Letzte Worte
am 31. Dezember 2010 unter Foo abgelegt2010 war absolut nicht mein Jahr. Weniger noch, als irgendeines zuvor.
Niemals zuvor häuften sich die Schicksalsschläge derart komprimiert, niemals zuvor fühlte ich mich so lange, und vor allem so verzweifelt, hilflos.
Niemals zuvor wurde ich, mit meinen Bedürfnissen und Gedanken derart skrupellos ignoriert.
Niemals zuvor habe ich für andere derart harte Arbeit geleistet, die ich abgrundtief hasste, niemals zuvor im Leben habe ich mich so erbärmlich gegen mich selbst verbogen. Niemals habe ich mich selbst so gehasst.
Niemals zuvor habe ich mit meinem Schicksal so erbittert gehadert. Niemals zuvor wusste ich so genau, wieso.
Niemals zuvor habe ich meine Mutter verloren. Niemals so viel Kraft in Menschlichkeit investiert, wo von Anfang an keine Hoffnung bestand.
Niemals zuvor bin ich derart hart und rücksichtslos an meine Grenzen gegangen, und weit über diese hinaus.
Niemals zuvor fand ich mich zitternd und weinend, vor körperlicher und physischer Erschöpfung, nur um nach zwei Stunden Schlaf rigoros wieder alles zu geben.
Niemals zuvor war ich derart hart zu Menschen, die meine Milde verdient gehabt hätten.
Niemals zuvor habe ich mehr Geld verdient und hatte keine Freude daran.
Niemals zuvor habe ich mehr Erdmasse bewegt, Kilometer zurückgelegt und fossile Brennstoffe verbrannt.
Niemals zuvor habe ich mehr Schweine auf so unterschiedliche Weise zu einem Braten verarbeitet.
Niemals zuvor habe ich mich hilfloser gefühlt.
Niemals zuvor war ich meiner Tochter näher, niemals zuvor habe ich diese alleszermalmende, aber allesdefinierende Liebe zum eigenen Kinde gefühlt.
Niemals zuvor habe ich mehr Menschen vor den Kopf gestoßen. Und niemals mehr verloren.
Niemals zuvor habe ich mich derart selbst aufgegeben. Niemals die natürliche Leere gefühlt, die einer Selbstaufgabe folgt. Nie war ich so ein Arschloch.
Ich habe viele Menschen kennengelernt, aber ausserordentlich wenige an mich herangelassen.
Niemals zuvor habe ich so viel über mich selbst, über gedachte Grenzen und die physische und psychische Leistungsfähigkeit des Menschseins gelernt.
Ich bin unverwüstlich.
2011 wird mein Jahr. Oder ich erwürge es mit blosser Hand.
