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Austrianische Sprachschule (Teil I)

Deutschland-Oesterreich

Heisst zwar auch in Österreich die Amtssprache "Deutsch", stößt jedoch der preussische Einwanderer in der schönen Alpenrepublik schnell auf Sprachschwierigkeiten, die sich nicht allein in der oftmals sehr exotischen Terminologie begründen lassen, sondern vielmals auch in einer völlig unterschiedlichen Mentalität der beiden Volksstämme ihre Ursachen haben.

Während auf syntaktischer Ebene Werke wie Ostarichi exzellente Dienste erweisen, stiftet die Semantik vielmals unbemerkt unnötige Verwirrung. Diese lose Artikelserie soll Licht ins Dunkle der österreichischen Sprachpsychologie bringen und damit ihren Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Ich mag mich in vielen Interpretationen irren und dem ein, oder auch anderen damit Unrecht tun, ich versichere jedoch in meiner inzwischen eindreivierteljährigen Erfahrung nach bestem Wissen und Gewissen vorzugehen.

- "eh kloar!" –

Eine Floskel des Österreichers, wenn ein Sachverhalt klar ist, er aber dennoch seichte Zustimmung signalisieren möchte. Kann in einer angeregteren Diskussion allerdings auch aggressiv eingesetzt werden um ein den Adressaten langweilendes Thema zu unterbrechen, oder aber um zu implizieren, dass Gegenüber halte einen selbst offensichtlich für "deppat".

- "Bassd!" –

Zustimmung bei Einverständnis zu einer Absprache, einer Gegebenheit, aber auch gegenständlich in Bezug auf das Passverhalten. Beispiele:

- "Gummst om Obend ummi?" – "Bassd!" – "Bringsd a Bier mit, Du Wirschdel?" – "Bassd!" ("Kommst Du heute Abend vorbeI?" – "Sehr gerne!" – "Bringst Du Bier mit, bitte?" – "Kann ich gerne tun!")

- "Mei Oide hod no a gonze Hüddn foi Kraud, mogst a Fassl?!" – "Bassd!" ("Meine Gattin hat noch das ganze Haus voller Krautsalat, soll sie Dir etwas abfüllen?" – "Aber gerne!")

- "Wie duast in da neichen Krochdnledarnan?" – "Basst!" ("Wie passt denn die neue Lederhose?" – "Sehr gut, Danke!")

Anmerkung: Genetisch bedingt ist es den Austrianern nicht möglich, harte Konsonanten als solche auszusprechen. So wird das "T" zum "D", das "P" zum "B" und so weiter. Man sollte sich hierüber nicht gehässig erheitern und den Österreicher wiederhold "Boargblods" rezitieren lassen, er schämt sich schnell, was nicht zu einem positiven Miteinander beiträgt!

- "Sofoad!" -

Geht der nördliche Deutsche bei der zeitlichen Angabe "sofort" von einem unmittelbaren Beginn ohne zeitlichen Verzug aus, ist der austrianische Interpretationsspielraum hier ein deutlich weiterer. Es ist in keinem Falle gesagt, dass die mit "sofoad" angekündigte Tätigkeit überhaupt jemals ausgeführt wird, in der Regel wird diese Angabe nur verwendet, um einen lästigen Bittsteller abzufrühstücken und ruhig zu stellen, auf das man seine volle Konzentration zurück zur "Jause" lenken kann.

- "Gemma ummi auf a Seital?" -

Wörtlich bedeutet dies die Einladung in einen nahegelegenen gastronomischen Betrieb um ein 0,3 Liter bemessendes Bier zu trinken. In der Praxis wird man die Kneipe erst wieder verlassen, wenn man des Stehens und Sprechens nicht mehr mächtig ist. Der Österreicher an sich geht NIEMALS auf nur EIN Bier.

Anmerkung: Das harte "T" in "Seital" ist das einzige, das tatsächlich jeder Österreicher aussprechen kann. Die Ursache dieser Anomalie ist bislang ungeklärt.

