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Faltenzombies – Sie lauern überall

Demokrafiker sprechen schon seit langem von der umgekehrten Bevölkerungspyramide und kündigen den Zusammenbruch unserer sozialen Systeme aufgrund hoffnungsloser Überalterung an. Doch das es so bald geschähe, und in einer solchen Intensität, damit hat doch niemand rechnen können…

Es ist heutzutage politisch inkorrekt, alte Menschen hinsichtlich ihres Verhaltens und ihres Nutzens für die Gesellschaft zu hinterfragen. Grund genug, mich dieses ergiebigen Themas einmal anzunehmen.

Samstagmorgen, im katholizistischen Österreich ist die Segnung im Sektenhaus noch nicht verhallt, da wuschelt und gruschelt es auf allen Straßen: Rollatoren bahnen sich in atemberaubenden Tempo ihren Weg zu den Konsumtempeln, um schließlich, kaum die Warmluftschleuse des Supermarktes hinter sich lassend, in eine der Totenstarre beinah äquivalenten Bewegungsgeschwindigkeit zu verfallen. Gerne behilft man sich noch eines zusätzlichen EInkaufwagens, wenn der Rollator alleine mit dem kilometerbreiten Wohlstandsfettarsch nicht zur Vollsperrung des Regalgangs genügt. In seniler Demenz werden die penibel studierten Produktinformationen schneller vergessen, als irgendein Mensch sie zu lesen im Stande wäre, um schließlich mit entgeisterter, enddümmlicher Glotzvisage mittelgangs eine unüberwindbare Blockade aus altem, stinkenden Fleisch mit einem Hauch von Toska zu errichten.

Hat man jedem unter achtzigjährigen Vollbeschäftigten mindestens fünf mal im Weg gestanden, ist es an der Zeit, an der Kasse den unüberwindlichen Boss-Gegner zu geben: Kleingeld wird zu metalischem Pulver gezählt, auf den Boden fallen gelassen, bis sich die hochschwangerer Arbeitnehmerin dahinter mühevoll zum Aufheben anschickt,  die Kassiererin zwangzigmal zum Nachrechnen gezwungen, bis man schließlich, als letzten Akt des Terrors, seine frischmilchigen EInkäufe galant scheppernd und berstend vor die Kasse schmeisst.

Nun mag man sich Mitleid, Toleranz und Nachsicht mit der abgetakelten Schabrackage erspinnen, die einem am einzig einkaufsfähigen Tag in der Woche denselbigen versaut, doch ehrlich betrachtet existiert hierzu kein Grund: Faltenzombies kaufen Samstags nicht aus Bedarf, schließlich steht ihnen die ganze Woche zur Verfügung, und sie ernähren sich ohnehin nur von totbestrahlten Dosenfrass, sie blockieren die Supermärkte also für diejenigen, die ihre Rente erwirtschaften, aus reiner Bosheit und teuflischem Vergnügen an der Folter redlicher Bevölkerer.

Selbstgefällig ruhen sie sich auf der Lüge aus, sie hätten ja mehr als genug in ihrem Leben erwirtschaftet, um nun den wohlverdienten Ruhestand zu genießen, dabei war es ihre Generation, die die Rententöpfe in schierer Dekadenz ein für alle mal verbraten hat. Nicht selten sind es die lebenslänglichen Nur-Haus-Frauen, die eben solche erlogenen Argumente befleissigen. Mit nur einem Kind werden sie in lebenslanger Ermangelung jedweder Stress- oder Arbeitsbelastung mindestens 200 Jahre alt und verprassen dabei die Kohle, für die sie auch nie nur eine Hand krümmen mussten. Nebenbei beschweren sie sich lauthals über die “Jugend von heute”, die alle Schwerstarbeitenden bis Ende 40 umfasst, als “faules Gesindel” und “Wohlstandsmaden”, denen ja im Leben alles zugeflogen sei.

