schwarzsicht auf Twitter

  • Welch erhabene "Krönung der Schöpfung", die sich da windet, gemartert und geknechtet von mikroskopisch kleinen, einzelligen Dösbaddeln. 1 day ago
  • Eltern bekommen heutzutage Briefe, in denen der Lehrer sich bestätigen lässt, dass die Kids allesamt blöd sind und er nichts dafür kann. 1 day ago
  • "Fertige Schabracken aus Deinem Plattenbau warten auf Dein Sozialhilfe-savoir-vivre. Stosse JETZT laut auf!" 2 days ago
  • Nach der Butan-Inhalation erst mal gut ausatmen, Kinder, bevor ihr Euch eine Kippe ansteckt, woll!? 2 days ago
  • Machen wir uns doch nichts vor! Wenn die richtig harten Sachen zu Neige gehen, heisst es eben: Kreativ sein! http://t.co/FksxYkHh 2 days ago

Archiv der Kategorie 'Kultur muss auch mal sein'

Warum ich kein Blogger bin

am 20. Oktober 2011 unter Foo, Kultur muss auch mal sein, Textblech abgelegt

Primär? Ganz ehrlich? Mir fehlt die Zeit. Und die Energie. 

Mir fehlt die Zeit, mich geradewegs manisch mit mir selbst und meinen Interessen zu beschäftigen. Mir fehlt die Energie, regelmässig Tasten zu drücken, nach all denen, die ich bereits zu drücken gezwungen war. 

Ich teile mich unglaublich gerne mit, bevorzugt in schriftlicher Form. Die Persistenz des geschriebenen Wortes macht mich an. Aber ich habe absolut keine Zeit mehr, mich von IRGENDETWAS anmachen zu lassen. Ich bin Lohnsklave im IT-Sektor. Und ich bin "Familienvater". Das schränkt auch den wüstesten Freigeist gewissermaßen ein. Zeitlich. Und energetisch. Bevor mich drei wundervolle Töchter und eine grossartige Frau in einen überaus angebrachten Zustand ständiger Beschäftigung versetzten, sah ich mich in der Tat als "Blogger". Als early-adopter einer sehr lange Zeit neuen Technologie, einem grandios egozentrischen Weltbild. Jeder kann jedem alles mitteilen, jederzeit. Faszinierend!

Grossartig auch das soziale Potenzial der Bloggerei. Man wird geradewegs auf adäquate Gesprächspartner gestürzt, man kann sich kaum verfehlen. Aber man benötigt ein in meinem Dasein überaus rar gewordenes Gut: Zeit. Schreibt man ein gerade "aufschwingendes" Blog, muss man dran bleiben. Der hungrigen, für sich gewonnenen Meute Futter bieten. Ansonsten ist man deutlich schneller wieder raus aus dem "Geschäft" als man reinkam.

Ich muss, leider, für die Existenz meiner Familie und meinerselbst arbeiten bis zum Umfallen. Sechszigstundenwochen sind praktisch wie Urlaub, es existieren keine halben Stunden am Tage, an denen ich konzentriert an einer komplexen Sache arbeiten könnte.

Ich liebe es, mich nicht zu langweilen, aber ganz ehrlich, zum Betreiben eines privaten, nicht-kommerziellen Blogs bedarf einer ganzen Menge Langeweile.

Ich möchte hier gerne weiterschreiben, aber zukünftig ohne den mir selbstauferlegten Druck. Einfach wann es mir passt, ungeachtet irgendwelcher Leserzahlen. Ich bin inzwischen stark genug dafür, ich kann mich im Kleinen definieren, ich benötige keine Aufmerksamkeit mir eigentlich Fremder mehr zum Selbstbewusstsein.

Danke fürs Zuhören!   

(Filmkritik) – Red Rising Hood (2011)

am 06. Juli 2011 unter Kultur muss auch mal sein, mattscheibe abgelegt

Nebst "SchBiss zum Morgengrauen" und seinen zu zahlreichen Aufgüssen konzentriert sich Regisseure Catherine Hardwicke nun auf nurmehr eines ihrer immerhin zwei fantastischen Genrethemen und schickt sich nun an, den vermutlich noch pubertierenden Zuschauer fortan mit einem Werwautz-Only-Märchen zu quälen. Ob hierbei die meist erst entspringenden Säfte ähnlich in Wallung geraten können, wie bei der Blutsaugerwerwolfsoftporno-Trillogie, hat sich schwarzsicht, -völlig unvoreingenommen-, mal angesehen.

