Projekt Trockendock: Rückfallsresumee

Asche auf mein schütteres Haupt. Doch die Erbärmlichkeit meiner Niederlage gegen mich selbst darf nicht totgeschwiegen werden.

Bis Freitag hatte ich kein Problem. Am Freitagnachmittag jedoch, ich telefonierte, unterhielt gerade drei Fernwartungssitzungen auf Servern unterschiedlicher Kunden und erklärte dem neuen Kollegen noch via Handzeichen einen komplexen Sachverhalt, geschah es:  Ein in mein Projekt nicht eingewiehener Kollege stellte mir das hier ritualisierte Freitagsnachmittagsbier bereits geöffnet neben die Maushand. Reflektorisch griff ich danach, als mir bewusst wurde, was ich tat, hatte ich es schon halb ausgesoffen.

Das Erschüttern überkam mich sofort, mein ansonsten überaus fixes Ausredengenerierungssystem versagte, ich war mit meiner Schande allein.

Auf dem Nachhauseweg fuhr es jedoch wieder hoch, beim ersten Feierabendbier zuhause (das Kind war ja eh schon in den Brunnen gefallen…;-)) lief es bereits auf Hochtouren: Wer bin ich, dass ich mich selbst kasteien muss, was spricht gegen ein paar freitägliche Wochenabspülbiere? Immerhin treibt mich die beengte Wohnsituation mit zwei dauerschnatternden Hühnern, zwei kläffenden Kötern und mein mehr als unerfüllender, dafür aber umso nervtötenderer Job halb in den Wahnsinn. Nach drei Bieren am Freitag geht es mir nach einer zermürbenden Arbeitswoche meist wieder gut, ich genieße ein paar Stunden in Ruhe für mich und schöpfe daraus Kraft.

Zwar geht mir die Ritualisierung meiner Freitagssaufereien selbst auf den Sack, nüchtern betrachtet bin ich jedoch nicht bereit mir wegen einer suffgeborenen Idee langfristig selbst die Birne zu zermartern.

Das Projekt Trockendock ist bis auf weiteres auf Eis gelegt, wird spätestens jedoch bis zur Geburt meiner Brut wohldurchdacht und nüchtern beschieden wieder reaktiviert. Denn dann habe ich tragfähige Argumente vor mir selbst.

Erbärmlich, traurig, schwach, jämmerlich. Mir doch scheißegal. Ich bin eine Saufnase und habe aus dieser Aktion gelernt, das ich zumindest dazu stehen sollte. Als andere ist Egoterrorismus.

1 Kommentar zu “Projekt Trockendock: Rückfallsresumee”

  1. sam al broesel sagt:

    hab irgendwie schon auf diesen Beitrag gewartet. Aber sind wir doch mal ehrlich, auch wenn’s dem ein oder anderen von der straight edge eine Genugtuung sein wird Zeitzeuge eines weiteren “Rueckfalls” zu sein. Es hat auch mit Lebensqualitaet und Entspannung zu tun. Ein Ausgleich ist es erst ab einer Halben pro getoetetem Nerv und das koennte das Pensum ja manchmal in den Hectoliterbereich schnellen lassen. Also wenn man sich nicht unbedingt mit Vorsatz die Platte formatiert kann sowas doch wieder Ruhe und Ausgewogenheit fuer die naechste Woche bedeuten. Naja, bis Montag Mittag…

    Cheerio

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