Interstitium

am 30. August 2010 unter Foo abgelegt

Es gibt Situationen im Leben von vielen von uns, in denen das Ende unbestimmt ist, man es aber dennoch klar vor Augen sieht. In einer überpaprizierten Rattatouille der Gefühle, Hoffnungen, Rationalität, ständigen Wandels, Niedergeschlagenheit, Begeisterung und all dem schwammigen Gedusel sticht doch die unerbittliche Bitterkeit hervor. Die, die letztlich wohl immer geschmacksdominant sein wird, hat man sich erst der Tatsache gestellt, dass das Leben schlicht kein andauernder, exstatischer Rudelbums sein kann.

Niemand weiss genau, oder könnte wissen, noch vermuten, wer da den gespreizten Finger leckbereit in die Bouillabaisse des individuellen Daseins steckt, aber oftmals kennt man das resultierende Gesicht schon, bevor sich eine Miene zur Abscheu überhaupt zu verziehen vermag.

Da sind Menschen, man sah sie, man sieht sie und doch ist da dieser unuberbrückbare Spalt. Zwischen Gewesenem und dem Sein. Und ganz tief, unter jeder Faszie, unter jeder Knochenhaut, ist man sich der Persistenz dieses Spaltes bewusst, will es nicht, wird es nie wirklich gewollt haben, ist es aber. Eiweiss denaturiert bei Erhitzung, Fischsuppe verdirbt daher, wie auch das Leben. 

Schmerz ist wie Safran: Er färbt zirrhotisch gelb, ist teurer, als man es sich je hätte leisten können, und letztlich gebraucht hat ihn niemand.

Verlust ist wie zu heiss gebratene Zwiebel: Es war einst etwas Wertvolles, gar Süßes vorhanden, niemand hat etwas wirklich falsch gemacht und doch ist alles bitter und im Arsch. Letztendlich.

Sie gehen von uns. Doch manchmal bleiben sie dennoch. Nicht sie selbst, überpapriziert und zu lange geröstet, aber genetisch noch die selben. Wie eine Fischsuppe. Einst köstlich und inspirierend, letztlich geronnen. Und der eigenen Geronnenheit ausgesetzt. Unerbittlich. Es kann jeden treffen. Wer auch immer sei uns gnädig. Gottverdammt.

Vor der Ernte kommt die Saat

am 02. August 2010 unter Foo abgelegt

Eine durchweg plausible Bauernweisheit trifft auf fast alle Lebens- und Arbeitsbereiche zu, nicht jedoch zwingend auf die Wirtschaft und vor allem nicht auf die Finanz- und IT-Industrie.

Während allgegenwärtig gutmenschelnd Nachhaltigkeit in der Produktion, der Landwirtschaft, der Energieerzeugung, der Bio-Öko-Lebensmittel- und Textilindustrie herbeischwadroniert wird, stecken sich immer mehr langzeitgedächtnisgeschädigte Dienstleister die Taschen mit virtuell herbeigesponnenen Werten voll. Ohne Know-How, ja selbst ohne ein "Dienstleistungsprodukt" lässt sich auch und gerade in der IT-Branche schnell Reibach machen, meist auf Kosten gutgläubig zahlender Kunden und immer auf Kosten des ausführenden Fussvolks, dass wissentlich ahnungslos gezwungen wird, in der rauen Consulting-Wildbahn den rauchenden Schädel hinzuhalten.

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Mann kommt ja zu nichts mehr

am 10. Juli 2010 unter Foo abgelegt

Vor ein paar Wochen habe ich vollmundig einen Wien-Beitrag angekündigt. Niemals umgesetzt. Letztes Jahr schon das Projekt "Alter Schuppen zu schickem, komfortablem Einfamilienhaus umbauen" begonnen, auf der Mitte des Weges steckengeblieben. Es kommt halt IMMER anders, als Mann denkt…

Die Sockelleisten in den oberen Wohnräumen habe ich mit viel Not noch im letzten Jahr geklebt bekommen. Danach war ich erst einmal dauermüde, anschließend daueranderweitigbeschäftigt. Es ist ein Trauerspiel, ein Jammertal, ein gnadenloser, allgegenwärtiger Spiegel der eigenen Erbärmlichkeit.

