Archiv des Monats August 2009

Gier

am 26. August 2009 unter Textblech abgelegt

langsam,
kriechend,
immer schneller,
immer schärfer zieht die Gier
vom Nagelbett des kleinen Zehs
das Bein hinauf durch das Gesäß
In Bauch und Magen, kurzes Weilen
Dann weiter ohne Gnade, geradewegs den Hals hinauf
Es sammeln sich am Zugengrund ganz üble Säfte ungesund
IST das Gehirn dann bald erreicht, gibt’s kein Vermeiden, viel zu spät
DIE GIER steigt auf zur Raserei, es tobt die Sucht und trampelt wütend
DEN REST VERNUNFT zu Einerlei.

Vater werden ist nicht schwer…

am 14. August 2009 unter Foo abgelegt

.. zu sein eigentlich auch nicht. Aber man lernt mehr, als man sich selbst mitunter zugetraut hätte. Vor allem so einiges über die eigene Selbsteinschätzung.

Es ist, wie man gesagt bekommt, man aber nicht zu glauben in der Lage ist: Es ändert sich alles, wenn Mann Vater wird. Ich, der ich “alles gesehen zu haben” glaubte, hatte einen Dreck. Ich mag dutzende Geburten fremder Frauen aufmerksam audiovisuell verfolgt haben, die der eigenen Tochter ist etwas vollumfänglich anderes. Die eigene Herzdame leiden zu sehen, schreien zu hören, um sie zu bangen, das hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Gefühl zu tun, diesem Vorgang bei einer Dahergelaufenen beizuwohnen.

Es waren definitiv die ergreifendsten, emotional labilsten, trotz Untätigkeit anstrengendsten fünf Stunden meines Lebens. Und die mit dem besten Ende je.

Sein eigenes Kind als Vater nach der Entbindung erstmals zu sehen, auf den Arm zu nehmen, zu riechen, zu schmecken, in den Schlaf zu wiegen, nachhause zu geleiten, zu wickeln, zu kuscheln und einfach zu fühlen ist an Eigenartigkeit kaum zu überbieten. Die warmen Oxitocinwallungen sind von Anfang an da, aber mit jeder Sekunde des Zusammensein wächst da ein Gefühl des unbedingten Verbundenseins immer wieder über sich hinaus.

Marie kam am 09.08.2009 um 20:37 Uhr auf die Welt. Seither ist die meine eine gänzlich andere. So neu sich all das anfühlt, der Stress, der aus dem simplen Anliegen, einkaufen zu gehen entsteht, die Anstrengungen, so ein kleines, schutzloses und absolut auf einen angewiesenes Wesen zu umsorgen und bei Wohlbefinden zu halten, so endgültig sinndefinierend wird Mann belohnt.

Wenn ich Mutter und Kind nur ansehe, weiss ich, wo mein Platz ist. Und was meine Aufgabe. Und ich bin unendlich dankbar dafür.

Mehr Worte habe ich an dieser Stelle nicht. Aber sie sollten ausdrücken, was ausgedrückt werden muss.

Zwischen den Welten

am 05. August 2009 unter Foo abgelegt

(Genevieve Wiese – “Wanderer zwischen den Welten”)

Nachdem meine Keimung in der neuen Rolle, nach Metamorphosis zum Grundbesitzer mit Familienvaterambitionen, erfolgreich verlaufen ist und ich erste Wurzeln in meiner Existenz als Kleinbürger geschlagen habe, lässt der abschließende Schritt zur Spießbürgerwerdung im klassischen Sinne aktuell noch auf sich warten.

Vor neun Tagen hätte meine Tochter, nach moderner, medizinischer Berechnung, das Licht der Welt erblicken und mich, in einen emotionalen Rausch der Väterlichkeit einlullend, von jeglichen Existenz- und Zukunftsängsten ablenken sollen. Doch das kleine, ungeborene Menschlein hatte andere Pläne und lässt die verständlicherweise ungeduldige Perle und mich lieber in einem Zustand “zwischen den Welten” schmoren. Zur Persönlichkeitsstärkung, vermutlich. Zu unserer Persönlichkeitsstärkung.

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