Archiv der Kategorie 'Textblech'

Was wäre die Welt nur ohne mich?

am 26. November 2009 unter Foo, Kultur muss auch mal sein, Textblech abgelegt

Ich habe bereits geniale Erfindungen für einen lebenswerteren Alltag ersonnen, da konnten andere nicht einmal sprechen. Dennoch bin ich *GOTTSEIDANK* bodenständig geblieben, Untugenden wie Selbstüberschätzung, Blasiertheit oder gar Arroganz sind mir glücklicherweise fremd. Dies muss an meinem überaus liebenswerten, geduldigen und toleranten Wesen liegen, ich konnte schon immer gut mit weniger Begabten. Wäre auch richtiggehend angeschissen, sei dem anders… Nichts desto trotz bedarf auch ich zeitweilig der Anerkennung Dritter, darum hier eine kurze Übersicht meiner Errungenschaften für die Menschheit.

Am Anfang stand der Dübel

Duebel

Natürlich, Dübel existierten schon lange vor meiner Zeit, aber meine Ableitung, der Nübel, wurde von mir im Alter von etwa drei Jahren entwickelt. Rein theorethisch, versteht sich.

Aufgewachsen unter Frauen, kannte ich Bohrmaschinen nur vom Hörensagen. Immer wieder ärgerte es mich, wenn mir das Familienfoto, unsachgemäß mittels eines Nagels über meinem Bett befestigt, unmotiviert des Nächtens auf meinen wertvollen Schädel prallte. Also erdachte ich eine stählerne Hülse mit Spreizarmen, welche sich ausbreiten mögen, sofern ein Nagel in sie geschlägen würde. Um ein Herausrutschen des Nagels zu verhindern, besäße dieser eine ringförmige Nut, die in eine entsprechende Aussparung im Nübel einrasten könne. Einziges Manko: Ein derartiges Konstrukt wäre nur noch unter nennenswerten Kolateralschäden wieder aus der Wand zu entfernen.

Kürzlich im Baumarkt erspähte ich genau eine solche Konstruktion. Hieß natürlich nicht Nübel, aber ich war zu aufgebracht, mir den Namen des Plagiats zu merken. Ich hätte meine Tagebücher niemals ins Altpapier geben dürfen.

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Abscheuliches Manifest (I)

am 07. Oktober 2009 unter Textblech abgelegt

Schnaubend, feist, zog er sich aus ihr zurück. Fettbewanst und schweissbeperlt, stolz schwellbrüstig seiner Gleichgültigkeit. Die Gier noch immer erigiert,  herüberknieend, noch immer ihre Schenkel spaltend, sich seines Spiegelbildes suhlend, in ihren ausdruckslosen, feuchten Augen.  Welch Anblick! Archaisch niederträchtig, ein Bild von niederträchtger Lust, nimmersatter Gier, egozentrischer Brutalität, gänzlich unbewegt ob jenen Tuns. In seiner Obszönität beinah heroisch, in seinen schwulstglasigen Augen, die soviele nahen sahen, nicht jedoch mehr schwinden.

Ein Grinsen, als sie röchelte, noch mehr als sie erbrach. Als sie am eignen Inneren erstickte, kostete er den magischen Moment zwischen zum Tode verdammt und leblos starr restlos, geradezu akribisch aus. Das Zucken ihres sterbenden Leibes pflanzte sich als wollüstige Wogen verheissener Befriedigung in seinem fort. Als ihre Augen schließlich brachen, sog er ein letztes Mal witternd den Anblick ihres toten, noch immer bildschönen Körpers in sich auf, bis er von ihr abließ, der Demokratie, einst strahlende Garantin friedlichen Menschseins, nunmehr nur wesender Leib, bald nurmehr Gestank, um sich ihrer Schwester zuzuwenden, der Freiheit, die, nicht minderschön, nackt, entbblößt und fast noch unversehrt, gleich neben ihr ihr Schicksal durch des Staatsmanns Gier zu tragen harrte.

Rike – Ein Kinderschicksal

am 02. Oktober 2009 unter Textblech abgelegt

rike

Rike ist 11 Jahre alt, kerngesund, auf den ersten Blick ein lebhaftes, glückliches Kind.

