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Shure SE530 PTH – Amateurreview

Seit rund zwei Wochen habe ich ihn auf den Ohren. Inzwischen habe ich eine Meinung, die ich auch vertreten kann.

Ich muss gestehen, ich bin äussert schwierig, was Kopfhörer angeht. Zwar verfüge ich über eine musikalische Vergangenheit und traue mir auch zu, Klang nicht völlig unbedarft zu beurteilen, aber ich bin kein Profi. Ich bin nur, wie die Perle sagt, einer der kritischsten Menschen überhaupt.

Nach meiner Supergünstigbestellung aus den USA habe ich rund zwei Wochen auf den Moment des Auspackens gewartet, fieberhaft. Als er endlich da war, präsentierte sich die Verpackung primär wie die eines ganz gewöhnlichen Kopfhörers, nur größer:

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Nach dem Abpellen des Umkartons präsentiert sich eine geradezu verbissen auf edel getrimmte Metallschachtel, matt und griffig:

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Was so hochwertig daherkommt, erweist sich jedoch als zweifelhaft: Die Blechdose ist teilweise scharfkantig, ungenau gearbeitet und im Prinzip völlig überflüssig. Ein wenig verwunderlich ist auch der Aufwand, der nach erstmaligem Auseinanderziehen für ein erneutes Zusammenfügen erforderlich wird. Da passt nichts mehr zusammen.

Ist die frickelige Dose erst einmal mühsam zerlegt, präsentiert sich der kostbare Inhalt:

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Erschreckt war ich offen gestanden über die tatsächlichen ausmaße des PTH (“Push to hear”) – Moduls.

Unter der ersten Lage verbergen sich eine ganze Batterie an Kabeln, Ohrstöpfseln, Grillanzündern und eben eine Batterie. Das PTH-Modul bedient sich einer handelsüblichen AAA als Stromquelle.

Aufgrund der stark divergierenden Ergebnisse der beiden Komponententests, erscheint es sinnvoll, beide auch völlig getrennt zu betrachten. Wir beginnen mit dem

PTH-Modul, iPhone-Adapter und beigelegten Erweiterungskabeln

Klobig ist es. Und schwer. Was auch der überaus borgoisen Stromversorgung mittels einer Standardbatterie zu schulden ist. Nachdem man sich also leidlich mit den unglaublich gigantischen Ausmaßen angefreundet hat, stört als nächstes die idiotische Kabelführung: An der Unterseite des PTH-Moduls verlassen die Kabel für Input und Output das kapitale Gehäuse in die gleiche Richtung. Das soll vermutlich dazu führen, das man das Gerät amulettartig auf der Brust trägt, doch dazu ist es zu schwer. Und zu hässlich. Der Output-Anschluss befindet sich am extern ausgeführten Mikrophon. Somit verfügt die Apparatur bereits über zwei massive Knubbel, wo es auch einer getan hätte. Es macht wenig Sinn, das eigentliche Modul auf der Brust zu tragen, wenn das Mikrophon noch einmal zusätzlich oberhalb befestigt werden muss.

Zur Funktion:

“Push-to-Hear” trifft die Realität nicht ganz. Um die aktuell übertragenen Signale auszublenden und den Mikrophon-Input zu übertragen muss vielmehr ein schwergängiger, billig und wenig haltbar anmutender Schiebeschalter betätigt werden. Zur Mikrophonlautstärkeregelung ist seitlich ein Rad angebracht, das jedoch derart tief versenkt wurde, das es fast nicht ohne Zuhilfenahme spitzer Werkzeuge zu bedienen ist. Schwachsinn!

Der Klang über das Mikrophon ist erbärmlich dünn, Sprache ist jedoch durchaus verständlich. Allerdings führt eine Berühung irgendwo an der Kabelkonstruktion zu lauten, teils schmerzhaften Knack-, Scharr- und Knarzgeräuschen. In Bewegung somit praktisch unbenutzbar.

Während das zusätzlich zu erwerbende iPhone-Telefonkabelstück (Freisprecheinrichtung) mit dem einzig angebrachten Knopf die Option bietet, die aktuelle Wiedergabe zu pausieren, ist dies mit dem PTH-Modul nicht möglich. Die Wiedergabe wird zwar ausgefadet, läuft aber weiter. Beide lassen sich durchaus gemeinsam betreiben, allerdings schleift man inzwischen schon gut zwei Meter Kabel mit sich rum.

