leib, bald nurmehr Gestank, um sich ihrer Schwester zuzuwenden, der Freiheit, die, nicht minderschön, nackt, entbblößt und fast noch unversehrt, gleich neben ihr ihr Schicksal durch des Staatsmanns Gier zu tragen harrte.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.schwarzsicht.org/2009/10/abscheuliches-manifest-i/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rike &#8211; Ein Kinderschicksal</title>
		<link>http://www.schwarzsicht.org/2009/10/rike-ein-kinderschicksal/</link>
		<comments>http://www.schwarzsicht.org/2009/10/rike-ein-kinderschicksal/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 02 Oct 2009 08:27:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schwarzSicht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textblech]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schwarzsicht.at/?p=418</guid>
		<description><![CDATA[
Rike ist 11 Jahre alt, kerngesund, auf den ersten Blick ein lebhaftes, glückliches Kind.
Seit sie fünf einhalb Jahre alt ist, geht Rike  zur Schule. Sie ist eine Einserkandidatin, immer gewesen. Sie geht nicht besonders gerne zur Schule, sie geht dorthin, weil man das eben so tut. Sie hat auch keinen großen Spaß am Auswendiglernen, aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-423" title="rike" src="http://www.schwarzsicht.at/wp-content/uploads/2009/10/rike-244x300.jpg" alt="rike" width="244" height="300" /></p>
<p><strong>Rike ist 11 Jahre alt, kerngesund, auf den ersten Blick ein lebhaftes, glückliches Kind.</strong></p>
<p>Seit sie fünf einhalb Jahre alt ist, geht Rike  zur Schule. Sie ist eine Einserkandidatin, immer gewesen. Sie geht nicht besonders gerne zur Schule, sie geht dorthin, weil man das eben so tut. Sie hat auch keinen großen Spaß am Auswendiglernen, aber eben damit hat sie den Erfolg, den ihre Eltern von ihr erwarten. Seit zwei Jahren geht sie nun auf das städtische Gymnasium, um sich auf das Studium vorzubereiten, wie man ihr gesagt hat.</p>
<p>Nach der Schule wartet zuhause schon ihre Mutter mit ihrer kleinen Schwester und dem Mittagessen auf sie, auch ihr Vater sitzt jeden Tag mit am Mittagstisch. Unmittelbar nach dem Essen, welches meist aus Zutaten aus biologischem Anbau zubereitet wurde, immer ausgewogen zusammengestellt ist und niemals zuviel Fett enthält, wird mit dem Vater und der zweieinhalbjährigen Schwester ein kleiner Spaziergang zur Kirche und wieder zurück unternommen. Jeden Tag die selbe Strecke, Kinder brauchen schließlich Struktur.</p>
<p><span id="more-418"></span></p>
<p>Nach dem Spaziergang stehen ihr genau eineinhalb Stunden zur Erledigung ihrer Hausaufgaben zur Verfügung, bevor ihre Mutter sie, je nach Wochentag, zum Balletunterricht, zur Geigen- oder Klavierlehrerin, oder zum Schwimmtraining fährt. Auf dem Nachhauseweg werden dann noch die Besorgungen des Tages erledigt und zuhause die bereits gemachten Hausaufgaben noch einmal durchgesprochen. Nach dem vitalen Abendessen ist Tagesrunde. Alle Familienmitglieder, auch die kleine Sophie, nehmen am zuvor abgeräumten und gereinigten Eßtisch Platz und berichten der Reihe um von den Ereignissen des Tages. Besonders spannend ist das nicht, denn es sind jeden Tag die gleichen. Jeder darf der Reihe nach jeden kommentieren, aber erst, nachdem alle gesprochen haben. Um nicht zu vergessen, was man kommentieren wollte, hat jeder ein persönliches Notizbuch, das die Mutter vor dem Gespräch jedem an seinen Platz legt. Anschließend Waschen, Zäheputzen, ab ins Bett. Rike darf noch dabei bleiben, wenn Mutter Sophie eine Geschichte vorliest, danach muss sie selbst auch schlafen.</p>
