Abschiede

Manchmal im Leben geraten wir an Wendepunkte, an denen eine Entscheidung getroffen werden muss. Meist haben wir die Wahl, ob wir weiter wie bisher gegen Wände rennen, unsere Beulen pflegen um nur wieder von vorne zu beginnen, oder ob wir abkehren und in einer ganz anderen Richtung weitergehen.

Ein Richtungwechsel, ein Zurücklassen des Altbekannten, des lieb gewonnenen, dessen was einem in seiner Vertrautheit ans Herz gewachsen ist, erfordert immer ein gerüttelt Maß an Bereitschaft zum Schmerz, einen gewissen Mut und es ist fast immer mit Wehmut verbunden. Aber das Leben ist einfach zu kurz, aus reiner Bequemlichkeit und Verlustangst an Postionsmarkern der eigenen Lebenslinie zu verharren, statt weiter zu ziehen und Neues zu entdecken.

Für mich begann der 01. Mai diesen Jahres mit einer solchen Entscheidung. Schweren Herzens habe ich mich von einem Projekt getrennt, welches lange Jahre für mich viel Arbeit, viel Idealismus, viel Freude und viel Leid bedeutet hat.

Ich lasse eine Community mit Menschen zurück, die mir über die Zusammenarbeit, aber auch über die gemeinsamen Freizeitgestaltungen, wenngleich oft auch nur virtuell, zu wahren Freunden geworden sind. All die Gefahren, denen wir uns gemeinsam ausgesetzt haben, all die Probleme und Stolpersteine, die wir gemeinsam aus dem Weg geräumt haben, all der Hass, der uns für unser tun entgegengebracht wurde, das alles hat uns irgendwie zusammengeschweisst.

Um so ätzender frisst sich das Bewusstsein,  das letztlich persönliches Geltungsbedürfnis, Egoismus und verletzte Eitelkeiten jedwede Menschlichkeit verbannt haben, in eine Seele, wenn man spürt wie die Schweissnähte reissen. Vertrauen, in dessen Hand man die Sicherheit seiner wirtschaftlichen Existenz gelegt hat, erweist sich irgendwann immer als Trugschluss. Menschen sind einfach nicht vertrauenswürdig, zu viele Bedingungen ändern sich ständig, wie diejenigen, die sie stellen, und am Ende ist sich jeder selbst der Nächste.

Wer Hass bewusst und gezielt als Mittel der Politik säht, blickt irgendwann selbst in seine hässliche Fratze. Nämlich immer dann, wenn die Saat zu einem zurückkehrt und sich hämisch gegen einen selbst richtet. Unbegründete Vorwürfe und Verdachtsmomente, so sehr sie auch von der eigenen Persönlichkeit abzuprallen scheinen, hinterlassen doch ihre Spuren, beeinträchtigen die struktuerelle Integrität des Seelenheils.

Irgendwann dann stellt sich einfach die Frage, für wen oder was man da horrende Risiken einzugehen bereit ist, landet bei einer schnöden Kosten-/Nutzenrechnung und zieht schließlich die erforderlichen Konsequenzen. Für wahre Freunde war ich mein Leben lang bereits alles zu tun, jedes Risiko einzugehen. Doch nicht für hinterfotziges Lumpenpack.

An diesem Wochenende ist auch mein ehemals fester Glaube an die Demokratie, an die informationelle Selbstbestimmung und die Selbstregulierung sozialer Strukturen, seien sie nur vielfältig genug, einen qualvollen Tod gestorben. Bedauerlicherweise bestätigt dies meine misantrope These, das der Mensch aus generalisierter Perspektive nichts als ein dummes Arschloch ist.

Dem sollte Rechnung tragen, wer sich mit ihnen einlässt, den teuflischen Artgenossen. Präpariert ist immer der am besten, der nichts erwartet, denn ihm werden Enttäuschungen erspart.

Nicht zuletzt hat mein Real-Life-Provider die AGBs verschärft. Risiken, die ich auf mich nehme, betreffen lange nicht mehr nur mich selbst. Da stellt sich die Frage, für wen, oder für was man diese letztlich auf sich nimmt um einiges schärfer. Dafür, belogen und hintergangen zu werden, jedenfalls trage ich sie nicht mehr.

Auf zu neuen, unbekannten Horizonten. Im Netz allein. Sonst nicht.

1 Kommentar zu “Abschiede”

  1. C. sagt:

    Danke, Alda. Hatte ein Jahr lang viel Spass, habe herzlich gelacht und auch ein paar Dinge gelernt.
    Vielleicht läuft man sich in diesem Leben noch mal über die Socken.
    Mach’s gut !
    C.

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