Alkohol

Warnhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Einfluss im Titel näher bezeichneter Substanzen verfasst. Der Autor übernimmt zu keiner Zeit Verantwortung über Sinn, Verstand und eventuelle Folgeschäden dieser Exzeberation intellelektueller Diarrhöe mit nicht unwesentlichem, geistigen Flatulenzaufkommen.
C2H5 OH. Ethanol. Alkohol. Die weltweit am häufigsten vorkommende Droge überhaupt. Und womöglich und wahrscheinlich die fatalste.
Ich selbst trinke Alkohol seit ich 14 bin. An meinen ersten Konsum vermag ich mich nicht mehr zu erinnern, ich weiss nur, dass er deutlich vor diesem Alter stattgefunden hat. In meiner Familie herrscht eine sogenannte “Prädisposition”. Will meinen: Uropa und Uroma mütterlicherseits waren dem Branntwein nicht abgeneigt, ebenso nicht Grossmuttern väterlicherseits. Sowohl Muttern als auch Vaddern tranken und trinken regelmäßig. Regelmäßig auch zu viel. Die restlichen leiblichen Familienmitglieder soffen entweder leberzirrhosen- oder selbstkasteiungsbedingt nicht. Gar nichts.
Soweit ich mich selbst korrekt einzuschätzen vermag, habe ich das Trinken stets instrumentalisiert. Ich bin kein aufgeschlossener, freundlicher Mensch, vielmehr bin ich in meinem Wesen arrogant, verschlossen und intolerant. Und ich besitze absolut keine Geduld. Mit einem kleinen Schlückchen, meist jedoch mit vielen davon, werde ich meiner Umwelt gegenüber freundlicher gesinnt, bin kompromissbereiter und bringe deutlich mehr Geduld für den geistigen Abschaum, der sich da draussen allgegenwärtig tummelt, auf.
Alkohol war für mich schon immer Problemlösungsstrategie. Ein Weg aus der primär selbstgewählten Isolation, eine Option zur Kommunikation mit Menschen, die ich in nüchternem Zustand nicht einmal bespucken wollte.
Als Teenager war “Mich-Zu Besaufen” praktisch der einzige Weg, mit der breiten Masse meiner Artgenossen überhaupt in Kontakt zu treten. Nüchtern schrieb ich abgehobene Pamphlete und Gedichte, deutelte an der Essenz vorhandener philosophischer Weltbetrachtungsweisen herum und beschäftigte mich mit Quantentherorien. Besoffen wurde ich zum smarten Partytier, zum Rockstar und gewann jede arme Seele im Handumdrehen für mich.
War der Suff lange Zeit erfreulicher Zeitvertreib, und nichts als das, Türöffner zu meinen Mitmenschen, Garant meines sozialen Status, verkam er in meiner inzwischen gescheiterten Ehe zur Kompensation allgegenwärtiger Missstimmungen. Hier wurde ich auch erstmals mit der nicht mehr lustigen Frage “Bist Du Alkoholiker?” konfrontiert. War ich aber nicht.
Nach dem Ende dieser unseeligen Verbindung machte ich die vermutlich fatalste Entdeckung meines bisherigen Lebens: Die Wechselwirkung aufputschender Drogen, wie Kokain oder Speed, mit dem alten Freund Alkohol. Setzt einem der Körper beim schlichten Saufen irgendwann naturgegebene Grenzen, heben diese Substanzen jede Grenze auf. Ich konnte locker, gesprächig, tolerant, auch gegenüber absoluten Nullnummern sein, aber dennoch weder lallen, noch schwanken, noch geistig schwächeln. Noch musste ich mich am Tag danach an irgendetwas erinnern. Praktisch ein perfekter Zustand. Was habe ich Nächte durchwacht, -tanzt, -gelabert und mein Umfeld begeistert. Doch irgendwann, das scheint typisch für schnelldrehende Spiralen, geht es abwärts. Man ist seiner Emotionen kaum mehr Herr, kann nicht mehr zwischen Realität und Drogenwahn unterscheiden und entscheidet sich irgendwann, sofern man Glück und Rückgrat hat, zumindest gegen eine der so herrlich korrelierenden Drogen, um sowohl seine Opfer, als auch sich selbst nicht weiter zu verletzten. Bei mir war es alles, was man sich durch die Nase zieht, wogegen ich mich entschieden habe. Das ist jetzt rund vier Jahre her. Ich vermisse es nicht. Oh Gott, wie ich es vermisse. Nein, tue ich nicht.
Mit Anfang Dreissig wurde ich erstmals mit negativen körperlichen Konsequenzen konfrontiert. Konnte ich früher feiern bis zum Untergang und war am nächsten Tag fit, spüre ich nun seit einigen Jahren sehr deutlich die energieraubenden Eigenschaften der Trinkerei. Hab ich abends getankt, bin ich nächsten Tages ein Wrack. Das ist Gesetz. Oft hält die energetische Leere sogar tagelang an. Ich bin dann körperlich stark geschwächt und geistig mehr als eingeschränkt.
Stand heute: Ich habe, völlig unalkoholisiert, die Liebe meines Lebens gefunden und sehe mich nun Vaterfreuden entgegen taumeln. Verantwortung sozusagen. Aber im ausschließlich schönen Sinne. Seither ist mir meine persönliche Fitness irgendwie wichtiger geworden. Ich schätze mich glücklich, trotz vielfacher, mehr als kritischer Lebensphasen nie in eine körperliche Abhängigkeit gerutscht zu sein und hinterfrage zwischenzeitlich jedes meiner fünf Biere, die ich mir Freitags “gönne”. Aber selbst aus den Wochenendtrinkereien, die seit langem nicht mehr fatal enden und mich eher verfrüht ins Bett bringen, generiert sich ein Entnervungsfaktor. Ich spüre praktisch bei jedem einzelnen Bier, wie es mir Kraft raubt, die ich dringend benötige. Oder glaube es zu spüren, was subjektiv keinen Unterschied macht.
Also fange ich entweder wieder an zu koksen, oder aber ich lasse die Sauferei, als logische Konsequenz. Nein, kein entweder. Letzteres. Versuchsweise. Cola schmeckt mir, so ganz ehrlich gesagt, sowieso besser. Und die scheissdummen Arschlöcher da draussen dürften sich halt einfach auch mal so ganz langsam daran gewöhnen, so genannt zu werden. Ich hab echt besseres zu tun, als mich wegen irgendwelcher hirnelektrischer Nullnummern zu ruinieren, woll? Ertragt Ihr mich erstmal nüchtern, ihr Pisser. Prost.
03 November 2009 um 10:01 pm
Erinnere dich!!!