All die grossartigen Ideen und Projekte, die Mann sich als Single ausdenkt, aber aufschiebt, weil es sich für EINEN nicht lohnt, Mann sowieso vom High-Live zu geschwächt ist, ersaufen letztendlich im Familienleben.  Und wenn einen eben dieses nicht völlig verzehrt, ist es der Job. Auch der zufriedenste Low-Budget-Lebenskünstler mit geringer Karrieremotivation wird zum Work-a-holic, wenn es darum geht, den Lebensstandard, wenn nicht die Ernährungsgrundversorgung seiner Liebsten sicher zu stellen. Echte Not hat nur der erlebt, der sich unter echter Verzichtbereitschaft und -notwendigkeit im DrogerieMarkt für die Alnatura-Babynahrung entschieden hat, obwohl sie ganz und gar nicht ins Budget passte.

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Zwischenbericht

am 21. Juni 2010 unter Uncategorized abgelegt

Aufgrund eines familiären Notfalls, der gepaart mit aktuell kräftezehrenden, aber erforderlichen beruflichen Veränderungen einhergeht, fehlte mir in den vergangenen Wochen jede Zeit einer Trivialität wie dem Pflegen eines Blogs nachzugehen.

schwarzsicht.org ist dennoch nicht tot, ich bin bemüht, hier in Zukunft eventuell sogar interessante Schriebwerke anzubieten, sofern dies das verquere Hirn überhaupt ermöglichen sollte.

Aktuell befinde ich mich für eine komplette Woche beruflich in Wien, Grund genug, dieser Alpenmetropole meine volle Aufmerksamkeit zu widmen. Und die meiner bescheidenen 2 Megapixel iPhonekamera.

Aktuell sieht das so aus:

Auf der Welle reiten

am 07. Mai 2010 unter Foo abgelegt

Die statische Welt geht ihrem Ende entgegen. Information-Overload ist zum dramatischen Schlagwort geworden, Informationen bedrängen uns geradezu überall.  Wer früher nur mit dem Tageszeitunglesen nicht hinterherkam, hetzt inzwischen Anrufen in Abwesenheit, Facebook-Statusupdates, Terminerinnerungen, unbeantworteten Emails, Twitternachrichten, RSS-Feeds und sonstigen Benachrichtungen welcher Web 2.0 Dienste auch immer hinterher. Gibt es ein Entkommen, aus der Flut?

Ganz klar: Ja.

Das Rezept beinhaltet bereits der Titel dieses Beitrages. Vor einer Welle kann man sich nicht verstecken, auch Untertauchen führt nicht zu ihrem Abebben. Sicherlich ist es wichtig, sich Auszeiten zu nehmen, sich gezielt temporär abzuschotten, um das Leben auch im privaten, familiären Bereich noch bewerkstelligen zu können, nur löst dies nicht das Problem, denn in jeder Auszeit stauen sich neue Informationen an, die für neuen Stress sorgen werden.

Man kann eine Welle nur reiten. Dabei lässt man sich mitreissen, genießt die Fahrt, so lange sie dauert, aber etwas das nie endet kann unmöglich vollumfänglich von außen beobachtet und analysiert werden.

In Zeiten vor dem Internet, vor dem Mobiltelefon haben wir uns unsere Informationen zum Konsum gezielt ausgewählt, in dem wir uns für EINE Zeitung, EINE Fernsehsendung, oder EIN Telefonat zur gleichen Zeit entschieden haben. Man hat sich selbst dazu erzogen, die verfügbaren Informationen so effektiv und vollumfänglich aufzunehmen, wie nur eben möglich. Inzwischen ertrinken wir geradezu in Redundanzen und Trivialitäten, die Selektion ist schwer bis unmöglich geworden. Hier heisst es: Mut zur Lücke beweisen! Man kann und muss nicht alles lesen, betrachten und belauschen, was das allgegenwärtige Medienangebot uns entgegenschleudert.

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Generation “Digital Natives” und die Idiosynkrasie des verkauften Internets

am 06. Mai 2010 unter Foo abgelegt

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Aktuell in aller Munde, treiben sie den "alten Säcken" der IT – Branche wahlweise Bewunderungssschauer über die Innenarme, oder den Angstschweiss ins Gesicht. Kaum jemand weiss allerdings viel mehr über die ins digitale Zeitalter Geborenen, als dass sie mit dem Medium Internet geboren wurden. Wer sind sie? Was machen sie? Was können sie?

Nach 1980 geboren, mit PC, Handy und Spielekonsole aufgewachsen, schon früh im Internet vernetzt und von völlig anderer Gedankenstruktur, das sind die offiziellen Voraussetzungen für einen "Digital Native". Realistisch betrachtet können aber mit dem Internet aufgewachsenen kaum vor 1990 geboren sein, gehen wir also davon aus, das ein waschechter "Native" keinesfalls älter als zwanzig Jahre sein mag, mit Stand heute.

