schwarzsicht auf Twitter

  • Welch erhabene "Krönung der Schöpfung", die sich da windet, gemartert und geknechtet von mikroskopisch kleinen, einzelligen Dösbaddeln. 23 hours ago
  • Eltern bekommen heutzutage Briefe, in denen der Lehrer sich bestätigen lässt, dass die Kids allesamt blöd sind und er nichts dafür kann. 1 day ago
  • "Fertige Schabracken aus Deinem Plattenbau warten auf Dein Sozialhilfe-savoir-vivre. Stosse JETZT laut auf!" 2 days ago
  • Nach der Butan-Inhalation erst mal gut ausatmen, Kinder, bevor ihr Euch eine Kippe ansteckt, woll!? 2 days ago
  • Machen wir uns doch nichts vor! Wenn die richtig harten Sachen zu Neige gehen, heisst es eben: Kreativ sein! http://t.co/FksxYkHh 2 days ago

Archiv der Kategorie 'Textblech'

Retro – Spectat 2011

am 30. Dezember 2011 unter Foo, Textblech abgelegt

Es gibt Wunden, die heilen nicht in ein paar Wochen, wie ein gebrochenes Bein, auch nicht in ein paar Monaten, wie ein gebrochenes Herz. Nach einem wirklich besonders harten 2010 waren die Ansprüche und Hoffnungen an 2011 entsprechend bescheiden bemessen. Nicht ganz zu Recht.

Bis Mitte Januar verblieb meine Grossmutter nach dem tragischen Verlust ihrer Tochter, meiner Mutter, noch bei uns in Österreich. Keine einfache Aufgabe, einem vollends gebrochenen Menschen jeden Tag aufs neue in empfundener Pflicht aufmunternd gegenüber zu treten. Letztich wollte sie nachhause. Zurück in den Ort, in das Haus, in dem sie ihr komplettes Leben verbracht hatte. Ich blieb vier, beileibe keine erquicklichen Tage bei ihr, musste dann aber familiär und jobbedingt auch mal wieder zurück. Die ersten paar Tage allein hielt sie sich erstaunlich gut, war auch von Nachbarschaft und befreundeten Menschen erstaunlich herzlich und intensiv "aufgefangen" worden.

Erst nach ein paar Wochen verfiel sie endgültig in eine tiefe Depression mit allen Konsequenzen, ich verblieb unfähig ihr zu helfen. Zuhause einen inzwischen locker 70 Wochenstundenjob, eine schwangere Frau, die Teenagerin und die Kleine, die sich so prächtig entwickelte. Mann muss Prioritäten setzten, wenngleich das auch nicht immer leicht fällt. 

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Bonsai-Parenting

am 04. November 2011 unter Foo, Textblech abgelegt

Unsere Gesellschaft neigt dazu, ihre Kinder wie japanische Bonsais zu kultivieren, statt sie wachsen und wuchern zu lassen.

Wir pflanzen sie in überschaubare Schalen, sorgen uns um ein buschiges und gefälliges Wachstum, wozu wir, aus unserem Ermessen, unsinnige Triebe zu kappen gezwungen sind. Auf diese Weise soll ein Individuum entstehen, welches sich, auf höchstmöglich gefällige Weise in ein konstruiertes Ideal einfügen möge.

Eine harte Welt, in der wir leben, die täglich härter wird. Konkurrenz bedroht den Status eines jeden einzelnen von uns, eine Ende der Leistungsspirale ist nicht absehbar. Das Wunder der Wirtschaft lässt uns alle leben, aber eben nur die Fitesten nach unseren Maßstäben angemessen "gut". Niemand wünscht die Fehler seiner Eltern zu wiederholen, eine bestmögliche Vorbereitung auf diese Welt, die aber aktuell schlicht allein die unsrige ist, ist heilige Aufgabe am goldenen Kalb.

Als Vater zweier noch sehr kleiner Töchter und als Patchwork-Dad-Kumpel eines Teenagers mache ich mir verachtenswert wenig Gedanken um pädagogisch korrekte Lehrbucherziehung. Mir widerstrebt die Lektüre "pädagogisch wertvoller" Erziehungsratgeber, ich lehne die Mitgliedschaft in einschlägigen Elternforen, wie zahlreich im Internet angeboten, kategorisch ab. Dahinter stecken, soviel teilt meine Reflektion mir mit, nicht etwa Desinteresse und Gleichgültigkeit, sonder der tiefe Glaube an die Individualität des Einzelnen, woraus sich für mich logisch ableitet, dass es kein Patentrezept zum Thema "Kindeserziehung" geben kann.

