Aquaristik apokalypsiert

Wasserbetten sind hinsichtlich des Liegekomforts, ihrer thermischen Eigenschaften und der Hygiene unerreicht. So lange sie dicht sind.
In einem anderen Leben, als ich meinen Unterhalt desselben noch mit ehrlicher, körperlicher Arbeit zu erwirtschaften gezwungen war, bot ein Bandscheibenvorfall eine hervorragende Argumentation zur Anschaffung eines solchen, nicht ganz unkostspieligen Schlafsystems. Ich habe nie besser gelegen, meine Rückenschmerzen gehörten schon bald der Vergangenheit an.
Zu Singlezeiten bot auch der Besitz einer so exotischen Liegewiese mit den exorbitanten Maßen von 2,20 mal 2,40 Metern einen nicht zu verleugnenden Aufrisskoeffizienten, Sex im Wasserbett stellt immer noch einen Mythos dar und persönlichen Statistiken zufolge wurde er von 95 % der auf dem freien Markt verfügbaren Singlefrauen noch niemals praktiziert, weckt aber Interesse.
Denkbar, dass zu keinem anderen Zwecke geschaffene Bordellwasserbetten diesbezüglich durchaus ihre Reize besitzen, ein fast vollständig beruhigtes, auch zum Schlafen Gedachtes ist jedoch schnell entmythologisiert, ist die Fickerei hierin doch schlicht anstrengender und hinsichtlich ihrer akrobatischen Entfaltung stark eingeschränkt. Aber man schläft halt so gut…
Nach insgesamt elf Jahren und sieben Umzügen (man werfe mir gerne einen “unsteten Lebenswandel” vor) weist allerdings auch das beste Vinyl irgendwann Materialermüdungserscheinungen auf, die sich, speziell hinsichtlich des davon beherbergten Inhaltes sehr unangenehm in Form eines klatschnassen Arsches bemerkbar machen. In den letzten drei Jahren habe ich sicherlich zehn Mal unter grossen Anstrengungen Vinylpflaster mittels Spezialkleber auf die zuvor aufwändig diagnostizierten Lecks appliziert und die Auffangwanne anschließend mit phänomenalem Handtuchaufgebot trockengelegt, doch war der Erfolg stets nur von kurzer Dauer. Leider neigt die Matratzenfüllung auch, trotz aller beigesetzter Chemikalien, an offener Raumluft zum Schimmeln, was sich in höchst unangenehmen Geruchsnuancen in der Atemluft manifestiert.
Gestern morgen war es wieder einmal so weit, die Ärsche waren nass, die Stimmung mies. Mittels des für Notfälle immer in Griffnähe bereitliegenden Reparatursets versuchte ich den Wassermassen Herr zu werden, doch vergeblich, die Seitenwand des bislang meistgenutzten Wasserkerns kam mir wegen materialermüdungsbedingter Porösität beim Dichtversuch grossflächig entgegen. Diagnose: Vinylkrebs im Endstadium, Heilungschancen: Aussichtslos.
Eine Nachfrage beim Hersteller ergab den erklecklichen Betrag von 1300 Euro für die Neuanschaffung EINES Kernes, jedoch mit dem deutlichen Hinweis, dass man tunlichst immer beide Kerne und die Vinylwanne gleichzeitig tauschen sollte, da das böse Marketinggespenst “Weichmacherwanderung” (hierbei wandern angeblich die Weichmacher aus der Matratze mit der höheren Weichmacherkonzentration in die mit der Niedrigeren, was alsbald zu Schäden in beiden führen soll) zu einem sofortigen Garantieverlust führe.
Einerseits kann man die schwangere Perle nicht weiters auf der schimmligen Suppe liegen lassen, andererseits haut man nicht mal eben rund 3000 Euro für ein Wasserbett raus, wenn man hauskaufbedingt gezwungen ist, seinen Kontostand tunlichst bis zur abgeschlossenen Finanzierung im positiven Bereich zu halten. Also kurz entschlossen: Pumpe angemietet, Wasser abgelassen, das Scheissding abgebaut, in den Keller verfrachtet und bei IKEA um rund tausend Euro ein ganz gewöhnliches Normalbett gekauft. Und aufgebaut. Das ganze mit Virusgrippe. Versteht sich.
Die erste Nacht war nicht unbedingt als grandios zu bezeichnen, zwar kann man sich auf einer Normalmatratze (Ikea Sultan Finnvik) viel besser drehen und bewegen, man tut es aber auch entsprechend öfter. Meine Füße ragen unten raus, frieren entsprechend, meine Schultern sind heute morgen verspannt. Aber immerhin ist mein Arsch trocken.
Man sagt ja, der Körper benötige 3 bis 30 Nächte, sich an einen neuen Schlafuntergrund zu gewöhnen. Der Wechsel Wasserbett –> Normalmatratze ist allgemein als nicht gerade einfach beschrieben. Aber ich gebe mein Bestes.
24 Januar 2009 um 7:34 am
Der Matratzennamen ist kein gutes Omen. Fin = italienisch fuer Ende. Den Rest koennen Sie sich selbst zusammenstricken, denke ich.
24 Januar 2009 um 10:57 pm
Man nannte mich einst “fantasievoll”. Hier und jetzt muss ich wohl den Hut vor Ihnen ziehen, vermischen Sie doch immerhin drei Sprachen ohne definitiven Zusammenhang zu einer Neoplasmie konnotativer Bedeutung, die einen vor Ehrfurcht erschaudern lassen muss.
Nichts desto trotz bleibe ich entspannt, zwar bin ich weder des Italienischen, noch des Schwedischen mächtig, wohl aber der deutschen, auch der gossensprachlichen, Orthographie. Ich bin orientiert zu Zeit, Raum und zur eigenen Person und kann implizierte Bedenken somit für mich persönlich vollumfänglich ausschließen. Ich weiss wer ich bin, ich weiss, was ich will und somit auch, was nie geschehen wird… Hoffe ich!