Verkleingärtnerung

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Hätte mir noch jemand vor zwei Jahren erzählt, dass ich heute als Kleinpatchworkfamilienvater mein bankfinanziertes Eigenheim bezöge, ich hätte nicht mehr als ein schiefes Grinsen zwischen zwei Bier für ihn übrig gehabt. Doch die Zeiten ändern sich, mit ihnen die Bedürfnisse, Wünsche und Ziele.

Seit rund neun Monaten bin ich nun in Österreich, Nachwuchs ist unterwegs und die bisherige Wohnung war von Anfang an zu klein, für drei praktisch ausgewachsene Menschen und zwei wirklich dumme Hunde. Man tritt sich ständig gegenseitig auf die Füße, niemand hat wirklich die Möglichkeit, sich auch einmal zurück zu ziehen, die Lärmbelastung aus der Kanzlei oben drüber und von der Straße tun ihr übriges.

Im vergangenen Jahr bin ich bereits zwei Mal umgezogen, habe zwei neue Jobs begonnen und mich drei Mal in komplett neue Tätigkeiten eingearbeitet. Als ehemals eingefleischter Eremit bin ich nun fast ununterbrochen von zwei überaus lebhaften, jungen Damen umgeben, die ihr Recht auf meine volle Aufmerksamkeit auch regelmäßig einfordern

Das Wort “Burn Out” ist zu einem erschreckend realen Terminus in meiner persönlichen Denkssphäre geworden. Oft genug sehe ich mich einem bislang nicht gekannten Ausmaß an geistiger Erschöpfung gegenüber, das mir nicht mal mehr das Fassen auch nur eines klaren Gedankens erlaubt. Meine Hobbies und Interessen sind fast vollständig dem chronischen, allesüberschattenden Zeitmangel zum Opfer gefallen, Ausgleich zu Job und dem räumlich stark komprimierten Familienleben schlicht nicht realisierbar.

Doch nun ist es vollbracht. Nach rund acht Monaten Suche, fünf davon intensiv, haben wir am vergangenen Freitag den Vorvertrag zum Kauf obigen Anwesens unterzeichnet. Mit seiner Hanglage in einem kleinen Kaff bietet die “Liegenschaft” einen grandiosen Ausblick über das Tal und die Ruhe, derer ich aktuell so nötig bedarf. Im Untergeschoss besteht die Möglichkeit, mir ein Büro einzurichten, in dem ich ungestört arbeiten und mich auch einmal zurückziehen kann. Ich habe beim besten Willen keine Ahnung, wie intensiv ich davon Gebrauch machen werde, allerdings ist die reine Möglichkeit dazu schon überaus wohltuend und beruhigend.

Nach nur kleineren Renovierungsarbeiten ist das im Obergeschoß ganz frisch sanierte Gebäude bezugsbereit, nach einem letzten Umzug dann also im April wird Lebensqualität ganz neu definiert: Grillexzesse im eigenen Garten, unproblematischere Hundehalterei, eine Traumküche und ein königliches Bad, “sein eigener Herr sein”, entspannen am Wochenende, Basteln, Jähten und Heimwerken, Feste veranstalten, wann, wielange und wie laut man will, Nachbarschaftstratsch, ein gesundes und sicheres Umfeld für den Nachwuchs, eben alles genau so, wie man sich die Realisierung einer Wunschliste eines ausgemachten Spießers vorstellt…

Licht am Ende des Tunnels. Zwar eine Viertelmillion ärmer, aber glücklich.

2 Kommentare zu “Verkleingärtnerung”

  1. dieJulia sagt:

    Wow. Ich gratuliere!

  2. Vizekönigin sagt:

    Sehr schön, herzlichen Glückwunsch!

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