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Austrianische Sprachschule (Teil II)

Deutschland-Oesterreich

Auch im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit den sprachlichen Unterschieden in den beiden panalpinischen Nachbarländern im Sinne einer besseren Völkerverständigung.

Im ersten Schritt soll aber an dieser Stelle etwas  tiefgründiger in die österreichische Seele eingedrungen werden, denn gegenseitiges Verständnis ist Grundvoraussetzung jedweder Kommunikation. Die (wenigen) Eigenheiten des Alpenländers führen bei den einen zu einem leicht exzentrischen Gesamteindruck, der andere bemüht den vielzitierten "Morbus austriacus" um seine Berührungsängste zu begründen. Wie man es jedoch auch immer nimmt: Der Österreicher an sich wird oftmals zu Unrecht belächelt, auch wenn er es sich oft selbst nicht zuzugeben getraut: Er ist ein vollwertiger Mensch und liebenswert, wenn man ihn erst einmal verstanden hat.

Am ehesten lässt sich das österreichische Selbstbild als "dialektisch" benennen. Offenkundig unvereinbare Gegensätze zeichnen es aus, jedoch wird der Österreicher niemals müde, diese Dialektik zu negieren: Sich einerseits stets dem großen Bruder Deutschland unterlegen zu fühlen, aber dennoch einen beinahe pathologischen Nationalstolz zu zelebrieren, schließt sich nicht aus. Der Österreicher ist halt schlicht weltoffen, bleibt aber gerne unter sich. Der Deutsche ist als Tourist (zu Recht) verhasst, als Einwanderer gefürchtet, aber man hat ihn halt lieb. Der Österreicher ist stolz ein Österreicher zu sein, aber er schämt sich eben dafür.

Wichtig zu begreifen ist noch, dass ein Österreicher niemals die Schuld trägt. Diese kann jederzeit einem anderen Österreicher aufgebürdet werden, wo sie jedoch ebenso entrüstet abprallt. Er trägt auch keine Verantwortung, konsequenterweise auch nicht für einen Erfolg. Das Schweigen eines Österreichers lässt sich am einfachsten als Zustimmung werten, alles andere führt zu nichts. Wenn ein Österreicher schweigt, schämt er sich meist, und wenn er sich schämt, dann schweigt er.

Man hat in Österreich ganz sicher die Arbeit nicht erfunden, oftmals steht man sich mit südländischem Phlegma selbst im Weg, ist aber keineswegs faul. Was getan werden muss, das wird getan, ansonsten machts ein anderer. Konflikten ist grundsätzlich aus dem Weg zu gehen. Ganz wichtig: Ohne Titel ist man als Österreicher GAR NICHTS.

Doch zurück zu den sprachlichen Tricks und Kniffen der bergüberwindenden Völkerverständigung, heute mit einem Fokus auf Redewendungen:

- "Host die faschiatn Laiberln, die gschimperten, aufn Mist g`haun, Du Wiarschtl, Du gschlamperts?"

Hier zeigt sich deutlich der bajuvarische Sprachstamm: Adjektive werden gerne als Relativsatz zu ihrer Verstärkung ausgelagert. Der Sprecher möchte sich hier bei uns erkundigen, ob wir die schimmligen Frikadellen entsorgt haben, und dass er uns für einen liderlichen, schwer ernstzunehmenden Menschen hält.

 

- "Do konnst ka Leiberl mit reissn!"

Entspricht im Wesentlichen dem deutschen "Da kann man keinen Blumentopf mit gewinnen" und beschreibt ein Vorhaben mit geringen Erfolgsaussichten.

 

- "Glei spühts Granada!"

Malerische Umschreibe der Tatsache, dass das aktuelle Verhalten alsbald negative Konsequenzen nach sich ziehen wird. Diese Redewendung begründet sich aus der ebenso begründeten Angst österreichischer Soldaten vor einem Granatenhagel.

 

- "Habe die Ehre!"

Mehrfach gebräuchlich, meist aber in verstärkender Intension nach einer gewagten Ansprache, oder in Form von "Na, hobe die Ehre!" im Sinne von "Um Gottes Willen!".

 

- "Ned deppert wern!"

Beruhigende Floskel im Eifer des Gefechts im Sinne von "Nur die Ruhe bewahren!"

 

- "Da Hearst is scho gschduabm"

Der Österreicher fordert gerne anonym adressiert zum Zuhören auf, in dem er beherzt "HEAST!?" ("Hörst Du!?") brüllt. Die adäquate Antwort darauf lautet, der "Hörst Du" sei zwischenzeitlich verstorben, was den Sprecher auf seine Unhöflichkeit aufmerksam machen soll.

 

- "Ka Göd, ka Musi!"

Die alpine Entsprechung von "Ohne Moos, nichts los". Der Österreicher weist den Bittsteller hiermit höflich darauf hin, dass er seine Leistungen und Waren nicht unentgeltlich feilzubieten gedenkt.

 

- "Do kummst ins Schwitzn wie a Fiamgöd"

Der "Göd" bezeichnet den Onkel, hier ist also der Firmpate gemeint, der ob der zu erwartenden Kosten des zu leistenden Firmgeschenks in Bedrängnis gerät.

 

- "Wer lang sudert, wird ned pudert"

Wer zu viel Zeit zum Beklagen seines Schicksals aufwändet, darf nicht davon ausgehen, alsbald Geschlechtsverkehr zu haben. Will meinen: Wer nur jammert, kommt zu nichts.

 

- "Glick is a Vogerl"

Glück ist flüchtig und wandert stets leichtfüssig vom einem zum andern.

 

- "Bessa a wocklada Staumdisch, ois a feste Hockn"

Besser ein wackliger Stammtisch, als ein fester Arbeitsplatz. Hier wird die Grundmentalität des Österreichers trefflichst beschrieben, verstärkt nur noch durch

- "Liaba an Bauch vom Saufn, ois a Buckl vom hockln"

Beide geben klar Richtung auf die beliebteste Freizeittätigkeit des männlichen Österreichers: Das Saufen.

1 Kommentar zu “Austrianische Sprachschule (Teil II)”

  1. nömix sagt:

    Ka Lercherlschas ;)
    (bemerkenswerterweise gibts in Wien 22. sogar eine "Habe-die-Ehre-Gasse".)

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