Isst Du noch, oder kotzt Du schon?

Frühstücken bei IKEA ist hip, in und entspricht dem regierungsoktruierten Trend zur neuen Sparsamkeit. Hier lässt sich am Samstagmorgen die ganze Familie beköstigen, hier kann auch der Präkariatsvertreter mal bei der Lachssemmel zuschlagen.
Pünktlich zur Finanzkrise mit anschließender Rezession lasse auch ich keine Möglichkeit ungetestet, bares Geld bei voller Lebensfreude einzusparen. Ikea ist da mit seinem Frühstückssaal ganz sicher ein interessanter Tip. Für alle, die das Besondere mögen…
Gut gefüllt mit Mehrkindfamilien und sonstigen Asozialen läd der in bester Reinraummarnier funktionalst eingerichtete Saal nur den bereits Verstorbenen tatsächlich zum Verweilen ein, jeder Mensch mit Augen, Ohren und Nase wird sofort heftigst vom Fluchtreflex geschüttelt, wenn er die sich darbietende Armut an jedwedemm Ambiente erkennen muss. Nichts deutet noch darauf hin, dass man sich in einem Möbelhaus befindet, ich habe als Kind auf Campingmöbeln gesessen, die deutlich mehr Stil aufwiesen als die fast unbrauchbare Rundlehnenbestuhlung der IKEA-Verfrühstückungsanstalt. An plastigbedeckten Tischen im 50er Blümchendekor sitzen nun die Gäste, die sich Dank ununterbrochener Werbeberieselung im geistigen Unterforderungsdelir erstaunlich ruhig verhalten. Selbst Kleinkinder schreien nicht, vermutlich aus Angst.
Wer Lachs, Ei, Würstel, oder überhaupt irgendetwas zu essen begehrt, sollte Zeit mitbringen. Zwar handelt es sich beim Gastrobereich um eine begehbare Großkantine in charmant-professionellem Bürstedelstahllook, doch beherrschen die wenigen Bediensteten die Kunst der Bedarfsgenerierung. Speisenauslagen werden frühestens dann neu befüllt, wenn in den vorderen Bereichen des Massenaufstandes bereits Todesopfer zu beklagen sind.
Wer schließlich doch etwas auf den ersten Blick essbares auf sein Kunststofftablett zu verfrachten wusste, dem eröffnet sich die wahre Überraschung erst beim ersten Zungenkontakt:
Uringelbes Eiimitat, dass mit irgendwelchen Produkten von irgendwelchen Hühner ganz sicher niemals in Berührung gekommen ist, teilweise strohtrocken und zäh, teilweise glibberig schleimig, ohne auch nur die leisteste Nuance eines Eigengeschmacks, durchzogen mit Kochschinkenresten aus der Gründerzeit. Österreichtypische Matsch-Semmeln, bei denen beim Zubiss der Eindruck entsteht, sie versuchten den Zähnen zu entkommen, wobei man sie längst unbemerkt verschluckt hat, alter, braunsträhniger, übelriechender und fadschmeckender Gammellachs, den nicht mal ein monatelang ausgehungerter Braunbär noch anfassen, geschweige denn verzehren würde und Schmelzkäsereste zu Blöcken verschmolzen und in Scheiben aufgeschnitten, die exakt so schmecken, wie die Füße meines Urgrossvaters immer rochen. Damals, bei dem schlimmen Fusspilz. Zu Staub verbackene Käsewürstel mit Baconumhüllung, die wenn man die kohlige äußere Schale abgemeisselt, ihren stinkend-eitrigen Inhalt preisgeben und diverse Kuchensorten.
Der Kuchen ist gut, da gibt es nichts…
Kaffee sollte man sich übrigens besser aus dem Münzautomaten ziehen, der schmeckt trotzt Instantpulver um Längen besser, ist vermutlich weniger keimbelastet und zudem auch erhältlich, denn vor den Kaffeetrögen bildet sich erfahrungsgemäß immer die längste Schlange.
Guten Appetit in Ihrem freundlichen, schwedischen Möbelhaus!
25 November 2008 um 4:16 pm
Applaus! Ich dachte schon, ich sei die einzige, die bei der Auswahl des Ikea-Fraßes regelmäßig vor eine gefühlt unlösbare Aufgabe gestellt wird und so oft es sein muss auf die Alternative hinter der Kasse zurückgreift: das 1 €-Hotdog. So richtig viel kann da nicht passieren und über diese Gurken-Trockenzwiebel-Bar kann man (nach einer Stunde Wartezeit, die man fürs Bezahlen gerade hinter sich gebracht hat) dann auch getrost hinwegsehen – man bereitet sich im Kopf ja schon auf den Kampf im Parkhaus vor.
Im übrigen hast du die grandiosen, braunen, inhaltlich nicht näher definierten Dinger vergessen, die man wahlweise in kleinen oder Erntehelferportionen zu sich nehmen kann. Köttbullar oder so. Schon die Phonetik dieses Namens lässt mich an dem Urteilvermögen des übergeordneten Gastrochefs von Ikea zweifeln – gut, sicherlich heißen sie so, aber schön ist anders. Passt ja auch zu den Stühlen. Der Geschmack hat etwas von fettigem Pappmaché, dazu diese hellbraune Sauce, deren Farbe mich immer an die Absonderungen meines Hundes in schlimmsten Magen-Darm-Momenten erinnert und lilafarbene Marmelade, die garantiert jeder liegen lässt. Nachdem man dann zwischen 15 und 30 dieser Dinger inkl. immer lauwarmen Kartoffelsticks drin hat, läuft der Einkauf doch wie von selbst…
25 November 2008 um 4:27 pm
Kein gesunddenkender Mensch mit einem nur leicht ausgeprägten Sinn für Ästhetik und Kultur kann dieser unsäglichen IKEA-FrassMatsche auch nur irgendetwas abgewinnen. Und meine Einschätzung beruht nicht auf der Tatsache, dass ich mich beim Aufbau einer Küche selbigen Herstellers einmal beinnahe verzweiflungssuizidiert hätte!
Köttbullar mag ich in der Regel durchaus, habe sie aber bei IKEA weder ausmachen können, noch hätte ich den Mut gehabt, auch noch diese zu verkosten. Trotzdem dass ich weder Furcht noch Tadel kenne…