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Warum ich kein Blogger bin

am 20. Oktober 2011 unter Foo, Kultur muss auch mal sein, Textblech abgelegt

Primär? Ganz ehrlich? Mir fehlt die Zeit. Und die Energie. 

Mir fehlt die Zeit, mich geradewegs manisch mit mir selbst und meinen Interessen zu beschäftigen. Mir fehlt die Energie, regelmässig Tasten zu drücken, nach all denen, die ich bereits zu drücken gezwungen war. 

Ich teile mich unglaublich gerne mit, bevorzugt in schriftlicher Form. Die Persistenz des geschriebenen Wortes macht mich an. Aber ich habe absolut keine Zeit mehr, mich von IRGENDETWAS anmachen zu lassen. Ich bin Lohnsklave im IT-Sektor. Und ich bin "Familienvater". Das schränkt auch den wüstesten Freigeist gewissermaßen ein. Zeitlich. Und energetisch. Bevor mich drei wundervolle Töchter und eine grossartige Frau in einen überaus angebrachten Zustand ständiger Beschäftigung versetzten, sah ich mich in der Tat als "Blogger". Als early-adopter einer sehr lange Zeit neuen Technologie, einem grandios egozentrischen Weltbild. Jeder kann jedem alles mitteilen, jederzeit. Faszinierend!

Grossartig auch das soziale Potenzial der Bloggerei. Man wird geradewegs auf adäquate Gesprächspartner gestürzt, man kann sich kaum verfehlen. Aber man benötigt ein in meinem Dasein überaus rar gewordenes Gut: Zeit. Schreibt man ein gerade "aufschwingendes" Blog, muss man dran bleiben. Der hungrigen, für sich gewonnenen Meute Futter bieten. Ansonsten ist man deutlich schneller wieder raus aus dem "Geschäft" als man reinkam.

Ich muss, leider, für die Existenz meiner Familie und meinerselbst arbeiten bis zum Umfallen. Sechszigstundenwochen sind praktisch wie Urlaub, es existieren keine halben Stunden am Tage, an denen ich konzentriert an einer komplexen Sache arbeiten könnte.

Ich liebe es, mich nicht zu langweilen, aber ganz ehrlich, zum Betreiben eines privaten, nicht-kommerziellen Blogs bedarf einer ganzen Menge Langeweile.

Ich möchte hier gerne weiterschreiben, aber zukünftig ohne den mir selbstauferlegten Druck. Einfach wann es mir passt, ungeachtet irgendwelcher Leserzahlen. Ich bin inzwischen stark genug dafür, ich kann mich im Kleinen definieren, ich benötige keine Aufmerksamkeit mir eigentlich Fremder mehr zum Selbstbewusstsein.

Danke fürs Zuhören!   

Wir schreiben das Jahr 2011…

am 21. Mai 2011 unter Textblech abgelegt

… und noch immer plagt sich die Menschheit mit Problemen, die bei einer intelligenten Lebensform längst hätten gelöst sein sollen:

 

- Man versucht sich, wenn man sich nicht gerade einmal wieder in die Luft sprengt, nach wie vor mit Kernspaltungsreaktoren, weil man betreffs der Fusion seit Jahrzehnten kaum einen Schritt weiter gekommen ist.

- Wir rauben uns mit Verbrennungsmotoren den Atem, weil wir Lobbyisten gestattet haben, die Forschung auf dem Gebiet der Elektromobilität aktiv und offenkundig zu bremsen.

- Cannabinole und Opiate sind nach wie vor als Genussmittel verboten. Weiterhin berauschen wir uns legal ausschließlich mit dem schädlichst möglichen Nervengift "Alkohol".

- Noch immer führen wir Kriege aufgrund religiöser und/oder kultureller Diskurse.

- Physische wie psychische Gewalt gegenüber Artgenossen, motiviert aus Nationalstolz, wird nach wie vor in JEDEM Land der Erde toleriert.

- Die Gier nach Materiellem, Macht und Anerkennung ist nach wie vor faktisch einziger Motor jeder sogenannten Demokratie.

- Ein Jeder ist nach wie vor sich selbst der Nächste. 

- Noch immer existiert keine brauchbare Möglichkeit, den Datenbestand auf zwei Macs synchron zu halten.

- Weiterhin bloggen angetrunkene Pseudoliteraten gutmenschelnden Blödsinn vor sich hin. 

Frühjahrsmüdigkeit

am 28. April 2011 unter Foo, Textblech abgelegt

In ihren Ursachen unbekannt, in ihrer Existenz angezweifelt, geistert die Begrifflichkeit wie jedes Jahr um diese Zeit wieder durch aller Munde und Medien. Auch ich bin betroffen. Allerdings durchgehend seit April 2008.

