Verreck 2.0

Den Sinn eines Blogs meine ich inzwischen verstanden zu haben. Das gehört ja nun auch zu Web 2.0, wenn ich mich nicht irre, weil man da mit seinen Lesern “interaktiv” werden kann (was sich beinahe schon ein wenig schmutzig anhört – kackdrauf, ists ja auch!). Aber bis heute vermag ich nicht zu begreifen, für was ich nicht themengebundene “Social Networks” benötige. Ich begreife es einfach nicht!
Wikis hingegen habe ich wieder begriffen, Fotocommunities nicht, Videoportale wieder schon. Hinsichtlich des Twitterns befinde ich mich noch immer in einer experimentellen Phase, sofern ich mich dazu überwinden kann, meinen Stumpfsinn dergestalt komprimiert von mir zu geben.
Letztlich, und so offen sollte man schon sein, geht es doch nur um eines: Aufmerksamkeit. Ein wenig aus der Masse hervorstechen, sich der Mitwelt als der Hecht (oder genderistisch: “Die Forelle”) zu präsentieren, der (“die”!) man gerne wäre. Wieso sonst sollte man sein Privatleben derartig obszön vor einer riesigen Masse unbekannter und zu 99 % völlig blödsinniger Artgenossen ausbreiten wollen? Ist es die Einsamkeit im Privatleben, in welche das Individuum durch die vorherrschende Leistungsgesellschaft gezwungen wird?
Blogs sind da ja noch ein Sonderfall, viele nutzen diese nicht nur zur persönlichen Aufplusterung, sondern als künstlerische Ausdrucksform, intellektuelle Plattform des Austauschs oder als Möglichkeit, den Fluch des journalistischen Miteilungszwangs schadlos abzubauen. Letztlich bieten sie ihren Mitmenschen auch einen Wert: Unterhaltung, Information, Kommunikation.
Aber was macht das Individuum auf einer mySpace-Seite? Facebook? Wer-kenn-Wen? Ich begreife das nicht. Ich habe alles ausprobiert und noch immer nichts verstanden.
Auf wer-kennt-wen regiert zweifelsfrei das geistige Proletariat. Wenn jemand gerade so lesen und schreiben kann und er nach der Frühschicht bei der Stadtreinigung, oder wenn der Friseursalon geputzt ist, noch Energien übrig hat, dann melde er/sie/es sich hier an und habe meinethalben seinen/ihren/? zweifelhaften Spaß der Verblödung daran.
Versuchsaufbau: Man infiltriere mit einem gefakten Profil Themengruppen auf WKW und äußere dort eloquent eine dem Thema ablehnend gegenüberstehende These oder Meinung.
Ergebnis: Schneller kann man gar nicht schauen, wie der Mob nach Zensur, Polizei, Gefängnis, Folter und Hinrichtung schreit. Da rufen Menschen (oder ähnliches) unter Angabe ihres vollen Namens, samt Geburtsdatum (wer weiss, von wem man was kriegt!?) zum Mord auf. Bedienen sich faschistoider Methoden, treten offen für die Abschaffung der Meinungsfreiheit ein. Und merken nicht einmal etwas dabei. Eine derart beängstigende Anzahl von Vollidioten und Asozialen, wie auf WKW, ist mir tatsächlich noch nirgends untergekommen.
mySpace begreife ich einfach nicht. Ich bin keine Rotz- oder Poppband, und auch keine gewerbliche Prostituierte. Wozu also benötige ich eine kostenlose Litfassäule unter meinem Namen im Internet? Was macht man damit?
Facebook ist im Prinzip das gleiche wie Wer-kennt-Wen, nur ohne User. Dementsprechend kann ich dort auch niemanden wegen seines erbärmlich kleingeistigen Neuronenfriedhofs zwischen den Ohren verhetzten. Irgendwie kann man dort auch alles machen, sich exibitionieren, schreiben, pöbeln, musikkrächzen. Macht nur wenig Sinn, wenns niemand mitbekommt.
Dann gibts da noch diese diversen VZs. Aber die sind sowieso als Bauernfänger gedacht, die Material für den Adresshandel in großem Stile heranschaffen. Meist von Minderwertigen. Äh, … Minderjährigen. Tschuldigung.
XING sehe ich noch ein. Begreife ich zwar auch nicht ganz und kenne auch niemanden, der sich darüber tatsächlich beruflich verändert hätte, aber bitte, das macht Sinn!
Ähnliche Seiten gibts dann noch für Seitenspringer (Vorsicht: Nur unter Nicknames und OHNE Foto registrieren, liebe WKW-User, gelle?), irgendwie sexuell schwerst Fixierte und was weiss ich noch für einen Vereinmeiereischeiß.
Ach, leck mich doch am Arsch. Ich bin zu alt für den Dreck. Zwar neugierig, aber einfach zu alt. Ich halte ja auch Email noch für ein modernes Kommunikationsmittel. Bitte erschieß mich wer.