Frustrationssenilität

Frustration

Frustration

Frustration ist die menschliche Reaktion auf das Ausbleiben einer Bedürfnisbefriedigung. Seelischer Hunger, im Buddhistischen als “Leiden” beschrieben. Wenn nach einem “Ich will!” einfach nichts mehr kommt…

Unterschiedliche Menschen können eine unterschiedliche Frustrationstoleranz ihr eigen nennen, dem einen geht bei der geringsten Enttäuschung der Hals in Schwellung, anderen kann praktisch jedes Entsetzen angetan werden, doch sie lächeln immer noch milde.

Zu viel dieser Toleranz fusst meist auf einem geringen, bis nicht vorhandenen Selbstwertgefühl. Menschen, die sich selbst nichts bedeuten, sind schwerlich zu enttäuschen, denn sie erwarteten nichts. Oft handelt es sich hierbei um im Allgemeinen als kraftlos, langweilig, nichtssagend und erbärmlich empfundene Waschlappen, die alles mit sich machen lassen, selbst nichts tun und niemals etwas erreichen, was sie sich schon gar nicht zum Ziele gesteckt hatten.

Eine niedrige Frustrationstoleranz ist eine ernste Bürde, das Gefühl starker Frustration vermag den Menschen cholerischer Natur regelrecht zu zerfressen, es entstehen Aggressionen gegen die Ursache der Frustration, meist gegen sich selbst. Das treibt den Blutdruck in die Höhe und fördert das sozialverträgliche Frühableben. Was gut ist für die Allgemeinheit, ist tragisch für das Individuum. Bis zu ihrem plötzlichen Tode sind eben jene die, die das Weltgeschehen bestimmen, denn sie setzten ihre überbordende Energie gewinnbringend für sich ein. Persönlicher Gewinn ist immer auch abhängig vom Wohlbefinden anderer, weshalb ich jedem Wohltäter reinen Eigennutz unterstelle.

Was aber tun, wenn die Toleranz einfach derart niedrig ist, dass Mensch aus dem sich Aufregen, aus dem darben und aus dem Leiden gar nicht mehr herauskommt? Warten und altern!

Ich war Zeit meines Lebens immer ungeduldig, hätte ausrasten können, wenn etwas nicht so geriet, wie ich es mir vorgenommen hatte und bin es auch oft genug. Erst mit den Jahren ab 30 und einer Nahtodeserfahrung im weitesten Sinne stellte sich in meinem Gemüt eine gewisse buddaeske Gelassenheit ein. Ein Beispiel:

Als hoffnungsloser Gadget-Geek liebe ich meine Spielzeuge und bin mehr als leicht begeisterungsfähig für neue, schöne Errungenschaften der Technik. Hat mich das Fieber einmal gepackt, existiert kein Ausweg mehr, egal wie sehr ich mir dies auch einzureden vermag. Ich bemühe mich vernünftig und überlegt zu bleiben und schaffe mir so nach und nach praktisch einen realistischen Bedarf um das rein emotionale Bedürfnis herum. Stimmt an meiner Argumentation meinem freudschen Über-Ich gegenüber schließlich alles, gibt es kein Halten mehr. Fast fiebrig mache ich mich an die Beschaffung.

So geschehen erst kürzlich mit dem neuen Mac Book Air. Bestellt, bezahlt, gewartet. Am Vorabend des eigentlichen Liefertermins teilte mir Apple lapidar mit, die Lieferung würde sich um etwa drei Wochen verzögern. In früheren Jahren wäre ich an einer solchen Auskunft beinnahe zu Grunde gegangen. Ich hätte mich aufgeregt bis ich in hyperventilative Ohnmacht gesunken, oder aber wegen eines Amoklaufs  lebenslang verknastet worden wäre. Heute kostet mich dergleichen maximal ein Magengeschwür, drei Tage schlechte Laune und einen Anruf bei Apple, den die dortige Kundenbetreuerin wohl niemals wird vergessen können, sollte sie noch einmal aus der pschotraumatisch bedingten Katatonie erwachen.

So gesehen ist älter werden tatsächlich eine Gnade. Um wieviel entspannter man die Welt zu sehen vermag, je mehr man von ihr gesehen hat. Ich für meinen Teil bin die Ruhe selbst.

UND ICH WILL MEIN AIRBOOK, VERDAMMTE SCHEISSE NOCH MAL!

2 Kommentare zu “Frustrationssenilität”

  1. Pathologe sagt:

    Noch eindringlicher zur inneren Ruhe wird man geformt, hat man es beruflich mit Auslaendern anderer Kulturkreise zu tun. Ob da bereits Oesterreich dazuzaehlt, vermag ich nicht zu sagen. Aber Afrika bestimmt. Und der Mittlere Osten ebenfalls. Das formt dann irgendwann Kernsaetze, die man verinnerlicht. Einer davon lautet: ja leckt mich doch alle mal…!
    Unheimlich hilfreich uebrigens.

    (Schickes, neues Blog. Erwarten Sie aber bitte hier nicht ebenfalls Null)

  2. schwarzSicht sagt:

    Österreich gehört GANZ SICHER bereits zu einem anderen Kulturkreis…;-) In der Tat gehen die Uhren hier anders. Langsamer, möchte man meinen.

    Herzlichen Dank für die Blumen, meine Erwartungshaltung ist nach wie vor minimal, ich stehe Besuchern und Kommentatoren allerdings inzwischen geringfügig wohlgesonnener gegenüber, muss am steigenden Alter liegen.

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