Antikmotorisiert
Irgendwo auf meinem alten, inzwischen verblichenen Blog hatte ich ja bereits einmal die Freuden geschildert, die mir mein Mitsubishi Space Wagon, ausgerechnet zum Zeitpunkt meiner Auswanderung, zu bereiten vermochte. Heute, nach knapp einem weiteren Jahr, tritt er nun den endgültigen Ritt über die automobile Regenbogenbrücke an und hinterlässt einen mehr als schalen Beigeschmack an meiner ehemaligen Überzeugung von japanischer Automobilqualität…

Der Herr des Blechs habe ihn seelig.
Nachdem er 2008 mit einem Motorschaden liegenblieb, der allerdings kostengünstig (2500 Euro) “repariert” werden konnte, nur um gleiches nur 260 Kilometer später erneut zu statuieren, spendierte ich diesem hochzweckmäßgen Familienfahrzeug mit ökonomischem Verbrauch um 14 Liter Super Plus noch seine Austauschmaschine, nach 145 000 Kilometer eigentlich eine Schande. 20 000 Kilometer später hat es nun das Getriebe zerrissen.
Und nein, ich habe ihn nicht kaputtgeheizt. Trotz des Chiptunings um 30 PS auf 180 bin ich stets pfleglich mit diesem Fahrzeug umgegangen. Zuvor hatte er eigentlich nie Probleme gemacht, einmal gabs einen Auffahrunfall in Düsseldorf, da der Minivan dummerweise exakt die gleiche Spurbreite wie die dortige Straßenbahn besaß, was mir bei einem Fahrbahnwechsel bei regennasser Fahrbahn zum Verhängnis wurde. Ausgerechnet jetzt, wo ich endlich ein “Familienfahrzeug” dringend benötige, geht er als wirtschaftlicher Totalschaden von mir. Arschlochauto.
Was also tun? Nach einem Hauskauf und dessen Renovierung komplett abgebrannt, muss mal ein mindestens riesiger Kombi her. Zwecks Hundsgetier ist Leasing eines Neufahrzeuges schwachsinnig. Der Große steigt einmal ein und mindert damit den Wert um 5000 Euro.
Nach umfassender Recherche, reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen, das zu tun, was ich schon früher hätte tun sollen: Einen uralten, abgeranzten Diesel-Benz kaufen. Für diesen habe ich mich entschieden:

Ein W124 300td turbo automatik. 18 Jahre alt, mit 300 000 km auf der Uhr, also gerade mal eingefahren. Ohne Schnickschnack, ohne Extras, was nicht vorhanden ist, wird auch nicht kaputt gehen. Das sechzylinder, turbounterstützte Dieselaggregat mit 147 PS brüllt noch wie ein Löwe, respektive schnurrt wie eine am Bauch gekraulte Hauskatze. Je nach Belastung. Mit definitiv allen typischen Mängeln dieser Baureihe (Karosserierost, geplatzte Sitze, hängende Fenster, etc….) fährt er sich allerdings immer noch wie ein Neuwagen. Zumindest deutlich besser als ein 10 Jahre alter Japaner.
Der Händler wollte 1900 Euro dafür, erklärte sich aber bereit das Pickerl (TÜV) mit allen dazu nötigen Reparaturen zu übernehmen, die Kiste zu entrosten und Mängel wie knarzende Türen, hängende Fensterheber und ölende Hydraulikleitungen (von der Niveauregulierung) zu beheben. Inklusive 12 Monate Gebrauchtwagenmobilitätsgarantie.
Nach einem “intensiven” Gespräch überlässt man mir das Fahrzeug für 950 Euro. Sollte die Kiste nach einem Jahr noch immer verkehrstauglich laufen, werden nochmals 950 Euro fällig. Das nenne ich fair. Oder bescheuert.
Nachdem das Auto heute erstmals vom Mechaniker begutachtet wurde und anscheinend Teilekosten von rund 2000 Euro anfallen, um die Plakette zu bekommen, hat man versucht, den bereits beiderseits unterzeichneten Kaufvertrag, der alle zugesagten Leistungen explizit aufführt, rückgängig zu machen. Aber ich bin ja nicht blöd…
Mit 8 Litern Durchschnittsverbrauch, wobei es fast egal ist, was man reinschüttet (der läuft mit Diesel, Biodiesel, Salatöl und altem Frittenfett), ist dieses Automobil beinah “wirtschaftlich” zu nennen.
Nächste Woche dann also: Fahrbericht.