Auf der Welle reiten

Die statische Welt geht ihrem Ende entgegen. Information-Overload ist zum dramatischen Schlagwort geworden, Informationen bedrängen uns geradezu überall.  Wer früher nur mit dem Tageszeitunglesen nicht hinterherkam, hetzt inzwischen Anrufen in Abwesenheit, Facebook-Statusupdates, Terminerinnerungen, unbeantworteten Emails, Twitternachrichten, RSS-Feeds und sonstigen Benachrichtungen welcher Web 2.0 Dienste auch immer hinterher. Gibt es ein Entkommen, aus der Flut?

Ganz klar: Ja.

Das Rezept beinhaltet bereits der Titel dieses Beitrages. Vor einer Welle kann man sich nicht verstecken, auch Untertauchen führt nicht zu ihrem Abebben. Sicherlich ist es wichtig, sich Auszeiten zu nehmen, sich gezielt temporär abzuschotten, um das Leben auch im privaten, familiären Bereich noch bewerkstelligen zu können, nur löst dies nicht das Problem, denn in jeder Auszeit stauen sich neue Informationen an, die für neuen Stress sorgen werden.

Man kann eine Welle nur reiten. Dabei lässt man sich mitreissen, genießt die Fahrt, so lange sie dauert, aber etwas das nie endet kann unmöglich vollumfänglich von außen beobachtet und analysiert werden.

In Zeiten vor dem Internet, vor dem Mobiltelefon haben wir uns unsere Informationen zum Konsum gezielt ausgewählt, in dem wir uns für EINE Zeitung, EINE Fernsehsendung, oder EIN Telefonat zur gleichen Zeit entschieden haben. Man hat sich selbst dazu erzogen, die verfügbaren Informationen so effektiv und vollumfänglich aufzunehmen, wie nur eben möglich. Inzwischen ertrinken wir geradezu in Redundanzen und Trivialitäten, die Selektion ist schwer bis unmöglich geworden. Hier heisst es: Mut zur Lücke beweisen! Man kann und muss nicht alles lesen, betrachten und belauschen, was das allgegenwärtige Medienangebot uns entgegenschleudert.

Das grossartige an Masseninformationen ist, dass sie sich selbst filtern. Triviales geht unter im Strom, der Einzelne darf jedoch fest darauf vertrauen, dass die Redundanz des Nontrivialen die für ihn wichtigen Informationen sicher zu ihm trägt. Man merke sich schlicht:  Wenn etwas wichtig ist, wird es von jemandem wiederholt werden, dem man sowieso zuhört. Die Information organisiert sich somit selbst, wenn man die Gelassenheit aufbringt, sich auch zu gestatten, einmal etwas zu verpassen und auf "seine Information" zu warten. Sie wird sich ihren Weg bahnen!

Ein Beispiel: Seit ich mehr als 50 Personen auf Twitter folge, ist es mir unmöglich geworden, alles, was in meine Timeline geschrieben wird, auch zu lesen. Mir fehlt definitiv die Zeit! Auch Nachholen ist nicht mehr möglich, wenn man am Ende des Tages tausende von Nachrichten verpasst hat, von denen gewiss 90 % in jeder Hinsicht irrelevant für einen sind. Ich nehme mir also bewusst gelegentlich Zeit, in den "Stream" einzutauchen und erfasse Momentaufnahmen. Sofern es relevante oder interessante  Informationen gegeben hat, finden sie sich in aller Regel in dieser Momentaufnahme wieder, oder aber mein soziales Umfeld trägt sie mir bewusst mittels einer @-Reply zu. Auf diese Weise kann ich ganz entspannt auch mal ein komplettes Wochenende weg vom Rechner, ich habe inzwischen nicht mehr die Sorge, mir entginge etwas.

Diese Wellen-Metapher lässt sich nicht nur auf Twitter, sondern auf die gesamte Informationsflut anwenden. Vorsicht nur im Berufsleben, manchmal kommt es eben doch drauf an, ALLES mitzubekommen …

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