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Currywurstfrei

currywurst

Fast alles kann man in der Alpenrepubik Österreich haben, worüber auch andere Zivilisationen verfügen, will man uns glauben machen. Doch habe ich bis zum heutigen Tage im Würstelland noch nicht eine einzige, vernünftige Currywurst entdecken können.

Offensichtlich verweigert sich der Österreicher einer der besten, großdeutschen Errungenschaften nach dem 2. Weltkrieg: Der Currywurst. So sehr ich persönlichen Individualismus, gerne auch national, meinetwegen auch zwanghaft, schätze und unterstütze, bedeutet dies noch lange nicht, dass man sich auch den positiven Kulturgütern als Konkurrenz empfundener Nachbarländern erwehren muss. Ich höre ja auch nicht einfach auf zu atmen, nur weil das die Deutschen tun.

Man verstehe mich nicht falsch, ich bin ein großer Freund der Debreziner, Frankfurter, “Eitrigen” und der Burenwurst, ich liebe Tiroler- und Grammelknödel, Schweinsbraten und Bosna. Backhendlsalat mit Kernöl, Fleckerlspeis, Schnitzel… Alles grossartig! Aber ich sehne mich nach sieben Monaten Österreich endlich einmal wieder nach einer wirklich guten, ruhrpöttlerischen Currywurst. Mit Pommes Schranke.

Dieser Tage ist die Currywurst 50 Jahre alt geworden. Was muss das in Deutschland für ein Festtag gewesen sein! Selbst meine rohkostfixierte Bio-Mutter berichtete von einem Besuch auf einem Currywurstfest. Ein Currywurstfest, wie grossartig!

Zwischenzeitlich hat ja sogar der Meika Curry King in den Kühlregalen deutschstämmiger Lebensmitteldiscounter Einzug gefunden. Aber mal ehrlich: Wenn man den Österreichern DAS als Currywurst verkauft, dann ist es kein Wunder, dass sie diese hierzulande als Werk Satans verschreien und mit zehn Rosenkränzen im Kopfstand, weihwassergurgelnd, unter Strafe stellen.

Dabei wäre alles so einfach: Man miete sich als Deutscher Currywurstspezialist ein kleines Standl in guter Lage, richte sich dies mit entsprechendem Grill- und Frittiergerät ein, besorge sich ein paar Hausfrauen zum Kartoffelschnippeln und biete als erste Würstlbude Österreichs eine original Ruhrgebiets Currywurst mit frisch geschnittenen Pommes an.

Hier findet sich übrigens ein ganz hervorragendes Rezept zur Herstelung einer vorzüglichen Currywurst, ganz ohne Convenience-Produkte.

Damit die Alpenländer nicht unmittelbar am Kulturschock verenden, kann man ja die landesüblichen Würstl zusätzlich anbieten. Gerne auch Kraut- und Kartoffelsalat.

Ich wittere ein Bombengeschäft, bald müsste sich eine regelrechte Currywurst-Standl-Kette aufbauen lassen, die von Tirol bis Vorarlberg das austrianische Fastfoodleben revolutioniert. Aber ich traue mich nicht so recht. Mein aktueller Computerklimperjob nervt schon abartig, aber den ganzen Tag Würste grillen?

Eine Currywurst in Österreich würde auch der Völkerverständigung dienen. Ist doch die Currywurst letztlich Ausdruck der Lebensart der schwerarbeitenden Bevölkerung, die Ikone des Proletariats, und ist doch gerade der Deutsche in Österreich als versnobbt und arrogant verschrieen. Mit der Currywurst könnte das Bild der “Deitschen” hierzulande wieder in ein besseres Licht gerückt werden, denn der Currywurstfreund ist nicht versnobbt, schon gar nicht arrogant. Er ist Mensch, durch und durch und dabei immer symptahisch geblieben.

12 Kommentare zu “Currywurstfrei”

  1. ramses101 sagt:

    Na ja, kommt drauf an: http://www.edelcurry.de/ Aber das mit den Wurstmarktlücken versteh ich auch nicht. In Hamburg gibt ez zwar österreichische Küche, aber Eitrige? Fehlanzeige. Dabei funktioniert hier im Prinzip alles. Sogar ein bierlokal in dem Alt UND Kölsch ausgeschenkt und als Spezialität verkauft wird.

  2. dieJulia sagt:

    Der Österreicher ist dem Deutschen gegenüber kulinarisch gesehen aus mindestens einem guten Grund mißtrauisch eingestellt, und der heißt

    Tunke.

    Ein Volk, das sich sowas übers Schnitzel gießt, kann der Mensch aus dem schnitzelförmigen Land in kochtechnischen Fragen einfach nicht ernst nehmen, schon gar nicht in der so hochsensiblen Wurstfrage! Das ist genauso, als würde einem ein Engländer was vom Frühstück erzählen.