 

Ein kleines Dorf im Mittelalter, seit Generationen heimgesucht von einem bösen Werwolf, der bei Vollmond die ihm stets zur Besänftigung dargereichten Opfer abholt. Eines schönen Tages begnügt er sich mit diesen nicht mehr, sondern reisst munter und scheinbar wahllos Dorfbewohner, was diese mit einer Kampfansage parieren. Schließlich unterstützt von einem katholischen Priester als Werwolfexperten macht man sich also auf die Jagt nach dem Ungeheuer. Allen voran die juvenile "Valerie", die noch deutlich tiefer in die Geschehnisse verstrickt wird, als man ob ihres platten Possenspiels vermuten mag…

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Austrianische Sprachschule (Teil II)

am 29. April 2010 unter Foo, Kultur muss auch mal sein abgelegt

Deutschland-Oesterreich

Auch im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit den sprachlichen Unterschieden in den beiden panalpinischen Nachbarländern im Sinne einer besseren Völkerverständigung.

Im ersten Schritt soll aber an dieser Stelle etwas  tiefgründiger in die österreichische Seele eingedrungen werden, denn gegenseitiges Verständnis ist Grundvoraussetzung jedweder Kommunikation. Die (wenigen) Eigenheiten des Alpenländers führen bei den einen zu einem leicht exzentrischen Gesamteindruck, der andere bemüht den vielzitierten "Morbus austriacus" um seine Berührungsängste zu begründen. Wie man es jedoch auch immer nimmt: Der Österreicher an sich wird oftmals zu Unrecht belächelt, auch wenn er es sich oft selbst nicht zuzugeben getraut: Er ist ein vollwertiger Mensch und liebenswert, wenn man ihn erst einmal verstanden hat.

Am ehesten lässt sich das österreichische Selbstbild als "dialektisch" benennen. Offenkundig unvereinbare Gegensätze zeichnen es aus, jedoch wird der Österreicher niemals müde, diese Dialektik zu negieren: Sich einerseits stets dem großen Bruder Deutschland unterlegen zu fühlen, aber dennoch einen beinahe pathologischen Nationalstolz zu zelebrieren, schließt sich nicht aus. Der Österreicher ist halt schlicht weltoffen, bleibt aber gerne unter sich. Der Deutsche ist als Tourist (zu Recht) verhasst, als Einwanderer gefürchtet, aber man hat ihn halt lieb. Der Österreicher ist stolz ein Österreicher zu sein, aber er schämt sich eben dafür.

Wichtig zu begreifen ist noch, dass ein Österreicher niemals die Schuld trägt. Diese kann jederzeit einem anderen Österreicher aufgebürdet werden, wo sie jedoch ebenso entrüstet abprallt. Er trägt auch keine Verantwortung, konsequenterweise auch nicht für einen Erfolg. Das Schweigen eines Österreichers lässt sich am einfachsten als Zustimmung werten, alles andere führt zu nichts. Wenn ein Österreicher schweigt, schämt er sich meist, und wenn er sich schämt, dann schweigt er.

Man hat in Österreich ganz sicher die Arbeit nicht erfunden, oftmals steht man sich mit südländischem Phlegma selbst im Weg, ist aber keineswegs faul. Was getan werden muss, das wird getan, ansonsten machts ein anderer. Konflikten ist grundsätzlich aus dem Weg zu gehen. Ganz wichtig: Ohne Titel ist man als Österreicher GAR NICHTS.

Doch zurück zu den sprachlichen Tricks und Kniffen der bergüberwindenden Völkerverständigung, heute mit einem Fokus auf Redewendungen:

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Austrianische Sprachschule (Teil I)

am 26. Februar 2010 unter Kultur muss auch mal sein abgelegt

Deutschland-Oesterreich

Heisst zwar auch in Österreich die Amtssprache "Deutsch", stößt jedoch der preussische Einwanderer in der schönen Alpenrepublik schnell auf Sprachschwierigkeiten, die sich nicht allein in der oftmals sehr exotischen Terminologie begründen lassen, sondern vielmals auch in einer völlig unterschiedlichen Mentalität der beiden Volksstämme ihre Ursachen haben.

Während auf syntaktischer Ebene Werke wie Ostarichi exzellente Dienste erweisen, stiftet die Semantik vielmals unbemerkt unnötige Verwirrung. Diese lose Artikelserie soll Licht ins Dunkle der österreichischen Sprachpsychologie bringen und damit ihren Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Ich mag mich in vielen Interpretationen irren und dem ein, oder auch anderen damit Unrecht tun, ich versichere jedoch in meiner inzwischen eindreivierteljährigen Erfahrung nach bestem Wissen und Gewissen vorzugehen.

