Tussi-Ness

Wellness ist die kostspielige Entspannung wohlstandsbekloppter Berufstussen von der Entspannung. Wenn Trägheit im persönlichen Luxus-Domizil zu langweilig wird, ist die fremdernährte Frau von heute gezwungen, es sich gegen des Gatten Bares in einem Wellness-Hotel fremdbesorgen zu lassen. Während sie der Trägheit frönt. Versteht sich.
Regelmäßige Wellnessreisen sind ein MUSS für die wohlständige Arbeitslose von heute, die im bemitleidenswerten Stress, stets das aktuellste Manolo Blahnic Modell an den unbenutzen Füßen zu tragen, schier zu vergehen droht. Wenn die Aufregung über das minderbemittelte, aber hochbezahlte Kinderbetreuungspersonal wieder einmal überhand nimmt und sich der seelenlose Gatte vorzugsweise bei Sechzehnstundenbürotagen entspannt, ist der Wellness-Kurzurlaub mit den gleichermaßen “betroffenen” Silikontittenfreundinnen ganz klar zum Zwang geworden.
Wohin auch mit der Kohle?
Wellness ist für reiche Mädchen, denen die Ideen ausgehen, die zugefallene Kohle sinnvoller zu verprassen. Männer, die Wellnessurlaube antreten, sind entweder schwul, homosexuell, oder aber vom anderen Ufer.
Soweit meine Meinung bis letztens…
Aus eigener Erfahrung muss ich das bestehende Bild jedoch nunmehr geringfügig ergänzen: Es kann einem auch als nichtschwuler Mann passieren, dass man sich plötzlich in einer nicht bewusst provozierten Wellness-Situation befindet:
Beispielsweise kann Mann heutzutage derart erschöpft sein, dass er zu bestimmten Zeitpunkten zu allem ja und Amen sagt, schlicht um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Anstatt des ordnungsgemäßen Aktivabenteuerurlaubs mit den versoffenen Singlekumpels, kommt dann halt ein Massageaufenthalt mit Langeweilegarantie zur Buchung, jedoch hat Mann ihn dann vermutlich auch nötig.
Oder aber, Mann ist einfach derart im Arsch, dass er bereit ist, sämtliche Klischees überlastungsamnestisch über Bord zu werfen, im unbezwingbaren Hunger auf Ruhe und Entspannung sämtliche Resortiments abzulegen und sich einfach auf etwas einzulassen, was Mann nicht kennt, was aber zumindest nicht anstrengend klingt.
So geht es beispielsweise mir. Ich begebe mich morgigen Tages auf einen fremdinitialisierten, aber zu keinem Zeitpunkt abgelehnten Wellnessurlaub. Vier Tage lang.Wahrscheinlich rettet die Perle gerade mein Leben. Und ihrs.
Aber wir reden nicht drüber…
20 März 2009 um 2:14 am
Sauna ist doch großartig. Genau wie Ihr Symbolfoto, übrigens. Apropos “übrigens”: Irgendwann heißt die Scheiße übrigens wieder “Kur”. Wobei das ja nichts falsches iat. Oh Konträr.