- "Hob i eh!" –

Meist als Antwort auf eine mit "Hast Du…?" gestellte Nachfrage bezüglich der Erledigung einer wichtigen Angelegenheit. Letztlich soll sie den Eindruck vermitteln, die Angelegenheit sei bereits erledigt worden, was sie aber nicht ist und auch nie wird, da der Beauftragte den Sinn nicht erkennt und sich protestfrei verweigert.

- "Wie duast in da Hockn?" -

Zumeist aufrichtig gemeinte Erkundigung über die berufliche Befindlichkeit, wörtlich übersetzt "Wie tust Du in der Arbeit?". Oftmals als Aufforderung zu wortreichen Detailerläuterungen der eigenen Arbeitsweise missverstanden, in diesem Falle aber gerne mit einem beherzten "iss eh gloar!" abgewürgt.

- "Da wiasd zum Schwammerl!"

Wörtlich: "Da wirst Du zum Pilz!". Wird im Sinne von "da wirst Du verrückt" gebraucht, meist im Zusammenhang mit Sisyphos-Arbeiten oder geistig sehr anstrengenden Tätigkeiten. Drückt die tiefe Verbundenheit des Österreichers für seine zahlreichen, heimischen Speisepilze aus, die regelrecht kultisch veehrt und dennoch in großer Stückzahl verzehrt werden.

- "Des gahd si nie aus!"

Für den Hochdeutschen unverständlich, bezeichnet dieser Ausspruch im Österreichischen den Umstand, dass etwas zeitlich oder räumlich nicht in die Vorgabe passt. Beispiele:

- "Du wüsd moagn easd odln? Des gahd si miam Weda nie aus!" (Du willst morgen erst die Jauche ausbringen? Es wird schon vorher geregnet haben!)

- "Mei Garohschn is ahnsochzge bis zua Deckn. Des gahd si miam neichen Wogn nie aus!" (Meine Garagenhöhe beträgt einen Meter achtzig. Das neue Auto wird nicht hineinpassen!)

6 Kommentare zu “Austrianische Sprachschule (Teil I)”

  1. ramses101 sagt:

    Leiwand!

  2. schwarzSicht sagt:

    “Leiwand”: Vergleichbar mit dem angloamerikanischen “AAAAAWWWWSOME!”, verwendet zum Ausdruck großer Begeisterung ob eines Umstandes, einer Person, oder eines Gegenstands.

  3. ramses101 sagt:

    Das war auch mehr Respektsbekundung als Anfrage. Ich mag ja das Österreichische und das Wienerische. Vor allem diese aus dem Nichts kommende ehrlich gefühlte Überlegenheit, die einen nur entwaffnen kann. Etwa wie bei Peter Wehle in "Österreichisch: Das deutschere Deutsch." (Aus dem sehr empfehlenswerten Buch "Sprechen Sie Wienerisch?")

  4. dieJulia sagt:

    Paaaaaaaßt!
    Kleine lokale Unterschiede gibt es dann aber doch (Ganz Gallien?…)
    Der Osthälftenösterreicher spricht das Seidl nämlich aus wie
    "Seeee(i)(d)l"
    Also mit einem langgezogenen, sehr nasal ausgesprochenen "e(i)" und einem nur marginalst angedeuteten "d" vor einem schwelgerisch zelebrierten "lll".
    Der urbane Imperativ "Heast, Oida, im Fünftn hod a neiche Hittn aufg'macht – gemma auf a Seidl" bedeutet dann aber ebenfalls nicht die Anregung, ein gepflegtes kleines Bier trinken zu gehen, sondern eher ein paar in sich hineinzuschütten. Große.

  5. admin sagt:

    Ich bitte um entschuldigung für die verspätete Freischaltung, aber sie sind in meiner Spamliste gelandet. Habe Sie natürlich sofort wieder von dieser entfernt, denn Sie haben ja so Recht!

  6. Steve sagt:

    Das war auch mehr Respektsbekundung als Anfrage. Ich mag ja das Österreichische und das Wienerische. Vor allem diese aus dem Nichts kommende ehrlich gefühlte Überlegenheit, die einen nur entwaffnen kann. Etwa wie bei Peter Wehle in “Österreichisch: Das deutschere Deutsch.” (Aus dem sehr empfehlenswerten Buch “Sprechen Sie Wienerisch?”)

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