Seit sie fünf einhalb Jahre alt ist, geht Rike  zur Schule. Sie ist eine Einserkandidatin, immer gewesen. Sie geht nicht besonders gerne zur Schule, sie geht dorthin, weil man das eben so tut. Sie hat auch keinen großen Spaß am Auswendiglernen, aber eben damit hat sie den Erfolg, den ihre Eltern von ihr erwarten. Seit zwei Jahren geht sie nun auf das städtische Gymnasium, um sich auf das Studium vorzubereiten, wie man ihr gesagt hat.

Nach der Schule wartet zuhause schon ihre Mutter mit ihrer kleinen Schwester und dem Mittagessen auf sie, auch ihr Vater sitzt jeden Tag mit am Mittagstisch. Unmittelbar nach dem Essen, welches meist aus Zutaten aus biologischem Anbau zubereitet wurde, immer ausgewogen zusammengestellt ist und niemals zuviel Fett enthält, wird mit dem Vater und der zweieinhalbjährigen Schwester ein kleiner Spaziergang zur Kirche und wieder zurück unternommen. Jeden Tag die selbe Strecke, Kinder brauchen schließlich Struktur.

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Gier

am 26. August 2009 unter Textblech abgelegt

langsam,
kriechend,
immer schneller,
immer schärfer zieht die Gier
vom Nagelbett des kleinen Zehs
das Bein hinauf durch das Gesäß
In Bauch und Magen, kurzes Weilen
Dann weiter ohne Gnade, geradewegs den Hals hinauf
Es sammeln sich am Zugengrund ganz üble Säfte ungesund
IST das Gehirn dann bald erreicht, gibt’s kein Vermeiden, viel zu spät
DIE GIER steigt auf zur Raserei, es tobt die Sucht und trampelt wütend
DEN REST VERNUNFT zu Einerlei.

Depression

am 15. Mai 2009 unter Textblech abgelegt

Graudunst Wolksumpf allumher
Bleiern wiegt die Luft erzschwer
Es ragt kein heller Wink empor
Der Weg führt steil zum dunklen Tor

Kein Windhauch der da leise strich
Durchs tumbe Brachland „Widerlich“
Schalbefleischte Todeswesen
Fegen Lust mit Todesbesen
Fort vom Leben, weg vom Sein
Und über bleibt allein Gebein.

Märtyrer

am 14. Mai 2009 unter Textblech abgelegt

Wie Phönix aus der Asche
Gebar er sich aus Rat
Um Anstand, Höflichkeit zu wahren
Ward „Un“ vor Rat gespart.

Zu Keulen oberste Prämisse
Nicht etwa nieder war der Trieb
Das „An“ vor Trieb ist redundant.
Von edler Intension beseelt.

Sein ganzen Streben, Wirken
Nur einem hehren Ziele galt
Feg rein das Antlitz Mutter Erden
Von Stumpfsinn ganz und gar.

So fegt er keulend immerdar
Ein blutig sinnlos schwer Gewerbe
Denn Stumpfsinn tuts der Hydra gleich
Der Un-Rat wuchert schneller nur.

Erwachen

am 13. Mai 2009 unter Textblech abgelegt

Gleissender Nadelstich am Firmament
Eilt rasend weiß aus dem Tale hinab
Hinein, dem seichten Traumbilde Feind
Aus Lichtpunkt brennend,
glimmend wächst,
Nebelverdrängende Pein.

In unsäglich lautem Blitz ohne Donner
Platzt samtiger Mantel zu Splittern entzwei
Enblösten Leibes der Wärme beraubt
In steinkaltem Wasser zum Hiersein getauft.

CHANGE

am 12. Mai 2009 unter Textblech abgelegt

In dicken Lettern prangt
Auf promiskuitivem Blähbauch
medienbegeilter Heißluftkonsumenten ohne.

Ohne WAS? Mit NICHTS!
Nichts denn Eigenschmutz, Gierwinn, Korrsumpftion.

Dürre.

Der leergesoffene Wassertrog staubt flimmernd in des Geizes seelenloser Glut.

YES, WE CAN. Die Frage nach dem “WHAT” verhallt.
Ungehört. In des Kommerzes kaltgefliester Prosektur.