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Archiv des Monats Januar 2011

Das Los der Väter (II): Perinatal

am 29. Januar 2011 unter Foo abgelegt

"Das Wunder des Lebens: Die Geburt." – Dergestalt romantisiert sind die Wenigsten auf das vorbereitet, was sie da erwartet, die sie einst lustvoll dem Reproduktionstriebe nachgaben.

Für einen Mann definiert sich die Zeit vor der Holdesten Niederkunft meist durch ein Gefühl: Endloses, nervenzerfetzendes Warten, einzig aufgelockert durch die Jammertiraden der natürlich deutlicher Betroffenen. In den letzten Monaten vor der Geburt verändert sich der weibliche Körper auf geradezu groteske Weise: Jedwede Proportionen, sofern je vorhanden, lösen sich auf, die Ballonhaftigkeit der eigenen Physis ist allerdings niemandem bewusster, als der Dame selbst, weshalb sie unablässig Bestätigung einfordert, die "er" ihr natürlich liebevoll jederzeit zu Teil werden lässt.

Sinnvolle Gespräche mit der Partnerin sind im letzten Schwangerschaftsdrittel ausgeschlossen. Mann fragt sich, hofft, bangt, ob sie je wieder die geistige Konstitution wie vor der Schwangerschaft zurückerlangen wird, doch die Antwort ist so einfach, wie auch bereits zu diesem Zeitpunkt bewusst: Nein!

Der Sportwagen ist bereits verkauft, beziehungsweise entsprechende Träume sind endgültig begraben. Das Heim ist auf die Ankunft des goldenen Kalbes vorbereitet, oft genug musste das bisherige "Herrenzimmer", das dem Manne das Leben mit einer Frau zumindest erleichterte, geopfert werden. Es existieren nurmehr Mutter und Kind. Gedanklich, wie emotional, wie finanziell.

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Das Los der Väter (I): Praenatal

am 21. Januar 2011 unter Foo, Textblech abgelegt

Verkannt, unverstanden, diskriminiert, missbraucht und gedemütigt. Werden Väter natürlich nicht. Und doch zwingen Sie sich oft genug aus gesellschaftlicher Überanpassung zu einem Verhalten und synthetischen Empfinden, das da nicht echt sein kann. Fehlt es ihnen doch an einem ganz wesentlichen Bindeglied zur gerade geworfenen, oder noch zu werfenden Nachkommenschaft: Der entsprechenden Körperchemie.

Ein werdender Vater wird ganz plötzlich, für ihn nicht einmal greifbar, in eine komplett neue Lebenssituation platziert: Seine Partnerin ist von einem Tag auf den anderen ein komplett anderer Mensch. Oftmals emotional hypersensibel, bisweilen neurotisch und so gar nicht mehr die, die sie mal war, weshalb sie ja nun auch schwanger ist. Das engere und weitere soziale Umfeld, bestehend aus anderen Väter und vor allem, anderen Frauen, überschüttet ihn ungefragt und ohne absehbares Ende mit Ratschlägen von "selbstverständlich" bis "abstrus". Seine Kumpels haben plötzlich diesen befremdeten, ungläubigen Blick in den Augen und zu so machem Gelage läd man ihn nicht mehr ein. Aus "Rücksicht". In Wahrheit aber aus Angst vor der Konfrontation mit der eigenen, nicht unwahrscheinlichen Zukunft. 

Der Job bekommt plötzlich eine andere Bedeutung: Bislang der Spielplatz, auf dem man auch einfach mal lümmeln konnte, ist die persönliche Karriere plötzlich existenziell. Aus dem Nichts ist da auf einmal dieser Ernst, in allen Dingen. Dieser jede Leichtigkeit zersetzende, beängstigende und die Seele in ein persönliches Alcatraz sperrende Ernst. Keine flapsige Antwort mehr auf das menschenfeindliche Gehabe des Vorgesetzten, kein spontanes Ampelrennen mehr mit dem Vorstadtproleten im pastelfarbenen Scirocco auf dem Nachhauseweg. Keine durchgefeierten Wochenenden, kein harmloser Flirt mit der Kleinen vom Brötchenstand. Nurmehr Verantwortung, Zwang und dieser selbstaufgebaute Druck.

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