Die Wissenschaft bescheinigt ihnen signifikante, neue Fähigkeiten im Umgang mit Informationen: Sie seien Multitaskingfähig, verfügten über ein deutlich beschleunigtes Auffassungsvermögen, gingen mit technischen Neuerungen wie selbstverständlich um, seien hochgradig vernetzt und vielseitigst interessiert. Im Gegenzug wird ihnen eine verkürzte Aufmerksamkeitsspanne, Unkonzentriertheit und Oberflächlichkeit attestiert.

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Austrianische Sprachschule (Teil II)

am 29. April 2010 unter Foo, Kultur muss auch mal sein abgelegt

Deutschland-Oesterreich

Auch im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit den sprachlichen Unterschieden in den beiden panalpinischen Nachbarländern im Sinne einer besseren Völkerverständigung.

Im ersten Schritt soll aber an dieser Stelle etwas  tiefgründiger in die österreichische Seele eingedrungen werden, denn gegenseitiges Verständnis ist Grundvoraussetzung jedweder Kommunikation. Die (wenigen) Eigenheiten des Alpenländers führen bei den einen zu einem leicht exzentrischen Gesamteindruck, der andere bemüht den vielzitierten "Morbus austriacus" um seine Berührungsängste zu begründen. Wie man es jedoch auch immer nimmt: Der Österreicher an sich wird oftmals zu Unrecht belächelt, auch wenn er es sich oft selbst nicht zuzugeben getraut: Er ist ein vollwertiger Mensch und liebenswert, wenn man ihn erst einmal verstanden hat.

Am ehesten lässt sich das österreichische Selbstbild als "dialektisch" benennen. Offenkundig unvereinbare Gegensätze zeichnen es aus, jedoch wird der Österreicher niemals müde, diese Dialektik zu negieren: Sich einerseits stets dem großen Bruder Deutschland unterlegen zu fühlen, aber dennoch einen beinahe pathologischen Nationalstolz zu zelebrieren, schließt sich nicht aus. Der Österreicher ist halt schlicht weltoffen, bleibt aber gerne unter sich. Der Deutsche ist als Tourist (zu Recht) verhasst, als Einwanderer gefürchtet, aber man hat ihn halt lieb. Der Österreicher ist stolz ein Österreicher zu sein, aber er schämt sich eben dafür.

Wichtig zu begreifen ist noch, dass ein Österreicher niemals die Schuld trägt. Diese kann jederzeit einem anderen Österreicher aufgebürdet werden, wo sie jedoch ebenso entrüstet abprallt. Er trägt auch keine Verantwortung, konsequenterweise auch nicht für einen Erfolg. Das Schweigen eines Österreichers lässt sich am einfachsten als Zustimmung werten, alles andere führt zu nichts. Wenn ein Österreicher schweigt, schämt er sich meist, und wenn er sich schämt, dann schweigt er.

Man hat in Österreich ganz sicher die Arbeit nicht erfunden, oftmals steht man sich mit südländischem Phlegma selbst im Weg, ist aber keineswegs faul. Was getan werden muss, das wird getan, ansonsten machts ein anderer. Konflikten ist grundsätzlich aus dem Weg zu gehen. Ganz wichtig: Ohne Titel ist man als Österreicher GAR NICHTS.

Doch zurück zu den sprachlichen Tricks und Kniffen der bergüberwindenden Völkerverständigung, heute mit einem Fokus auf Redewendungen:

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Willkommmen zurück!

am 07. April 2010 unter Foo abgelegt

Herzlichen Dank, dass Sie meiner Umleitung gefolgt sind, Sie haben Ihr Ziel erreicht Sollten sie dies nicht und neu hierher gefunden haben: Ignorieren Sie alles, was Sie nicht verstehen.

Leider brachen auf dem alten Blog immer mehr und mehr Funktionen ohne erkennbaren Grund weg, die Erreichbarkeit war eine Katastrophe und der Support des Hosters nicht unbedingt der Willigste. Mich nerven Fehler, die ich nicht selbst beheben kann, mich nervt, wenn ich Ideen nicht spontan umsetzen kann. Also lag nur ein Schluss nahe: Auf einen selbstadministrierten Webspace umziehen!

Seit einigen Wochen habe ich wieder einen Rootserver angemietet, der ursprünglich eher für andere Aufgaben gedacht war, als dumpfer Werbserver zu sein. Jetzt übernimmt er diese Aufgabe eben auch noch. Und was mir vermutlich kaum einer glauben mag:

schwarzsicht.org läuft jetzt auf Windows.