Trotz unverschämter Schlafdauer und mitunter beängstigender -tiefe bleibt "Vigilanz" ein vollends unverständliches Fremdwort, morgendliche, familiäre Kommunikation ohne Beinahetotschläge sind ausgeschlossen, Arbeitsmotivation als solche existiert nicht und bereits am Nachmittag setzt die komplette Erschlaffung aller Neuroganglien, der sich der Ohnmacht nähernde, zum Taumel verpflichtende Schwindel und der jegliche Resteuphorie vernichtende Welthass ein. Willkommen in der schönsten Zeit des Jahres. 

Die Temperaturen steigen, womit sich die Kaltschweissigkeit zumindest den Desinteressierteren verklären lässt, die Röcke schrumpfen, gleichermaßen aber auch das Gesichtsfeld, das lediglich verzweifelt nach haltgebenden Griffstellen sondiert. So mach einer ward schon als Stelzbock verschrien, hatte er sich doch nur vor einem Sturze zu bewahren versucht.

Bei so manch einem hört diese zermürbende Umnachtung bereits Ende April wieder auf, die Sinne klären sich und das Leben wird wieder lebenswert. Nicht aber bei mir, ich befinde mich augenscheinlich seit März 2008 in einer Art innerem Dauerfrühling, der nichts desto trotz im kalendarischen Äquvalent Jahr für Jahr noch einmal seine Klimax findet. Nichts los hier, nichts mit mir. Keine Lust, keine Kraft. Ach, wäre doch nur Winter. Für ein bis zwei Jahre…

Das Los der Väter (IV): Laktationsintoleranz

am 25. Februar 2011 unter Foo, Textblech abgelegt

Die Ernährung eines Neugeborenen mittels Muttermilch gleich aus der Drüse ist unstrittig die natürlichste und gesündeste Form. Unter nicht zu vernachlässigender Kostenersparnis wird die Brut auf diese Weise optimal ernährt, das Urvertrauen gestärkt, die Mutter-Kind-Bindung optimiert und Allergien vorgebeugt. Nicht zu letzt sinkt auch das Risiko der Stillenden, an Brustkrebs zu erkranken.

Dennoch sollte sich der Kindsvater bewusst sein, was da auf Ihn zukommt, um ein böses Erwachen und ernste Beziehungskrisen zu vermeiden.

Die Sexualität des Mannes ist, unter anderem, stark brustzentriert. Er entwickelt in aller Regel ein sehr inniges und besitzergreifendes Verhältnis zu den Brüsten seiner Partnerin. Diese dürfen indes meist ausschließlich von ihm berührt, liebkost, geküsst und bestenfalls auch betrachtet werden.

Damit ist bei einer stillenden Mutter vorerst Schluss. Beide Brüste gehören ausschließlich dem Kind, Liebkosungen führen grundsätzlich zu mitunter befremdlichem Milchfluss und betrachtet werden die ehemaligen "Lusthügel" von so ziemlich jedermann, denn öffentliches Stillen ist bei einem halbwegs aktiven Lebenstil kaum zu vermeiden. So ist dem Manne nicht nur sein Liebstes genommen, nein, er teilt den Anblick auch noch mit der gesamten Umwelt. Nebst dem Verlustgefühl stellt sich gerne also auch noch Eifersucht ein.

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Das Los der Väter (III): Postnatal

am 11. Februar 2011 unter Foo, Textblech abgelegt

Die ersten Tage sind die Schönsten, sagt man. Da sind Frau und Kind im besten Falle nämlich noch im Krankenhaus.

Eine unvergleichliche Mischung aus Neugierde, vorsichtiger Vorfreude und nackter Panik ist es, die gewordenen Vätern den Weg zur Abholung ins Krankenhaus unvergesslich macht. Und im Normalfall das flaue Gefühl des Katers, den man sich in den vergangenen Tagen mit dem nicht abebbenden Strom an Nachbarn, Verwandten und Bekannten rechtschaffend angesoffen hat. Jetzt, mit dem erstmals fest montierten Kindersitz ist selbst Autofahren kein Vergnügen mehr, sondern purer Stress. Selbst wenn der Sitz noch leer ist.

