Das Prinzip Volksverarsche (Teil I)

Die Erkenntnis, das ein Volk geradewegs verarscht werden muss, stammt nicht originär von Politikern, denen man nur zu gerne die Schuld für alles Schlechte zuschiebt, nein, diese Erkenntnis ist bedeutend älter und eine logische Konsequenz der menschlichen Natur und den Wirtschaftsinteressen einzelner, weniger humanistisch ausgelegter Persönlichkeiten.
Doch man beginne am Anfang.Wir, die "Mitglieder einer modernen Zivilisation" klopfen uns gegenseitig die Schultern blau, ob der Überwindung der Sklaverei, der Befreiung von der Lehensknechtschaft und unserer "aufgeklärten", "humanen" Umgangsformen untereinander. Nur zu gerne lassen wir dabei die Realität aus dem Sinn, denn frei sind wir alle nicht, die wir nicht freier Unternehmer sind und selbst zu Knechten in der Lage.
Existenzängste begründen sich in westlichen Zivilisationen heutiger Tage nicht mehr auf den Verlust des Lebens selbst, sondern auf die Einbuße von Lebensqualität. Mach einer ist eher bereit zu sterben, als in Armut leben zu müssen. Wir werden nicht mehr von Diktatoren unterdrückt, die uns androhen uns zu ermorden, unsere Unterdrückung geht einzig vom Kapital aus. Unsere "Strafe" für zivilen Ungehorsam ist nicht Folter im physischen Sinne, uns nimmt man einfach den Flachbildfernseher, den C-Klasse Mercedes und den Rinderbraten am Wochenende.
So kommt es dann auch, dass die offiziellen Führer unserer Gesellschaft zu Marionetten verkommen sind, ihre Menschlichkeit sich einzig dem Kapital unterordnet und eben die Lenker und Leiter der Geldflüsse über die Schicksale des Pöbels bestimmen.
Das Prinzip ist sehr einfach: Wer bereits über Mittel verfügt, vermag diese zu ihrer Mehrung einzusetzen. Wer nicht, nicht.
Wir unterscheiden dabei zwischenzeitlich eine Vier-Klassengesellschaft:
01. Die Kapitalgeber
An Spitze der Verdummungspyramide, als primäre Operatoren und Schicksalsmächte, stehen eben jene, die frei verfügbares Kapital ererbt oder erstohlen haben. Rechtmäßig ist schwerlich an Kapital zu geraten, denn die oberste Kaste teilt gewissenhaft unter sich auf und wacht mit Argusaugen auf durch sie kontrollierten Kapitalfluss. Ihre finanziellen Mittel setzten sie ausschließlich dazu ein, mittels Druck, Manipulation und Verdummung aus niederen Individuuen noch mehr Kapital zu pressen. Humanistische Ideale dienen Kapitalgebern ausschließlich als Fassade, hinter welcher sie ihre menschenverachtenden Geschäfte treiben.
02. Adjutanten und Mäträssen der Kapitalgeber
Sie scharen sich, im vollen Bewusstsein der Schlechtigkeit ihrer Mäzenen, um einen Kapitalgeber, erfüllen delegierte Managementaufgaben für sie und halten sie bei Laune. Dafür werden sie mit überdurchschnittlichem Wohlstand entlohnt, der sie jedoch niemals dazu befähigen wird, selbst zu einem Kapitalgeber aufzusteigen, es sei denn, sie träten eine bewilligte, direkte Nachfolge an. Diese Klasse knechtet und wird selbst geknechtet, ist aber hinreichend mit Luxusgütern narkotisiert, nur selten rürt sich noch ihr Gewissen.
03. Leistungserbringer
Der vielgerühmte Mittelstand. Auf ihren Schultern wird die Welt getragen, ihre Anstrengungen mehren den Reichtum ihrer Kapitalgeber. Dafür hält man sie am Leben, nicht ohne jedoch ihre Ängste zu schüren, das dieser Zustand nicht von Dauer sein müsse. Sie werden verbrannt, sind jedoch noch in großer Zahl glücklich dabei, denn sie dürfen sich für etwas besseres halten, schließlich gibt man ihnen Flachbildfernseher und C-Klasse Mercedi. Auch Arbeiter gehören zwischenzeitlich diesem Stand an, denn auch sie führen heutzutage ein Leben in gemäßigtem Wohlstand.
Ein gesundes Mittelmaß aus Zuckerbrot und Peitsche hält diese Mittelstandsmaschinerie am Laufen, der geschickte Adjutant vermag seine Lohnsklaven in einem Ausmaß zu beschäftigen, dass sie gerade nicht zusammenbrechen, ihnen aber auch keine Zeit und Kraft mehr für einen klaren Gedanken bleibt.
Dem Mittelstand wird das gute Gefühl gegeben, das sein Werk einen Sinn erfüllt, denn er darf alleine für die Belange der vierten Klasse aufkommen.
04. Leistungsempfänger
Grundsätzlich aus Gründen der persönlichen Gesundheit, oder aber aus sozialer Ungerechtigkeit nehmen diese Menschen nur bedingt am Wirtschaftssystem teil. Sie konsumieren, ohne zu leisten. Im Wesentlichen gleichen sie damit auffallend den Kapitalgebern und Adjutanten, denn auch sie investieren die Mittel der Leistungserbringer, welche diese ansonsten nur sinnlos verspart hätten, zurück in den Kreislauf und erwerben Wirtschaftsgüter wie Bier, Schnaps und Zigaretten vom Kapitalgeber. Über die Leistungsempfänger stellt der Kapitalgeber sicher, dass niemals ein Leistungserbringer selbst Kapital aufbauen und damit zur Konkurrenz werden könnte.
Objektiv betrachtet ein in seiner Perfektion und Ausgewogenheit geradezu kosmisch schön anmutendes Gesellschaftskonstrukt.
Nach den Grundlagen, beleuchten wir im zweiten Teil die Prinzipien der Konzernwirtschaft etwas detaillierter und kreieren ein bereits dagewesenes Alternativmodell, das jedem Grossinvestor den Angstschweiss in die gepuderten Achselhölen treiben wird.