Herr Schulz und ich…
am 27. März 2010 unter Foo abgelegtEs ist eine lange Geschichte, inzwischen, die wir miteinander teilen, über jede Artgrenze hinaus. Ich bin beileibe kein Menschenfreund, noch weniger Tierfreund, von meinen Essgewohnheiten abgesehen. Es ist äusserst selten, dass ich eine Wesenheit "Freund" nenne, doch Herr Schulz muss sich das zwischenzeitlich fast täglich anhören.
Er ist etwas Besonderes, unbestritten. Für mich ist er lange Zeit der triftigste Grund gewesen, am Leben zu bleiben. Heute verdanke ich ihm schlicht, mein Glück noch erleben zu dürfen.
Wir sind im Jahre 2003. Dezember. Ich befinde mich in einer etwas beschwerlichen Lebensphase, meine Ehe ist gerade gescheitert, meine Gattin aus der gemeinsam gegründeten WG gerade ausgezogen. Ich fühle mich frei und erleichtert, doch ist ein Mangel bereits spürbar: Ich kann mich nur schlecht um mich selbst kümmern, umso besser um andere. Aber da ist gerade niemand. Meine WG Mitbewohner sind aktuell alle gut drauf, an meiner Fürsorge besteht kein Bedarf.
An einem grauen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, nicht sonderlich kalt, aber feucht und niederdrückend, verlasse ich mein Bett, zum ersten Mal seit Tagen, um einen Spaziergang zu machen. Ich war niemals der Spaziergänger, aber die besondere Situation trug besondere Früchte. So begab es sich, das ich mich in meinem neu erworbenen, finanziell völlig unhaltbaren, Sportwagen von Dormagen, meinem damaligen Wohnort, zufällig nach Rommerskirchen begab, um dort meinem irrationalen Bewegungstrieb freien Lauf zu lassen. Ich war etwa eine Viertelstunde strammen Schrittes unterwegs, bereits am Ende meiner beschränkten Kräfte (ich hatte sehr schnell 40 Kilo abgenommen, was meine Kondition seinerzeit spürbar schwächte), als aus dem knirschenden Gebüsch plötzlich ein bösartiger Wolf mir entgegensprang und mich missgünstig musterte. Ich musterte um einiges missgünstiger zurück, was mein fletschendes Gegenüber jedoch kaum beeindruckte. Sicherheitshalber mit den Händen in der Hosentasche setzte ich meinen Weg, die Zaghaftigkeit schlecht überspielend, schnittig fort. Das Untier dicht an meinen Fesseln.