<p>Rike hat keine richtigen &#8220;Freundinnen&#8221; im eigentlichen Sinne. Sie spricht manchmal ein paar Worte mit den anderen Ballet- Musik- oder Schwimmschülerinnen, ab und zu wird sie auch auf einen Kindergeburtstag eingeladen, aber sie hatte noch nie das Gefühl, dass das ausrichtende Kind sie wirklich dabei haben wollte. Sie ist ein ruhiges, fast stilles Mädchen, das auf dem Pausenhof auch eher dabeisteht, statt sich an den stattfindenden Spielen, Streiterreien oder Scherzen zu beteiligen. Es ist nicht so, dass sie nicht mitmachen wollte, es fällt ihr einfach nichts ein, was sie beitragen könnte.</p>
<p>Im Unterricht ist Rike aktiv und meldet sich häufig. Praktisch immer weiss sie die richtige Antwort zu geben. Dinge, die sie nachlesen kann, sind ihr am liebsten. Sie geben ihr die Sicherheit, die ihr außerhalb des Klassenzimmers meist fehlt. Rike ist bewusst, das andere sie als &#8220;fade&#8221; empfinden. Ist sie ja auch, muss sie offen zugeben. Am Wochenende ist ihr oft langweilig, sie versucht dann ihrer Mutter im Haushalt zu helfen, oder hängt so lange an Vaters Nerven, bis dieser ihr eine Aufgabe stellt, die sie lösen kann.. Mit sich selbst beschäftigen konnte sie sich noch nie. Ihr fehlen die Ideen, was sie denn nur tun könnte, wenn es keine engen Rahmenbedingungen gibt, in denen sie sich bewegen, von denen sie sich leiten lassen könnte.</p>
<p>Schon als kleines Kind hatte sie niemals Barbiepuppen, wie ihre Mitschülerinnen, Lego, oder sonstiges Spielzeug aus Plastik. Ihre Eltern gaben ihr unbehandeltes Holzspielzeug, mit ökologischem Gütesiegel und dem Prädikat &#8220;pädagogisch wertvoll&#8221;. Ihr Vater hat ihr dann immer genau erklärt, wie sie mit den Sachen spielen muss, hat sie einmal einen Gegenstand entgegen seines Verwendungszwecks eingesetzt, wurde er ihr weggenommen.</p>
<p>Rike empfindet ihr Leben nicht als trist, denn sie weiss nicht, was trist bedeutet. Sie empfindet keine Begeisterung, keine überschäumende Freude, keine Aufregung, aber auch keine Angst, Wut, oder gar Verzweiflung. Nur Unsicherheit. Diese überfällt sie immer dann, wenn sie sich in einer Situation nicht an eine Verhaltensregel klammern kann, nicht nachlesen hat können, wie sie sich zu verhalten hat.</p>
<p>Rikes Leben ist durch eine schwere Behinderung gezeichnet: Sie ist ein Lehrerkind. Als Tochter zweier Gymnasialstudienräte (Mathematik und Deutsch) genoss sie schon im Säuglingsalter Frontalunterricht nach Lehrplan, Kreativität ist für sie ein Begriff ohne faßbare Bedeutung. Selbstständigkeit, so wurde ihr vermittelt, ist nicht etwa das selbstbestimmte Finden einer Situationslösung durch probierendes Handeln, sondern zu wissen, wo man die Lösung nachlesen kann. Seit sie auf dem Gymnasium zur Schule geht, an dem auch ihre Eltern unterrichten, halten sich andere Schüler nach Möglichkeit fern von ihr.</p>
<p>Rike wird einmal ein funktionierendes Rädchen in einem durch und durch fremdbestimmten System sein. Ihre erworbene, soziale Störung wird sie zuverlässig davor bewahren, mit anderen dergestalt in Kontakt zu treten, dass sie eine Eigendynamik entwickeln und damit vom ihr vorgegebenen Weg abweichen könnte. Rike ist das ultimative Produkt des mitteleuropäischen Schulsystems, das fleissige, nichts hinterfragende Arbeitsdrohnen produziert um die Regierbarkeit einer tumben Masse auch noch auf Jahrzehnte sicherzustellen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.schwarzsicht.org/2009/10/rike-ein-kinderschicksal/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gier</title>
		<link>http://www.schwarzsicht.org/2009/08/gier/</link>