- "eh kloar!" –

Eine Floskel des Österreichers, wenn ein Sachverhalt klar ist, er aber dennoch seichte Zustimmung signalisieren möchte. Kann in einer angeregteren Diskussion allerdings auch aggressiv eingesetzt werden um ein den Adressaten langweilendes Thema zu unterbrechen, oder aber um zu implizieren, dass Gegenüber halte einen selbst offensichtlich für "deppat".

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Islamophobie

am 15. Januar 2010 unter Foo, Kultur muss auch mal sein abgelegt

frightened

Angst ist eines der ursprünglichsten, intensivsten und sinnvollsten menschlichsten Gefühle überhaupt, ohne die es eine Zivilisation gewiss nicht geben könnte. Angst ist ein Frühwarnsystem für existentielle Bedrohungen, die uns erlaubt vernichtende Angriffe auf unser Leben abzuwehren, bevor sie erfolgen. Doch Angst kann auch lähmen, zerstören und diskriminieren, wenn sie entartet und wuchert.

 

In unseren heutigen, mitteleuropäischen Zivilisationsbunkern, die wir uns mit unserer exorbitanten Anpassungsfähigkeit geschaffen haben, besitzen existenzielle Ängste kaum mehr eine Berechtigung. Wir können uns in der überbordenenden Mehrheit stets sicher sein, warmgehalten, genährt, gewässert und medizinisch umsorgt zu sein, egal, wie ungeschickt wir uns im Alltag auch anstellen mögen, gleichgültig, welch ungerechtes Schicksal uns ereilen möge. Eine Bedrohung durch wilde Tiere, Krieg oder Kriminalität ist bestenfalls als marginal zu bezeichnen, ratifiziert man verlässliches, statistisches Material. 

Und doch ist Angst existenzieller Bestandteil unserer Persönlichkeit. Gibt es keinen Grund mehr, vor äusseren Einflüssen berechtigt Angst zu haben, sucht sich unser Angstbedürfnis alternative Ventile. Die stetig zunehmende Zahl der Angsterkrankungen mit zum Teil dramatischen Auswirkungen vermag diese These zu stützen. 

Hinzu kommt die Kleingeisterei, die gerade dem Mittelwohlständler beständig im Nacken sitzt: Er krallt sich verzweifelt an dem bisschen Materiellen, dass er sich selbst erwirtschaftet glaubt, fest und verliert hierbei leicht die Relation der Bedeutsamkeiten. Der "gute Christ" schämt sich aber gerne dieser egozentrischen Ängste, weshalb er sie so lange in vorgeschützer Besorgnis um das christiche Gutmenschenwertesystem kleidet und mimt, die abendländische Kultur vor ihrem sicheren Untergang bewahren zu wollen. Letztlich fehlt hier doch nur ein Feindbild, welches sich jedoch leicht in den Reihen unserer muslimischer Einwanderer ausmachen lässt: Fremd anmutende Menschen, oft in verschleierndes Tuch gehüllt, mit imperialistischem Funkeln in den schwarzen Augen, die ganz offen nach der Weltherrschaft trachten. Oder zumindest exotische Gebetshäuser mit Türmen bauen wollen und unverschämterweise ihre Grundrechte auf freie Religionsausübung einfordern. 

Schnell ist hier eine akute Bedrohung ausgemacht, schnell verbrüdert man sich mit dem "Establishment", dem man noch zu trans- und postpubertären Zeiten unbedingt den Kampf angesagt hatte. Mit allen Mitteln wird versucht, sich selbst zur Norm zu erklären, um ja seine abstrusen Phobien und Befürchtungen in ein wohlfeiles, völkisches Gewand zu kleiden. Der marktschreierisch christlich-traditionelle Demissionierungsinhibitationsbeauftragte aus eigenen Gnaden bezeichnet sich selbst gern als "konservativ", übersieht dabei aber, dass das Konservative den multikulturellen Charakter einer sich weiterentwickelnden Gesellschaft in einer vernetzten Welt, im Gegensatz zum agitatorischen Kulturmonopolisten, längst konstruktiv in sein Weltbild eingebunden hat, während neofeudalistische Kleingartenpächter und Deutschrosenzüchter höchst unkonservativ um ihr bisschen Habe bangen, nach welcher der diabolisierte Muselmann laut ihrer bäuerlichen Denke einzig trachtet.