Beide Gerätschaften bieten nicht die Option, die Lautstärke der Audiosignalübertragung zu regeln. Aber auch dafür liegt ein Kabel samt Regler bei, zusammen ergibt dies denn bereits eine Kabellänge von ungefähr 2,20 Meter.

Fazit:

Das PTH-Modul entspricht keinesfalls dem heutigen Stand der Technik. Zu gross, zu blechern, zu unhandlich. Bestenfalls stationär zu gebrauchen. Unverständlich, wieso eine Freisprecheinrichtung und Lautstärkeregelung nicht bereits hier integriert wurden, Platz genug wäre allemal.

Der iPhone-Adapter ist brauchbar, er tut, was er soll. Selbst die Sprachsteuerung des iPhone OS 3 lässt sich auslösen. Schmerzlich vermisst wird lediglich eine Lautstärkeregelung im Adapter selbst.

Der Lautstärkeregler ist ein einfaches Poti, die Funktion tadellos. Allerdings bleibt unverständlich, wieso es sich hierbei um ein eigenes Stück Kabel handeln muss. Die Funktionalität hätte durchaus auch gleich ins PTH- oder iPhone-Modul integriert werden können.

Der Kopfhörer selbst

Das kupferfarben hochglanzlackierte Kunststoffgehäuse sieht schick und edel aus, lässt aber die Befürchtung abplatzenden Lacks aufkommen. Nach zwei Wochen hartem Alltag ist davon allerdings noch nichts zu vermelden.

Es ist wirklich nicht ganz einfach, aus der umfangreichen Auswahl das persönlich beste Ohrpassstück auszuwählen. In meinem Falle erhalte ich mit dem mittleren Memoryschaum das beste Klangergebniss, doch die mittleren Silikonkapseln sind im Handling deutlich angenehmer. Also eine Frage des Geschmacks und der jeweiligen Einsatzsituation.Letzlich fügt sich aber das auf den ersten Blick ebenfalls gross anmutende Gehäuse absolut ergonomisch ins Ohr ein. Auch ein Auf-der-Seite-liegen ist problemlos möglich.

Zum Klang: Definitiv State-of-the-Art. Ich habe niemals etwas besseres gehört, das nicht einen halben Raum füllt und die Anschaffungskosten eines neuen Kleinwagens übersteigt. Brillianz in allen Frequenzen, eine nicht für möglich gehaltene Klarheit und Differenzierung, Raumklang auf kleinstem Raum. Man hat tatsächlich das Gefühl, einzelne Instrumente “orten” zu können. Man fühlt sich zu jederzeit in den Mischpultraum eines High-End-Studios versetzt. Es werden Töne hörbar, die man auch bei bestens bekannten Aufnahmen zuvor niemals bemerkt hat. Vorausgesetzt, die Aufnahmequalität stimmt. Wirklich gut aufgenommene Titel füllt dieser Hörer ab einer MP3-Rate von 256 kbit mit echtem, warmen, alles durchströmenden Leben, schlechte Aufnahmen, oder kaputtkomprimierte MP3s  klingen hingegen bemerkenswert tot.Der kostspieligste Shure macht allerdings wirklich immer das Beste aus der vorhandenen Aufnahme. Auf billigeren Hörern klingt letzlich alles tot, auf diesem nur das wirklich Tote.

Fazit: Für teures Geld erhält man eine geradewegs grandiose Klangqualität, an Natürlichkeit, Ausgewogenheit und dennoch an Genauigkeit kaum zu überbieten. Die Stöpsel sind für den anspruchsvollen Hörer definitiv jeden Cent wert, allerdings kann auf Zubehör wie PTH getrost verzichtet werden.

Ich würde ihn wieder kaufen und bin absolut glücklich, endlich einen In-Ear gefunden zu haben, der mich nicht unbefriedigt im Sound-Brei sitzen lässt, sondern alles aus meiner Musik herausholt.

1 Kommentar zu “Shure SE530 PTH – Amateurreview”

  1. Sono sagt:

    Wirklich schön geschrieben.

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