		<comments>http://www.schwarzsicht.org/2009/08/gier/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 19:08:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schwarzSicht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textblech]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa?Prost!]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schwarzsicht.at/?p=304</guid>
		<description><![CDATA[langsam,
kriechend,
immer schneller,
immer schärfer zieht die Gier
vom Nagelbett des kleinen Zehs
das Bein hinauf durch das Gesäß
In Bauch und Magen, kurzes Weilen
Dann weiter ohne Gnade, geradewegs den Hals hinauf
Es sammeln sich am Zugengrund ganz üble Säfte ungesund
IST das Gehirn dann bald erreicht, gibt’s kein Vermeiden, viel zu spät
DIE GIER steigt auf zur Raserei, es tobt die Sucht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>langsam,<br />
kriechend,<br />
immer schneller,<br />
immer schärfer zieht die Gier<br />
vom Nagelbett des kleinen Zehs<br />
das Bein hinauf durch das Gesäß<br />
In Bauch und Magen, kurzes Weilen<br />
Dann weiter ohne Gnade, geradewegs den Hals hinauf<br />
Es sammeln sich am Zugengrund ganz üble Säfte ungesund<br />
IST das Gehirn dann bald erreicht, gibt’s kein Vermeiden, viel zu spät<br />
DIE GIER steigt auf zur Raserei, es tobt die Sucht und trampelt wütend<br />
DEN REST VERNUNFT zu Einerlei.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.schwarzsicht.org/2009/08/gier/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Depression</title>
		<link>http://www.schwarzsicht.org/2009/05/depression/</link>
		<comments>http://www.schwarzsicht.org/2009/05/depression/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 15 May 2009 08:08:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schwarzSicht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textblech]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa?Prost!]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schwarzsicht.at/?p=306</guid>
		<description><![CDATA[Graudunst Wolksumpf allumher
Bleiern wiegt die Luft erzschwer
Es ragt kein heller Wink empor
Der Weg führt steil zum dunklen Tor
Kein Windhauch der da leise strich
Durchs tumbe Brachland „Widerlich“
Schalbefleischte Todeswesen
Fegen Lust mit Todesbesen
Fort vom Leben, weg vom Sein
Und über bleibt allein Gebein.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Graudunst Wolksumpf allumher<br />
Bleiern wiegt die Luft erzschwer<br />
Es ragt kein heller Wink empor<br />
Der Weg führt steil zum dunklen Tor</p>
<p>Kein Windhauch der da leise strich<br />
Durchs tumbe Brachland „Widerlich“<br />
Schalbefleischte Todeswesen<br />
Fegen Lust mit Todesbesen<br />
Fort vom Leben, weg vom Sein<br />
Und über bleibt allein Gebein.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.schwarzsicht.org/2009/05/depression/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Märtyrer</title>
		<link>http://www.schwarzsicht.org/2009/05/martyrer/</link>
		<comments>http://www.schwarzsicht.org/2009/05/martyrer/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 14 May 2009 10:54:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schwarzSicht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textblech]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa?Prost!]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schwarzsicht.at/?p=302</guid>
		<description><![CDATA[Wie Phönix aus der Asche
Gebar er sich aus Rat
Um Anstand, Höflichkeit zu wahren
Ward „Un“ vor Rat gespart.
Zu Keulen oberste Prämisse
Nicht etwa nieder war der Trieb
Das „An“ vor Trieb ist redundant.
Von edler Intension beseelt.
