
Eines vorweg: Seit kurzem reagiere ich allergisch auf Äpfel. Allerdings bezieht sich diese Hypersensitivität ausschließlich auf das Baumobst, keineswegs auf die Protagonisten dieses Erklärungsversuchs, wieso ich in jüngster Zeit, ganz entgegen meinen Gewohnheiten, Unsummen in Rechenwerke aus dem sonnigen Kalifornien investiert habe.
Seinen Anfang nahm alles mit dem iPhone. Im Sommer 2008 erwarb ich mein erstes Exemplar, ein 3G mit 16 GB Speicher. Bis dato hatte ich mich überwiegend in der Windowswelt bewegt, sowohl was den Desktop, meine Server, als auch meine Mobiltelefone anbetraf. Die ersten Fingerstreiche auf der gläsernen Schönheit gerieten zu einem sich in mein Usability-Gedächtnis auf ewig eingebrannten, praeorgasmischen Offenbahrungserlebnis. Bis zu jenem denkwürdigen Sommertag betrachtete ich das GUI von Windows Mobile mit seiner hakeligen, ressourcenfressenden Stiftbedienung für das unbefriedigende, aber bislang unerreichte Maß der Dinge.
Beruflich bewege ich mich, naturgemäß als Windowsentwickler, exklusiv im Reich der Dosen. Privat stehe ich eher auf funktionierende Systeme, weshalb meine heimischen Rechner die letzten Jahre vornehmlich unter Linux liefen.
Die kleine weisse Flunder (das 3G gab es von Anfang an auch in weiss) sprach meine Ansprüche an maximale Effektivität bei minimalem Wartungs-, Pflege- und Bedienaufwand unmittelbar an und überwältigte mich in meiner IT-zentrierten Lebensanschauung nachhaltig. Niemals zuvor war eine Benutzeroberfläche derart ansehnlich bei gleichzeitiger, freudespendender Bedienbarkeit.
Inspiriert von dieser Begegnung der dritten Art, beschloss ich kurzerhand Apple als Plattform eine Chance zu geben. Ein kompletter Umstieg war definitiv nicht denkbar, so orderte ich ein MacBook Air, um erste Erfahrungen auf dem Desktopsystem der Kalifornier zu sammeln. Optische Datenträger passten sowieso noch nie in mein Synchronisationskonzept. Das kleine Biest war verdammt teuer, allerdings schenkte Apple mir aus Gründen der Nichtverfügbarkeit einer mechanischen Platte die damals größte SSD mit 128 GB unaufgefordert dazu. Die ersten Tage, Wochen, Monate gestalteten sich als Offenbarung. Nebst der wirklich bemerkenswerten Systemstabilität und effektivitätszentrierten UI-Gestaltung offenbarten sich mir nämlich nach und nach die Geheimnisse, wie Windows-Selbstverständlichkeiten unter MacOS dann doch irgendwie funktionieren. Die Suche nach der Tastenkombination für einen Backslash auf einer von OSX aus gestarteten RDP-Session auf einem Windows-Server würde ich meinem schlimmsten Feind nicht zumuten wollen. Tasten wie "Zeilenanfang", "Zeilenende"? Fingerbruch. Aber ich hatte iPhoto. Und X-Code. Beide besitzen kein Pendant auf der Windows-Plattform. Letztlich lief auch iTunes besser. Das AIR befand ich als grossartig, war aber displaygrößen- und auflösungsbedingt nicht als Ersatz für das Dell-Notebook denkbar.
Aus dem alten Dell wurde ein HP Probook und damit alles noch unerträglicher. Das geschenkte iPad vermochte im privaten Bereich Trost zu spenden, nicht aber im Arbeitsalltag. Telefontechnisch war ich zwischenzeitlich über das 3GS mit stetig wachsender Begeisterung bereits zum iPhone4 fortgeschritten, hatte mit meinen Altgeräten schon die komplette Familie verseucht.
Seit wenigen Wochen bin ich nun, nach Jahren der Annäherung, endgültig auf den Apfel umgestiegen. Unterwegs mit einem MacBook Pro 15 Zoll aus 2011 und privat mit einem 2010er 27 Zoll iMac. Ich vermisse nichts, ausser den nervenzerfetzenden Bastelstunden am Windows, diese auch nur in negativem Sinne. Es gibt nichts, das ich weniger bewerkstelligen könnte. Nur alles in weniger Zeit. Und mit mehr Ästhetik. Und damit mehr Spass.
Apple hat drei Generationen iPhones, ein MacBook Air und zwei beim iPad gebraucht um mich endgültig zu überzeugen, aber letztlich hat man mich doch rumbekommen. Ich arbeite nach wie vor gerne an Linux- und Windows-Servern, aber clientseitig möchte ich meine Macs keinesfalls jemals wieder missen.