Ich glaube, es muss gegen Ende der ersten Welle der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise gewesen sein, als die letzten Zuckungen, das verzweifelte Aufbäumen vor dem endgültigen Daniederliegen der Humanität in unserer Gesellschaft verebbte. Sie ertrank, ersoff in panischer Existenznot, in Gier und und im falsch interpretierten und gelebten Überlebenstrieb nicht bedrohter Wohlständler.
Wir, als Privatmenschen, haben gelernt, uns abzugrenzen. Abzuschotten gegenüber dem Leid Dritter, für das wir nicht verantwortlich zu sein glauben uns zwingen. Wir müssen uns um unser persönliches Überleben kümmern, wir haben nicht die Zeit, die Kraft, das Geld, denen zu helfen, die da allgegenwärtig um Hilfe ersuchen. Letztlich ist jeder seines eignen Glückes Schmied, wer leidet, sollte sich primär einmal die Schuldfrage stellen, bevor er nach dem Hab und Gut seiner Mitmenschen zu greifen trachtet.
Wir, als Unternehmensmanager, lassen selbstverständlich zu, dass in China Menschen verhungern und verdursten, während uns unsere chinesischen Geschäftspartner von den aus unwürdigen Arbeiterseelen gepressten Gewinnen aufs Dekadenteste bewirten, durch Bordelle schleifen und auf Rosen betten, an denen noch das Blut der verarmten Pflückerinnen klebt. Es ist uns selbstverständlich, dass wir das Gut, das wir gewinnbringend veräussern, von gesellschaftlich Randständigen unter erbärmlichen Bedingungen und für einen Lohn, der für ein Leben nicht mehr ausreicht, produzieren lassen. Sklaverei? Aber es wird doch niemand gezwungen!
Wir, als Politiker, scheren uns einen Dreck um Volkesmeinung, solange die legalen Bestechungsgelder einer menschenfeindlichen Großindustrie aus nur einer Legislaturperiode uns ein ein geruhsames Restleben in Saus und Braus, sowies die Aussicht auf jederzeit mögliche Zuverdienste ermöglichen. Was kümmert uns ein Nachhaltigkeitsansatz in den Überlegungen zu weitreichenden Entscheidungen, wenn wir uns nach spätestens vier Jahren sowieso wohlgesättigt aus der Affaire ziehen können und sogar noch Geld damit verdienen, anderen die Schuld für unsere eigenen Verfehlungen zuzuschreiben? Wie sollen wir überhaupt noch Einzelschicksale, selbst wenn sie millionenfach existieren, berücksichtigen, wenn wir in Größenordnungen denken, die einen Menschen sowieso überfordern müssen?
Wir, als Ärzte, tragen doch keine Schuld daran, dass wir Medizin und Nächstenliebe inzwischen wirtschaftlich erfolgreich betreiben müssen. Wer will uns verdenken, dass wir unsere Nächstenliebe vornehmlich denen widmen, die am besten dafür zahlen? Jeder muss schließlich sehen, wo er bleibt. Wir sind nun wirklich völlig überlastet und können nichts dafür, dass unsere Arbeitgeber sich nicht mehr in der Lage sehen, eine praktikable Personaldecke zu finanzieren, weshalb wir ja geradewegs gezwungen sind Patienten abzulehnen, auch wenn dies, trotz aller Dokumentationsfinten, ihren sicheren, vermeidbaren Tod bedeutet. Ist es da nicht nachvollziehbar, nein geradewegs sinnvoll, bevorzugt jene abzulehnen, die sowieso wenig bis keinen Nutzen für diese elitäre Gesellschaft erlauchter Ausbeuter besitzen? Was ist denn daran auszusetzen, nicht nachweisbare, vielleicht gar psychische Aspekte gerade dann nicht als medizinisch notwendig zu beurteilen, wenn sie denn Geld kosten könnten?
Wir, als Menschen, wären gefragt. Doch hören wir gerade auf die Obrigkeit, die uns zu ihrem Vorteil instruiert, doch wir lauschen konzentriert, denn wir wollen ja keine Nachteile erfahren. Wir dulden Ausbeutung, auch an uns selbst, wenn sie denn nicht allzu schlimm stattfindet, wir akzeptieren, dass alleinerziehende Mütter aus dem selben Topf und mit den gleichen Mitteln "unterstützt" werden, mit denen der bekennende Arbeitsverweigerer und Gesellschaftsfeind seinen täglichen Vollrausch finanzieren lässt. Wir lassen Kinder von amtswegen kontrolliert in den Armen ihrer asozialen Eltern verhungern und klären die Schuldfrage nie. Wir lassen uns von Staatsorganen zu fiktiven Bedrohungen verschüchtern, geben bereitwillig unsere intimsten Daten an einen Überwachungsstaat und seine markwirtschaftlichen Schergen preis und finanzieren mit unserer Arbeit kostspielige Kriege gegen nicht existierende Gegner.
Wir sind schon Trottel.