Der "weltweite" Terror hat dem braunen Gedankenhabitus unsagbaren Vorschub geleistet. Regierungen nutzen die Angst dankbar und wohlkalkuliert zur Kontrolle des Pöbels. Niemand mag sich mehr an die Schandtaten des Christentums erinnern, wenn er aus seiner diesbezüglichen Glaubensorientierung das "Recht des Besseren" ableitet. Der bedingtbelichtete, geistige Mittelstand ist auf bestem Wege, den Humanismus einem neuen, christlichen Fundamentalismus zu opfern. Und regt sich dabei über die verschwindend geringe Anzahl islamistischer Trottel in Europa auf.

Was wäre die Welt nur ohne mich?

am 26. November 2009 unter Foo, Kultur muss auch mal sein, Textblech abgelegt

Ich habe bereits geniale Erfindungen für einen lebenswerteren Alltag ersonnen, da konnten andere nicht einmal sprechen. Dennoch bin ich *GOTTSEIDANK* bodenständig geblieben, Untugenden wie Selbstüberschätzung, Blasiertheit oder gar Arroganz sind mir glücklicherweise fremd. Dies muss an meinem überaus liebenswerten, geduldigen und toleranten Wesen liegen, ich konnte schon immer gut mit weniger Begabten. Wäre auch richtiggehend angeschissen, sei dem anders… Nichts desto trotz bedarf auch ich zeitweilig der Anerkennung Dritter, darum hier eine kurze Übersicht meiner Errungenschaften für die Menschheit.

Am Anfang stand der Dübel

Duebel

Natürlich, Dübel existierten schon lange vor meiner Zeit, aber meine Ableitung, der Nübel, wurde von mir im Alter von etwa drei Jahren entwickelt. Rein theorethisch, versteht sich.

Aufgewachsen unter Frauen, kannte ich Bohrmaschinen nur vom Hörensagen. Immer wieder ärgerte es mich, wenn mir das Familienfoto, unsachgemäß mittels eines Nagels über meinem Bett befestigt, unmotiviert des Nächtens auf meinen wertvollen Schädel prallte. Also erdachte ich eine stählerne Hülse mit Spreizarmen, welche sich ausbreiten mögen, sofern ein Nagel in sie geschlägen würde. Um ein Herausrutschen des Nagels zu verhindern, besäße dieser eine ringförmige Nut, die in eine entsprechende Aussparung im Nübel einrasten könne. Einziges Manko: Ein derartiges Konstrukt wäre nur noch unter nennenswerten Kolateralschäden wieder aus der Wand zu entfernen.

Kürzlich im Baumarkt erspähte ich genau eine solche Konstruktion. Hieß natürlich nicht Nübel, aber ich war zu aufgebracht, mir den Namen des Plagiats zu merken. Ich hätte meine Tagebücher niemals ins Altpapier geben dürfen.

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Andie Gabauers The Earth, Wind & Fire Projekt

am 27. April 2009 unter Kultur muss auch mal sein abgelegt

Earth Wind and Fire Covers gibt es ja nicht erst drei. Umso größer die Erwartungen an ein Projekt, das in dieser Richtung noch Alleinstellungsmerkmale aufweisen will. Am Samstag hatte ich im Forum Neuhofen / Krems Gelegenheit, mir selbst ein Bild zu machen.

Mit einer rockstarallürisierten Verspätung von einer halben Stunde betrat die Band die kleindimensionierte Bühne des künstlich halbierten Musiksaales des Neuhofener Forums. Bei näherer Betrachtung einiger Bandmitglieder beschleicht einen spontan der Verdacht, es könne sich um eine Art musikalisches Integrationsprojekt für körperlich und geistig Behinderte handeln. Doch das ist oberflächlich und definitiv falsch, wie sich herausstellt, wenn man den Künstlern bei ihrer Arbeit zuhört. Nach ein paar Takten fetzigen Funks ließ sich Herr Gabauer unter frenetischem Tussengejohle regelrecht auf die Bühne feiern.

Betrachtet man die geifernde Begeisterung der anwesenden Damen im leicht überschrittenen, besten Alter, darf man berechtigt den Verdacht hegen, den Österreicherinnen seien die Männer ausgegangen. Wenn schon ein alterndes Männlein mit selten dämlicher Haarfrisur derart sturzbachartige Dopaminausschüttungen zu verursachen vermag…

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