Im Gegensatz zu immer noch werktätigen Generationen hatte die, die sich heute einen Spass daraus macht uns zu beuteln, noch eine Perspektive. Diese Menschen wussten, wofür sie arbeiteten, wenn überhaupt, sie wogen sich ein ganzes Nachkriegsleben lang in sanftschlummeriger Sicherheit. Was es heutzutage bedeutet, tagtäglich um das nackte Überleben zu kämpfen, liegt ihnen völlig fern.

Allermeist sind es Frauen, die sich terroristisch an der arbeitenden Bevölkerung verlustieren: Die Gatten bereits Anfang Siebzig zu Tode gekurlaubt, machen die Damen nun mit schwindender Orientierung zu Raum, Zeit und der eigenen Person nun noch mal so richtig einen drauf. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Nicht das ich unsere lieben Omas und wenigen Opas zu irgendetwas zwingen wollte. Sie gar einschränken. Oder brandmarken. Nein! Aber vielleicht wäre es mit ein wenig Aufklärung doch möglich, wenn nicht Einsehen, doch zumindest Scham bei gesellschaftsschädlichem Verhalten zu erzeugen. Im Berufsleben “Platz zu machen” könnte doch auch bedeuten, nicht zu den typischen Einkaufszeiten Berufstätiger durch die Läden zu flanieren und den Hirntoten zu geben?

Gott steh mir bei, sollte ich tatsächlich jemals alt werden…

3 Kommentare zu “Faltenzombies – Sie lauern überall”

  1. Doktor Peh sagt:

    Das muss Samstags so sein, denn Samstags haben die Aerzte zu. Kein koma-aehnliches Roecheln in ueberfuellten Wartezimmern, das Unterhaltungszentrum fuer Fichtenholzanzugsanwaerter bleibt da geschlossen. Und was soll man nun anderes machen, wenn schon das Unterhaltungsprogramm der Privatsender die durch die Demenz uebriggebliebene Restintelligenz haltlos ueberfordert?

    Gut, man koennte auf der ICE-Trasse Ringelreihen spielen, oder eine Polonaise auf der Autobahn, aber in Oesterreich muss man ja zum Polonaisieren ein Pickerl haben. Dann also lieber als Trockenpoller einen Platz im Supermarktgang erkaempft und von dort strategisch geschickt jedem, der zwischen 20 und 100 Jahren juenger ist, den eigenen Hackenporsche zwischen die Graeten gejagt. Der Unterhaltungswert ist ungleich hoeher als die 10 Minuten auf der stillen Treppe. Wobei diese Kandidaten ja staendig in der Furcht leben muessen, dass sie von der stillen Treppe in ein stilles Kuehlfach wandern.

    Wenn Sie und ich mal alt werden, dann gehen wir gemeinsam zum Billa. Wenn wir diese rasend schnelle Automatiktuer ueberwinden koennen.

  2. schwarzSicht sagt:

    Falls wir alt werden sollten (müssen Sie für Ihr Geld nicht arbeiten gehen?), nehme ich Sie beim Wort. Falls die Rezession einen Billa für uns übrig lässt…

  3. Dein Gewissen sagt:

    Vielleicht sind dies alte Menschen, die in Einsamkeit leben. Da sind Töchter, Söhne, für die man ein Leben lang geschuftet hat. Immer da gewesen ist, für diese Brut, und dann, man wird alt, man wird wunderlich, vielleicht auch depressiv. Und dann? Keiner mehr da? Jedes Verhalten wird verurteilt. Und dann? Dann geht man auch mal samstags einkaufen, weil man einsam ist. Weil vielleicht eine Kassiererin an der Supermarktkasse ein nettes Lächeln oder Wort für einen hat. Und dann? Dann kann sich diese Brut einfach nur noch schämen. Wenn sie denn Charakter hätte. Aber wo soll dieser Charakter sein? Bei diesen Artikeln und bei diesen Kommentaren. Gott bewahre Euch davor alt zu werden. Eure Kinder werden es Euch zeigen!!! Ihr Armen!

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