Ja, mir ist auch noch überaus mulmig, aber man wird sehen, wie es sich schlägt.

Als kleines Umzugsschmankerl habe ich dem Blog nun ein iPhone-Theme spendiert, welches das Blog auf mobilen Endgeräten optimiert darstellt.

 

Herr Schulz und ich…

am 27. März 2010 unter Foo abgelegt

Es ist eine lange Geschichte, inzwischen, die wir miteinander teilen, über jede Artgrenze hinaus. Ich bin beileibe kein Menschenfreund, noch weniger Tierfreund, von meinen Essgewohnheiten abgesehen. Es ist äusserst selten, dass ich eine Wesenheit "Freund" nenne, doch Herr Schulz muss sich das zwischenzeitlich fast täglich anhören.

Er ist etwas Besonderes, unbestritten. Für mich ist er lange Zeit der triftigste Grund gewesen, am Leben zu bleiben. Heute verdanke ich ihm schlicht, mein Glück noch erleben zu dürfen.

Wir sind im Jahre 2003. Dezember. Ich befinde mich in einer etwas beschwerlichen Lebensphase, meine Ehe ist gerade gescheitert, meine Gattin aus der gemeinsam gegründeten WG gerade ausgezogen. Ich fühle mich frei und erleichtert, doch ist ein Mangel bereits spürbar: Ich kann mich nur schlecht um mich selbst kümmern, umso besser um andere. Aber da ist gerade niemand. Meine WG Mitbewohner sind aktuell alle gut drauf, an meiner Fürsorge besteht kein Bedarf.

An einem grauen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, nicht sonderlich kalt, aber feucht und niederdrückend, verlasse ich mein Bett, zum ersten Mal seit Tagen, um einen Spaziergang zu machen. Ich war niemals der Spaziergänger, aber die besondere Situation trug besondere Früchte. So begab es sich, das ich mich in meinem neu erworbenen, finanziell völlig unhaltbaren, Sportwagen von Dormagen, meinem damaligen Wohnort, zufällig nach Rommerskirchen begab, um dort meinem irrationalen Bewegungstrieb freien Lauf zu lassen. Ich war etwa eine Viertelstunde strammen Schrittes unterwegs, bereits am Ende meiner beschränkten Kräfte (ich hatte sehr schnell 40 Kilo abgenommen, was meine Kondition seinerzeit spürbar schwächte), als aus dem knirschenden Gebüsch plötzlich ein bösartiger Wolf mir entgegensprang und mich missgünstig musterte. Ich musterte um einiges missgünstiger zurück, was mein fletschendes Gegenüber jedoch kaum beeindruckte. Sicherheitshalber mit den Händen in der Hosentasche setzte ich meinen Weg, die Zaghaftigkeit schlecht überspielend, schnittig fort. Das Untier dicht an meinen Fesseln.

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Austrianische Sprachschule (Teil I)

am 26. Februar 2010 unter Kultur muss auch mal sein abgelegt

Deutschland-Oesterreich

Heisst zwar auch in Österreich die Amtssprache "Deutsch", stößt jedoch der preussische Einwanderer in der schönen Alpenrepublik schnell auf Sprachschwierigkeiten, die sich nicht allein in der oftmals sehr exotischen Terminologie begründen lassen, sondern vielmals auch in einer völlig unterschiedlichen Mentalität der beiden Volksstämme ihre Ursachen haben.

Während auf syntaktischer Ebene Werke wie Ostarichi exzellente Dienste erweisen, stiftet die Semantik vielmals unbemerkt unnötige Verwirrung. Diese lose Artikelserie soll Licht ins Dunkle der österreichischen Sprachpsychologie bringen und damit ihren Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Ich mag mich in vielen Interpretationen irren und dem ein, oder auch anderen damit Unrecht tun, ich versichere jedoch in meiner inzwischen eindreivierteljährigen Erfahrung nach bestem Wissen und Gewissen vorzugehen.

- "eh kloar!" –

Eine Floskel des Österreichers, wenn ein Sachverhalt klar ist, er aber dennoch seichte Zustimmung signalisieren möchte. Kann in einer angeregteren Diskussion allerdings auch aggressiv eingesetzt werden um ein den Adressaten langweilendes Thema zu unterbrechen, oder aber um zu implizieren, dass Gegenüber halte einen selbst offensichtlich für "deppat".

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