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Archiv des Monats September 2010

Herbst

am 21. September 2010 unter Textblech abgelegt

Der September kommt, der September geht. 

Man bemerkt ihn kaum, wie er sich durch die Kontinuität des individuellen Zeitstromes larviert, mit seinen noch sonnigen Tagen, auch wenn er bisweilen sanft die Zähne bleckt. Doch kann man es ihm als bösartiges Grinsen verzeihen, denn er beisst ja nicht. Er streicht vorbei, als wäre nichts, und doch ist nichts wie je zuvor. Blickt man zurück, was noch der August an Hoffnung, Licht und Freude bot, vermag man die Spur der Verwüstung, den faulig-scharfen Hauch des Todes, den der September hinterlässt, erst gänzlich zu erkennen.

Angewidert stößt noch der letzte Baum seine schon zu braunen Grabeswimpeln vergammelten Blätter von sich, der Wind frischt auf und schafft leise Ahnung des da nahenden Untergangs. Noch blühen sie, die menschgezüchteten und wildgewachsenen kleinen Huren der Sonne, doch bald schon wird sich auch das letzte Insekt nicht mehr von ihrem vergorenen Nektar betören lassen. Gevatter Tod hat seine ewig dunklen Wege beschritten, doch schreitet er langsam. Und weidet sich genüsslich in der Angst derer, die ihn kommen sehen.

Der Herbst ist da, und auch wenn er noch freundlich lächeln mag, er ist ein Mörder. Ganz besonders in diesem Jahr.