Den meisten Männern wird dann, im Krankenhaus angekommen, erstmals in vollem Umfang bewusst, welche Rolle ihnen das weibliche Umfeld für die nächsten Monate zugedacht hat: Am Rand, als Vorhut, oder als nachgelagerter Lastesel, niemals jedoch DABEI. Unsere Aufgabe ist nun nurmehr zu unterstützen. Das Frauchen ist schließlich noch geschwächt, zudem noch von der theresienhaften Aura der Geburt eingehüllt, und das kleine Wesen doch so schutzbedürftig. Mein Rat an dieser Stelle: Putzen Sie, kochen Sie, kaufen Sie ein, hören Sie zu und halten Sie um Gottes Willen die Schnautze. Der angewandte Brutschutzreflex der eigenen Gefährtin ist ein Erlebnis, das kein Mann ernsthaft erfahren will.

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Das Los der Väter (I): Praenatal

am 21. Januar 2011 unter Foo, Textblech abgelegt

Verkannt, unverstanden, diskriminiert, missbraucht und gedemütigt. Werden Väter natürlich nicht. Und doch zwingen Sie sich oft genug aus gesellschaftlicher Überanpassung zu einem Verhalten und synthetischen Empfinden, das da nicht echt sein kann. Fehlt es ihnen doch an einem ganz wesentlichen Bindeglied zur gerade geworfenen, oder noch zu werfenden Nachkommenschaft: Der entsprechenden Körperchemie.

Ein werdender Vater wird ganz plötzlich, für ihn nicht einmal greifbar, in eine komplett neue Lebenssituation platziert: Seine Partnerin ist von einem Tag auf den anderen ein komplett anderer Mensch. Oftmals emotional hypersensibel, bisweilen neurotisch und so gar nicht mehr die, die sie mal war, weshalb sie ja nun auch schwanger ist. Das engere und weitere soziale Umfeld, bestehend aus anderen Väter und vor allem, anderen Frauen, überschüttet ihn ungefragt und ohne absehbares Ende mit Ratschlägen von "selbstverständlich" bis "abstrus". Seine Kumpels haben plötzlich diesen befremdeten, ungläubigen Blick in den Augen und zu so machem Gelage läd man ihn nicht mehr ein. Aus "Rücksicht". In Wahrheit aber aus Angst vor der Konfrontation mit der eigenen, nicht unwahrscheinlichen Zukunft. 

Der Job bekommt plötzlich eine andere Bedeutung: Bislang der Spielplatz, auf dem man auch einfach mal lümmeln konnte, ist die persönliche Karriere plötzlich existenziell. Aus dem Nichts ist da auf einmal dieser Ernst, in allen Dingen. Dieser jede Leichtigkeit zersetzende, beängstigende und die Seele in ein persönliches Alcatraz sperrende Ernst. Keine flapsige Antwort mehr auf das menschenfeindliche Gehabe des Vorgesetzten, kein spontanes Ampelrennen mehr mit dem Vorstadtproleten im pastelfarbenen Scirocco auf dem Nachhauseweg. Keine durchgefeierten Wochenenden, kein harmloser Flirt mit der Kleinen vom Brötchenstand. Nurmehr Verantwortung, Zwang und dieser selbstaufgebaute Druck.

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Nichts trennt uns

am 04. Dezember 2010 unter Foo, Textblech abgelegt

Ich kehre zurück an die Orte,

wo wir uns begegnet sind,

-und Du bist wieder da.

 

Ich gehe die Wege,

die Du gegangen bist,

Du gehst wieder mit mir.

 

Ich freue mich an dem,

was Dich weiterhin erfreut hätte,

ich sehe Dich mitlächeln.

 

Ich gehe den Spuren nach

Die Du hinterlassen hast,

und begegne Dir immer wieder.

 

Nicht kann uns trennen,

wenn uns so viel verbindet.

(unbekannter Author)

 

Es ist gut, wie es ist. Wurde. Der Weg war grausam, das Ziel aber schmerzhaft klar, all die mühsame Strecke. Es muss weitergehen. Das wussten wir. Quasi. Danke für alles, jemals. Ich wäre nicht ohne Dich, Du hattest mein Wort, ich habe es gehalten und werde es in Ehren halten. In mir wirst Du weiter leben bis an das Ende meiner Tage. *Word*

(ich)

Als die Menschlichkeit ertrank

am 27. Oktober 2010 unter Foo, Textblech abgelegt

Ich glaube, es muss gegen Ende der ersten Welle der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise gewesen sein, als die letzten Zuckungen, das verzweifelte Aufbäumen vor dem endgültigen Daniederliegen der Humanität in unserer Gesellschaft verebbte. Sie ertrank, ersoff in panischer Existenznot, in Gier und und im falsch interpretierten und gelebten Überlebenstrieb nicht bedrohter Wohlständler.