    Currywurst hab ich aber schon einmal gegessen. An einem Wiener Würstelstand. War irgendwie staubig.

    Ansonsten bin ich auch sehr für Völkerverständigung!
    Herzliche Grüße,
    Ihre Frau Julia

  3. ramses101 sagt:

    Das stimmt, Frau Julia, die Deutschen sind Saucensüchtig! (Und ganz besonders die Schwaben.) Aber das liegt daran, dass die eben oft kein Stück Fleisch mit Fettrand essen (braucht keine Sauce), sondern häufig ein Stück Fett mit Fleischrest (braucht ordentlich Sauce, sonst kriegt man es nicht runter.

    Ansonsten ist die deutsche Küche eigentlich gar keine so richtig “deutsche”. Grünkohl ist norddeutsch, die Schweinshaxe süddeutsch, deutsch ist eher ein Mischmasch aus allem, was das Land zu bieten hat und was so ans Land grenzt. Es wird nur eben manches Mal etwas “eingedeutscht”, will heißen: Sauce drüber. Aus Reflex.

    (Und wo ich gerade über Küche und Österreich sinniere, ist es eigentlich kein weiter Weg mehr zu Krautfleckerl heute Abend.)

  4. dieJulia sagt:

    Gut, Herr Ramses, ich muß aber auch durchaus einräumen, daß es in D punktuell Widerständler gibt, die mit so zum Weinen schönen Gerichten wie dem Schwäbischen Geschnetzelten oder den Münchner Pickelsteinen tapfer der Versaucung trotzen (und von den Bayern braucht man eigentlich eh nicht reden, die haben sich durch ihre Weißwürste sowieso schon rehabilitiert).

    Daß Sie Krautfleckerln kennen, zeugt übrigens von buchstäblich erlesenem Geschmack literarischer Natur: Sie haben Torberg genascht! Ich glaube, ich muß mir jetzt einen schönen Krautkopf besorgen. Fürs Abendessen. Das ist ein bißchen wie der Ohrwurm, den man nicht mehr los wird…

    Ach so, aber eigentlich wollte ich noch etwas zum Thema Currywurst loswerden. Weil ich nämlich seit gestern wirklich einen Ohrwurm habe. “Currywurst”, Herbert Grönemeyer, Frühwerk. Oh Mann.

    Völker dieser Welt, relaxt!
    Herzliche Grüße,
    die Frau Julia

  5. ramses101 sagt:

    Selbstverständlich habe ich Torberg gelesen. Muss man ja auch als Piefke, damit man nach dem üblichen deutsch-österreichischen Cordoba-Königgrätz-Geplänkel final mit der tatsächlichen Original-Sachertorte punkten kann (zumindest bei denen, die die Tante Jolesch warum auch immer nicht gelesen habe).

  6. Ad sagt:

    wird langsam zeit, daß der herr ramses mal in wien aufschlägt…

  7. Ad sagt:

    großartige diskussion übrigens!

  8. ramses101 sagt:

    wird langsam zeit, daß der herr ramses mal in wien aufschlägt…

    Allerdings … ich lass es Sie wissen, wenn es so weit ist.

  9. Lars Eggert Pick up Artist sagt:

    :-) cool!

  10. Elke´s Grillhütt´n sagt:

    Hey ihr Currywurstfans!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Ganz so aktuell seid ihr im Moment noch nicht, aber es spricht sich schon rum: seit dem 10.08.2011 gibt es in Going am Wilden Kaiser eine der besten Currywurstbuden Tirols, vielleicht sogar von ganz Österreich.
    Und nicht nur ne nachgemachte, nee……..ne original Mantaplatte…
    Also, auf den Weg machen und testen!!!!!!!!!! Lecker!!!!!!!!!!

  11. schwarzSicht sagt:

    Grundsätzlich stehe ich Werbung an dieser Stelle überaus zugeknöpft gegenüber, derart viel Mut darf jedoch auch einmal gesondert bedacht werden… Viel Erfolg, mit Eurer Tiroler Mantaplatte!

  12. Franzi und Erik sagt:

    Also, wir waren heut in "Elke's Grillhütt'n" und es war durchaus einfach und sensationell. WIr haben noch nie solch eine Gute Currywurst mit Pommes gegessen. Auch wenn wir hier zum Urlaub ist, ein bisschen Heimweh fährt ja immer mit und das hat heut wirklich keinen Grund zum bleiben. Schade, dass wir die Hütte erst am Ende unseres Urlaubs entdeckt haben.
    Danke liebe Elke :)

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