Sein ganzen Streben, Wirken
Nur einem hehren Ziele galt
Feg rein das Antlitz Mutter Erden
Von Stumpfsinn ganz und gar.
So fegt er keulend immerdar
Ein blutig sinnlos [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie Phönix aus der Asche<br />
Gebar er sich aus Rat<br />
Um Anstand, Höflichkeit zu wahren<br />
Ward „Un“ vor Rat gespart.</p>
<p>Zu Keulen oberste Prämisse<br />
Nicht etwa nieder war der Trieb<br />
Das „An“ vor Trieb ist redundant.<br />
Von edler Intension beseelt.</p>
<p>Sein ganzen Streben, Wirken<br />
Nur einem hehren Ziele galt<br />
Feg rein das Antlitz Mutter Erden<br />
Von Stumpfsinn ganz und gar.</p>
<p>So fegt er keulend immerdar<br />
Ein blutig sinnlos schwer Gewerbe<br />
Denn Stumpfsinn tuts der Hydra gleich<br />
Der Un-Rat wuchert schneller nur.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.schwarzsicht.org/2009/05/martyrer/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Erwachen</title>
		<link>http://www.schwarzsicht.org/2009/05/erwachen/</link>
		<comments>http://www.schwarzsicht.org/2009/05/erwachen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 13 May 2009 07:12:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schwarzSicht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textblech]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa?Prost!]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schwarzsicht.at/?p=300</guid>
		<description><![CDATA[Gleissender Nadelstich am Firmament
Eilt rasend weiß aus dem Tale hinab
Hinein, dem seichten Traumbilde Feind
Aus Lichtpunkt brennend,
glimmend wächst,
Nebelverdrängende Pein.
In unsäglich lautem Blitz ohne Donner
Platzt samtiger Mantel zu Splittern entzwei
Enblösten Leibes der Wärme beraubt
In steinkaltem Wasser zum Hiersein getauft.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gleissender Nadelstich am Firmament<br />
Eilt rasend weiß aus dem Tale hinab<br />
Hinein, dem seichten Traumbilde Feind<br />
Aus Lichtpunkt brennend,<br />
glimmend wächst,<br />
Nebelverdrängende Pein.</p>
<p>In unsäglich lautem Blitz ohne Donner<br />
Platzt samtiger Mantel zu Splittern entzwei<br />
Enblösten Leibes der Wärme beraubt<br />
In steinkaltem Wasser zum Hiersein getauft.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.schwarzsicht.org/2009/05/erwachen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>CHANGE</title>
		<link>http://www.schwarzsicht.org/2009/05/change/</link>
		<comments>http://www.schwarzsicht.org/2009/05/change/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 12 May 2009 15:05:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schwarzSicht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textblech]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa?Prost!]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schwarzsicht.at/?p=296</guid>
		<description><![CDATA[In dicken Lettern prangt
Auf promiskuitivem Blähbauch
medienbegeilter Heißluftkonsumenten ohne.
Ohne WAS? Mit NICHTS!
Nichts denn Eigenschmutz, Gierwinn, Korrsumpftion.
Dürre.
Der leergesoffene Wassertrog  staubt flimmernd in des Geizes seelenloser Glut.
YES, WE CAN. Die Frage nach dem “WHAT” verhallt.
Ungehört. In des Kommerzes kaltgefliester Prosektur.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In dicken Lettern prangt<br />
Auf promiskuitivem Blähbauch<br />
medienbegeilter Heißluftkonsumenten ohne.</p>
<p>Ohne WAS? Mit NICHTS!<br />
Nichts denn Eigenschmutz, Gierwinn, Korrsumpftion.</p>
<p>Dürre.</p>
<p><strong>Der leergesoffene Wassertrog  staubt flimmernd in des Geizes seelenloser Glut.</strong></p>
<p>YES, WE CAN. Die Frage nach dem “WHAT” verhallt.<br />
Ungehört. In des Kommerzes kaltgefliester Prosektur.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.schwarzsicht.org/2009/05/change/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
