schwarzsicht auf Twitter

  • Welch erhabene "Krönung der Schöpfung", die sich da windet, gemartert und geknechtet von mikroskopisch kleinen, einzelligen Dösbaddeln. 1 day ago
  • Eltern bekommen heutzutage Briefe, in denen der Lehrer sich bestätigen lässt, dass die Kids allesamt blöd sind und er nichts dafür kann. 1 day ago
  • "Fertige Schabracken aus Deinem Plattenbau warten auf Dein Sozialhilfe-savoir-vivre. Stosse JETZT laut auf!" 2 days ago
  • Nach der Butan-Inhalation erst mal gut ausatmen, Kinder, bevor ihr Euch eine Kippe ansteckt, woll!? 2 days ago
  • Machen wir uns doch nichts vor! Wenn die richtig harten Sachen zu Neige gehen, heisst es eben: Kreativ sein! http://t.co/FksxYkHh 2 days ago

Vor der Ernte kommt die Saat

Eine durchweg plausible Bauernweisheit trifft auf fast alle Lebens- und Arbeitsbereiche zu, nicht jedoch zwingend auf die Wirtschaft und vor allem nicht auf die Finanz- und IT-Industrie.

Während allgegenwärtig gutmenschelnd Nachhaltigkeit in der Produktion, der Landwirtschaft, der Energieerzeugung, der Bio-Öko-Lebensmittel- und Textilindustrie herbeischwadroniert wird, stecken sich immer mehr langzeitgedächtnisgeschädigte Dienstleister die Taschen mit virtuell herbeigesponnenen Werten voll. Ohne Know-How, ja selbst ohne ein "Dienstleistungsprodukt" lässt sich auch und gerade in der IT-Branche schnell Reibach machen, meist auf Kosten gutgläubig zahlender Kunden und immer auf Kosten des ausführenden Fussvolks, dass wissentlich ahnungslos gezwungen wird, in der rauen Consulting-Wildbahn den rauchenden Schädel hinzuhalten.

Ausbildungs- und Entwicklungsbudgets werden ins Lächerlichste reduziert und ein Produkt muss erst einmal mindestens drei Mal verkauft worden sein, bevor auch überhaupt nur ein "Entscheider"  bereit ist, sich Gedanken über seine Realisierbarkeit zu machen. Im Endeffekt zählt der schnelle und möglichst ressourcenschonende Verkauf zur Erwirtschaftung der persönlichen Provisionen, der Kopf der beim Scheitern eines Projekts rollt, ist seltenst der des Verantwortlichen. Egozentrierte Profilneurotiker des mittleren Managements vernichten reuelos Wirtschaftspotenzial, in dem sie Kosten für qualifizierte Fachkräfte auf ein Niveau senken, für das diese nicht mehr bereit sein können, morgens aufzustehen. Im Ergebnis wird zwingend erforderliche Motivation unterdrückt, Frustration erzeugt und die Chancen auf einen erfolgreichen Projektabschluss weiter minimiert. Hierdurch werden jedoch kurzfristig Umsätze frisiert, die wiederum in lukrative Prämien für den Führungsverweigerer münden.

Nachhaltigkeit im Dienstleistungssektor würde bedeuten, von einem destruktiven Lohndumping beim ausführenden Personal Abstand zu nehmen, Analyse- und Entwicklungszeiten und -kosten realitätsnah in Projekten zu berücksichtigen, Verkaufsabschlüsse erst dann zu tätigen, wenn ein Produkt tatsächlich vorliegt und den nimmersatten Managementwanzen, die vom abgegrastem Unternehmen zum nächsten wandern und sich ihr Ablassen vom Opfer noch teuer bezahlen lassen, effizient das Handwerk zu legen.

Wie kann es moralisch denn angehen, dass 2/3 der Personalkosten eines mittelständischen Unternehmens allein an 1. und 2. Führungsebene fließen? Wie soll eine stabile Geschäftsbasis wachsen, wenn jeder grüne Trieb unmittelbar nach seinem Ausspriessen abgerissen und von gierigen Mäulern verschlungen wird? Wenn langfristig angelegte Verträge auf Lügen fußen, die erst von gebeutelten Work-a-holics unter Schmerzen und Aufopferung zur Realität gemacht werden müssen?

Die Nachhaltigkeitsgedanken, die wir inzwischen tatsächlich schon für unsere Umwelt und unsere Ernährung aufbringen, sollten wir unbedingt auch auf unsere Existenzgrundlage ausdehnen. Es wird sich nichts ändern, wenn jeder sich alles gefallen lässt und immer wieder ein Trottel für den Vorherigen einspringt. Aber es muss sich etwas ändern.

Nachhaltigkeit im Dienstleistungssektor bedeutet Gewinne aus Investitionen und Innovation zu schöpfen, nicht aus Geschwätzblasen, Träumereien und individueller Gier.

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