Das Los der Väter VI: Es geht schon wieder los

Gerade das erste Geburtstrauma als Vater mit breiten, noch immer bei schlechtem Wetter brennenden Seelennarben überstanden, stehen dem fast noch frisch Gevaterten Mitteleuropäer erzgewöhnlichen Lebensentwurfs gerne neue Aufregungen ins Haus: Das zweite Kind.
Ganz entgegen jedweder ersonnenen Logik: Frauen gehen mit der zweiten Schwangerschaft in keinster Weise lässiger oder gar gelassener um: Jedes Ziepen, Zwicken, jeder falsch orientierte Furz wird noch immer genauestens analysiert und, das ist neu, mit der ersten Schwangerschaft verglichen. Was bei der ersten Runde noch in Unkenntnis akzeptiert wurde ist nun anders, und damit ganz klar: Beängstigend!
Letztlich hat Mann es aber dennoch einfacher: Wir lernen. Wir lernen Konzentration auf das Wichtige, und noch viel besser: Das Ignorieren trivialer Hormoneruptionen, ohne dabei ignorant zu wirken. Letztlich rutscht für den bestehenden und doch wieder werdenden Vater die zweite Schwangerschaft einfach so durch. Ganz leicht. Die ersten Sorgen macht man sich nicht mehr, den Umgang mit einer Schwangeren ist man bereits und noch immer gewohnt, die Konzentration auf das Wesentliche, die Ernährung eines nunmehr ganzen Stalles an Plagen, fällt leicht und geht recht routiniert von der Hand.
Auch der zweite Aufenthalt im Kreißsaal ist ein völlig anderer: Statt nackter Panik und völliger Ausgeliefertheit ist da inzwischen Ruhe, das Bedürfnis nach Kontrolle und die feste Gewissheit, die individuellen Bedürfnisse der Partnerin auch durchsetzen zu können. Abweichungen zum bekannten Prozedere kommen vor, sind aber irrelevant. Der zweitmitgebährende Vater ist eine coole Socke. Das weiss auch die Hebamme. Im Ergebnis wird man gerne auch mehr in den Prozess eingebunden als es einem lieb sein kann, oft verlassen Zweitväter über und über mit Blut beschmiert, aber immer noch gefasst das Krankenhaus.
Zuhause wartet dann meist die erste, unerwartet komplexe Aufgabe: Das Erstkind. Erstmals einem selbst alleine ausgeliefert. Grundsätzlich kein Problem, ist ja ein Liebes, mag Mann sich denken. Doch: Die wissen Bescheid. Die drei bis fünf Tage der mütterlichen Abwesenheit werden zu Grabenkämpfen genutzt, stets unter der Prämisse, die eigene Position dank der gebotenen Chance zu verbessern. Der gerade gewordene Zweitvater ist auch ein dankbares Opfer. Eigentlich will er nur seine Ruhe und die Bude zur Ankunft der neuen Brut in Ordnung halten. Da gehen dann auch der Zweijährigen Sachen durch, die man zuvor niemals auch nur erahnt hätte. Besonders dankbar für Erstkinder sind Nachtgeburten. Der gebeutelte Vater kommt garantiert als kampfunfähiges Wrack zurück und wird sich in den nächsten Tagen auch nicht mehr erholen. Gefundenes Fressen!
Irgendwann ist dann auch die tranige Idylle vorbei: Die Wöchnerin kommt samt Neuplage nachhause und spätestens ab hier greifen auch keine Erfahrungswerte mehr. Zweitgebährende sind weinerlicher, schlapper und mitgenommener als die Frau, die Mann mal kannte. Also: Den dringend benötigten Urlaub gedanklich verwerfen und loslegen: Haushalt, Kochen, putzen, einkaufen und bei all diesen Aktivitäten stets das Erstkind im Griff behalten, dessen Oberaufsicht einem nun alleine zu Teil wird. Die Beziehung zum Erstgeborenen wird garantiert intensiviert, die zur Gebärenden mit Sicherheit auf eine harte Probe gestellt. NIEMALS zuvor hat Mann derart viel verhasste Arbeit bewältigt, ist so derart oft über seinen Schatten gesprungen, hat sich so massiv verausgabt, ist so viele Tode gestorben und hat vergangene Entscheidungen so oft verflucht, wie in den ersten Tagen mit zwei kleinen Kindern.
Besänftigt und umheimelt wird man spätestens, wenn einem, nachdem man das Erstgeborene erfolgreich ins Bett gebracht hat, das Klitzekleine an der Schulter süß entschlummert. Bis es einem eimervoll in den Hemdkragen kotzt.
31 Juli 2011 um 3:08 am
Mann. Passt vom Stil her echt klasse. Ich schwanke zwischen Tempo oder Windel reichen …
31 Juli 2011 um 1:07 pm
Wie ich lesen kann, ist der Trieb mal wieder staerker als die Vernunft gewesen. Sowohl beim Maennchen als auch beim Weibchen.
Trotzdem Glueckwunsch.
16 Oktober 2011 um 2:01 pm
Ein wunderbarer #Spacelord. Spät, aber herzlich meine besten Wünsche für alle Beteiligten!
ein alles.