Warum ich kein Blogger bin
am 20. Oktober 2011 unter Foo, Kultur muss auch mal sein, Textblech abgelegtPrimär? Ganz ehrlich? Mir fehlt die Zeit. Und die Energie.
Mir fehlt die Zeit, mich geradewegs manisch mit mir selbst und meinen Interessen zu beschäftigen. Mir fehlt die Energie, regelmässig Tasten zu drücken, nach all denen, die ich bereits zu drücken gezwungen war.
Ich teile mich unglaublich gerne mit, bevorzugt in schriftlicher Form. Die Persistenz des geschriebenen Wortes macht mich an. Aber ich habe absolut keine Zeit mehr, mich von IRGENDETWAS anmachen zu lassen. Ich bin Lohnsklave im IT-Sektor. Und ich bin "Familienvater". Das schränkt auch den wüstesten Freigeist gewissermaßen ein. Zeitlich. Und energetisch. Bevor mich drei wundervolle Töchter und eine grossartige Frau in einen überaus angebrachten Zustand ständiger Beschäftigung versetzten, sah ich mich in der Tat als "Blogger". Als early-adopter einer sehr lange Zeit neuen Technologie, einem grandios egozentrischen Weltbild. Jeder kann jedem alles mitteilen, jederzeit. Faszinierend!
Grossartig auch das soziale Potenzial der Bloggerei. Man wird geradewegs auf adäquate Gesprächspartner gestürzt, man kann sich kaum verfehlen. Aber man benötigt ein in meinem Dasein überaus rar gewordenes Gut: Zeit. Schreibt man ein gerade "aufschwingendes" Blog, muss man dran bleiben. Der hungrigen, für sich gewonnenen Meute Futter bieten. Ansonsten ist man deutlich schneller wieder raus aus dem "Geschäft" als man reinkam.
Ich muss, leider, für die Existenz meiner Familie und meinerselbst arbeiten bis zum Umfallen. Sechszigstundenwochen sind praktisch wie Urlaub, es existieren keine halben Stunden am Tage, an denen ich konzentriert an einer komplexen Sache arbeiten könnte.
Ich liebe es, mich nicht zu langweilen, aber ganz ehrlich, zum Betreiben eines privaten, nicht-kommerziellen Blogs bedarf einer ganzen Menge Langeweile.
Ich möchte hier gerne weiterschreiben, aber zukünftig ohne den mir selbstauferlegten Druck. Einfach wann es mir passt, ungeachtet irgendwelcher Leserzahlen. Ich bin inzwischen stark genug dafür, ich kann mich im Kleinen definieren, ich benötige keine Aufmerksamkeit mir eigentlich Fremder mehr zum Selbstbewusstsein.
Danke fürs Zuhören!



