Aspergismen
Das Aspergersyndrom stellt eine leichte Form des Autismus dar, sozusagen eine bedingt sozialverträgliche. Viele Asperger-Betroffene wissen nicht um ihre “Betroffenheit” und kompensieren die Defizite durch anerlerntes Verhalten, in dem sie Verhaltensweisen kopieren, von denen sie ausgehen, dass sie bei ihren Mitmenschen gut ankommen. Das kopierte Verhalten wird im Bewusstsein zum Eigenen, es bleibt letzlich nur das untrügliche Gefühl, doch irgendwie “anders” zu sein…
Muttern nennt mich einen “Idioten” und arbeitet seit meiner Geburt unermüdlich an meinen Minderwertigkeitskomplexen. Die Perle findet mich “machmal schon ziemlich anstrengend”.
Reflektiere ich mein Verhalten und meine Reaktionen auf meine Umwelt, bin ich durchaus geneigt, beiden Recht zu geben.
- Ich bin extrem geräuschsensibel und ablenkbar, jede noch so geringe Störung wirft mich völligst aus meiner gerade ausgeübten Tätigkeit und emotional aus der Bahn. Ich kann nicht “weghören”, folge praktisch jeder Fremdunterhaltung und bin meist überfordert, wenn mehr als ein Mensch gleichzeitig spricht.
- Ich fixiere mich sehr stark auf meine Interessensgebiete. Darüber hinausgehende Geschehnisse nehme ich kaum wahr, sofern mich eine Sache wirklich fesselt. Meine Allgemeinbildung fußt im Wesentlichen auf dem Gefühl, ich “müsse mich ja schließlich für meine Umwelt interessieren”.
- Ich verliere außerordentlich schnell das Interesse an Menschen, die meinen intellektuellen Ansprüchen nicht genügen. Ihre Gefühle interessieren und berühren mich nicht im Geringsten.
- Ich ziehe mich gerne zurück und beschäftige mich mit Dingen, die mir persönlich extrem wichtig sind, deren Wichtigkeit ich aber anderen nicht zu vermitteln weiss. Ist mir diese Art des Rückzuges nicht möglich, reagiere ich panisch, mitunter für andere verletzend.
- Menschenansammlungen sind geeignet, mich den Verstand verlieren zu lassen. Es genügen schon wenige, mich umgebende Personen, mir Unbehagen zu bereiten.
Mitunter führt dieses Absonderlichkeitenkonglumerat ganz sicher zu Verhaltenseskapaden, die aus exponierter Sicht idiotisch, überzogen und “schwierig” anmuten mögen. Und es vermutlich auch sind.
All diesen Deppertigkeiten zum Trotze bin ich kein a- oder disozialer Mensch. Ich benötige, wie jeder andere, soziale Kontakte, ich weise denjenigen gegenüber, die mich wirklich interessieren, Empathie auf (vielleicht mehr als sonst jemand), kann über meine Gefühle sprechen (und auch schreiben) und bin definitiv kommunikativ.
Nichts desto trotz kann es immer wieder passieren, dass ich etwas nicht mitbekomme. Oder einfach nicht so auf die Reihe, wie man es von mir erwarten würde. Mir fallen keine veränderten Frisuren auf. Oder neue Klamotten. Ich kann auch, wenn ich gerade gedanklich in mir selbst und meinen “Projekten” gefangen bin, komplett versäumen, dass es meinem Gegenüber dreckig geht.
Mit ein paar Bier treten meine Beklemmungen in Menschenansammlungen in den Hintergrund, ich gerate regelrecht zum Partylöwen. Überhaupt ist Alkohol mitunter eine Zuflucht. Der Rausch blendet all die ständigen, ungefilterten Reize ein wenig aus und ich komme zur Ruhe. Ich hatte Phasen im Leben, in denen mein Ruhebedürfnis mich viel zu viel hat saufen lassen. Zum Alkoholiker bin ich dennoch nie geworden.
Ich lebe, liebe, leide und lache. Wie “richtige Menschen” auch. Auch fühle ich, doch fällt es mir mitunter schwer dem Ausdruck zu verleihen. Ich mache Probleme primär mit mir selbst aus. Zwischenzeitlich habe ich gelernt, dass darüber zu Sprechen eine Hilfe sein kann. Im Wesentlichen für die Menschen, die mit mir zusammenleben müssen, manchmal allerdings auch für mich selbst. Nichts desto trotz fällt eine Missbefindlichkeit meinerselbst meinen Mitmenschen erst auf, wenn meine Kraft zum Aufrechterhalten meiner Masken nicht mehr ausreicht. Das mag verletzend wirken, soll es aber nicht. Ich kann nicht anders.
Letztlich sind wir auch nur Menschen. Manchmal eben Anstrengende…
15 November 2008 um 10:32 am
Wenn Sie jetzt noch sagen, dass Sie in Ihrer Kindheit / Jugend zu den verkappten Hochbegabten mit allen psychologischen “Begleiterscheinungen” gehörten, dann, nun ja, dann …
Einen Artikel mit fast identischer Zielrichtung hatte ich mal in petto. Ihn jedoch nie gebracht, weil zu persönlich. Daher – mein Respekt!
16 November 2008 um 10:31 am
Ich war nie Nerd oder Freak. Es gab allerdings eine Zeit, zu der ich für meine “gesteltze Sprache” mitunter gehänselt wurde. Da ich allerdings nicht über Mitgefühl für mir unsympathische Gestalten verfüge, habe ich die Delinquenten schlicht weggehauen. Bald hatte es sich herumgesprochen.
In der Schule war ich immer schlecht, da ich meist schlief oder mich anderweitig beschäftigte, eine Hochbegabung kam erst zur Sprache, als ich mich auf Anraten eines Arbeitskollegen einem Intelligenztest unterzogen habe. Meinen Eltern war dergleichen nicht aufegfallen. War allerdings auch nicht sehr gesprächig, als Kind…
Klar ist dieser Beitrag persönlich, aber er zeigt mir auch, dass ich Recht hatte, als ich letztens zu meinen Spaltpersönlichkeiten sagte, “Jungs, wir sind nicht allein…”
18 November 2008 um 10:01 am
Machen Sie mal diesen Test. Wenn da kein glatter “Typ 5″ rauskommt, sollte mich das wundern. Gefunden habe ich ihn in Oberoesterreich, gerne darf man der Dame auch sein Ergebnis schicken, sie schickt einem dann eine komplette Auswertung. (Die in meinem Fall zu 98 Prozent zutraf. Ich kenne die Dame nicht mal persoenlich!)
Im Grunde sind wir doch alle irgendwie Autisten, oder?
18 November 2008 um 10:47 am
Sie müssen sich nicht wundern. 5w4. Erstaunlich!
03 November 2009 um 9:53 pm
Man kann sich auch selbst hochloben und seine Kindheit in einem falschen Licht sehen. Es gibt auch faule intelligente Kinder, die jede Förderung verweigern. Wer ist denn “Muttern”?