Wir, als Privatmenschen, haben gelernt, uns abzugrenzen. Abzuschotten gegenüber dem Leid Dritter, für das wir nicht verantwortlich zu sein glauben uns zwingen. Wir müssen uns um unser persönliches Überleben kümmern, wir haben nicht die Zeit, die Kraft, das Geld, denen zu helfen, die da allgegenwärtig um Hilfe ersuchen. Letztlich ist jeder seines eignen Glückes Schmied, wer leidet, sollte sich primär einmal die Schuldfrage stellen, bevor er nach dem Hab und Gut seiner Mitmenschen zu greifen trachtet.

Wir, als Unternehmensmanager, lassen selbstverständlich zu, dass in China Menschen verhungern und verdursten, während uns unsere chinesischen Geschäftspartner von den aus unwürdigen Arbeiterseelen gepressten Gewinnen aufs Dekadenteste bewirten, durch Bordelle schleifen und auf Rosen betten, an denen noch das Blut der verarmten Pflückerinnen klebt. Es ist uns selbstverständlich, dass wir das Gut, das wir gewinnbringend veräussern, von gesellschaftlich Randständigen unter erbärmlichen Bedingungen und für einen Lohn, der für ein Leben nicht mehr ausreicht, produzieren lassen. Sklaverei? Aber es wird doch niemand gezwungen!

Wir, als Politiker, scheren uns einen Dreck um Volkesmeinung, solange die legalen Bestechungsgelder einer menschenfeindlichen Großindustrie aus nur einer Legislaturperiode uns ein ein geruhsames Restleben in Saus und Braus, sowies die Aussicht auf jederzeit mögliche Zuverdienste ermöglichen. Was kümmert uns ein Nachhaltigkeitsansatz in den Überlegungen zu weitreichenden Entscheidungen, wenn wir uns nach spätestens vier Jahren sowieso wohlgesättigt aus der Affaire ziehen können und sogar noch Geld damit verdienen, anderen die Schuld für unsere eigenen Verfehlungen zuzuschreiben? Wie sollen wir überhaupt noch Einzelschicksale, selbst wenn sie millionenfach existieren, berücksichtigen, wenn wir in Größenordnungen denken, die einen Menschen sowieso überfordern müssen?

Wir, als Ärzte, tragen doch keine Schuld daran, dass wir Medizin und Nächstenliebe inzwischen wirtschaftlich erfolgreich betreiben müssen. Wer will uns verdenken, dass wir unsere Nächstenliebe vornehmlich denen widmen, die am besten dafür zahlen? Jeder muss schließlich sehen, wo er bleibt. Wir sind nun wirklich völlig überlastet und können nichts dafür, dass unsere Arbeitgeber sich nicht mehr in der Lage sehen, eine praktikable Personaldecke zu finanzieren, weshalb wir ja geradewegs gezwungen sind Patienten abzulehnen, auch wenn dies, trotz aller Dokumentationsfinten, ihren sicheren, vermeidbaren Tod bedeutet. Ist es da nicht nachvollziehbar, nein geradewegs sinnvoll, bevorzugt jene abzulehnen, die sowieso wenig bis keinen Nutzen für diese elitäre Gesellschaft erlauchter Ausbeuter besitzen? Was ist denn daran auszusetzen, nicht nachweisbare, vielleicht gar psychische Aspekte gerade dann nicht als medizinisch notwendig zu beurteilen, wenn sie denn Geld kosten könnten?

Wir, als Menschen, wären gefragt. Doch hören wir gerade auf die Obrigkeit, die uns zu ihrem Vorteil instruiert, doch wir lauschen konzentriert, denn wir wollen ja keine Nachteile erfahren. Wir dulden Ausbeutung, auch an uns selbst, wenn sie denn nicht allzu schlimm stattfindet, wir akzeptieren, dass alleinerziehende Mütter aus dem selben Topf und mit den gleichen Mitteln "unterstützt" werden, mit denen der bekennende Arbeitsverweigerer und Gesellschaftsfeind seinen täglichen Vollrausch finanzieren lässt. Wir lassen Kinder von amtswegen kontrolliert in den Armen ihrer asozialen Eltern verhungern und klären die Schuldfrage nie. Wir lassen uns von Staatsorganen zu fiktiven Bedrohungen verschüchtern, geben bereitwillig unsere intimsten Daten an einen Überwachungsstaat und seine markwirtschaftlichen Schergen preis und finanzieren mit unserer Arbeit kostspielige Kriege gegen nicht existierende Gegner.

 

Wir sind schon Trottel.